Samstag, 31. März 2018

Lennon

"Lennon" 
von 
David Foenkinos




erschienen am 12.03.2018
  DVA Verlag
ISBN: 9783421047991
  240 Seiten



Inhalt:


Es war ein folgenreicher Tag im Jahr 1975, als John Lennon entschied, keine Bühne mehr zu betreten. Auf der Couch eines Psychoanalytikers sitzend, lässt er seine wilde Zeit Revue passieren: den meteoritengleichen Aufstieg der Beatles, und wie er daran fast zugrunde gegangen wäre. Er erzählt von seiner einsamen Kindheit, die eine unheilbare Wunde gerissen hat, von seiner vollkommen irren Liebe zu Yoko Ono, den Jahren des Suchens, der Drogen, des Größenwahns – und seinem Kampf für den Frieden.

Er hat unsterbliche Songs geschrieben, und alle Welt meint ihn zu kennen, doch wer war John Lennon wirklich? Bestsellerautor David Foenkinos führt uns in dieser Romanbiografie ganz nah heran an den Popgiganten, dessen kurzes Dasein nicht nur das Leben von Millionen von Menschen, sondern auch den Lauf der Musikgeschichte für immer geändert hat.


Meine Meinung: 



John Lennon ist wohl jedem ein Begriff. Wer kennt nicht die Beatles und auch seine Solo-Hits. Aber wer war Lennon wirklich? Was für ein Mensch war er, was dachte und fühlte er? Genau dies hoffte ich mit dem Buch zu erfahren. Nun bin ich kein großer Beatles- oder John Lennon-Fan, aber ich habe bisher die Bücher von David Foenkinos recht gern gelesen und war nun gespannt auf sein neustes Werk. 

Das Fazit nach dem Lesen ist leider ernüchtern und kurz: enttäuschend. 
Ich bin ohne große Vorstellungen an das Buch herangegangen. Jedoch musste ich schon nach ein paar wenigen Seiten feststellen, dass es mich nicht wirklich anspricht. Es überraschte mich, dass mich der Schreibstil von David Foenkinos diesmal so langweilt. Die Therapiestunden von John Lennon zogen sich über die Seiten und konnten mich nicht einfangen. Er hatte keinen leichten Start ins Leben und gab diese Erfahrung leider an sein erstes Kind weiter. Phasenweise erschien er mir sehr egoistisch und zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um mitzubekommen, wie schlecht er die Menschen um sich herum behandelte. Zwar erkannte er am Ende sein Problem und versuchte sich noch zu verändern, aber dies machte die Geschichte leider nicht interessanter.

Es war diesmal leider kein Lesevergnügen. 
Ich habe das Buch enttäuscht zugeklappt und kann nur auf ein neues und 
besseres Buch von Foenkinos hoffen.





2 von 5 Sternen

Dienstag, 27. März 2018

Señor Gonzalez und der Garten des Lebens

"Señor Gonzalez und der Garten des Lebens" 
von 
Claus Mikosch




erschienen am 26.03.2018
Gütersloher Verlagshaus
ISBN: 9783579087009
189 Seiten


Inhalt:

Niklas, Anfang 30, gerade arbeitslos geworden und irgendwie entwurzelt, beschließt eine Auszeit in Andalusien. Dort begegnet er Señor Gonzalez, einem alten Gärtner, der seit Jahrzehnten Gemüse auf natürliche Weise anbaut, »immer mit der Natur als Freund und Gehilfe«. Zuerst besucht Niklas den alten Mann hin und wieder, dann hilft er ihm täglich einige Stunden bei der Gartenarbeit. Dabei lernt Niklas nicht nur etwas über den Anbau von Lauch und Tomaten, sondern vor allem etwas über Gelassenheit, Achtsam- und Genügsamkeit. Señor Gonzalez, sein Wissen und seine Weisheit öffnen Niklas die Augen und helfen ihm, sein Leben neu auszurichten.


Meine Meinung:


Señor Gonzalez ist ein liebenswerter und weiser alter Mann, der in Spanien auf seinem Land lebt und mit viel Liebe und Hingabe seinen Acker bepflanzt und Bio-Gemüse verkauft. Seine Weisheiten sind nichts neues, aber er wurde von dem Autor so charmant beschrieben, dass man sich die teilweise doch recht flachen Weisheiten gefallen lässt. 

Doch leider reichen Claus Mikosch nicht die Lebens- und Gartenweisheiten, nein, er packt noch etwas Politik und Flüchtlingskrise, Streik und Ökoprobleme mit hinein. Es wird dann doch für die 189 Seiten reicht viel und somit auch oberflächlich und man fragt sich schon, was will mir der Autor eigentlich sagen? 
 Leider taucht auch immer wieder der erhobene Zeigefinger auf. Die Geschichte verliert leider mit jeder Seite mehr seinen Charme und Reiz und der arme Señor Gonzalez steckt mittendrin. Es ist nicht alles schlüssig, was erzählt wird. Es hinkt ein wenig zu sehr und man bekommt nur angerissene Probleme und die üblichen Lösungsvorschläge geliefert.

Claus Mikosch kann gut schreiben, keine Frage, aber er hat für die kleine Geschichte einfach zu viel gewollt.





3 von 5 Sternen

Sonntag, 25. März 2018

Einsiedlerkrebse

"Einsiedlerkrebse" 
von
 Anne B. Ragde




erschienen am 15.03.2010
Hörbuch Hamburg
ISBN: 9783899036923
5 CD = 393 Minuten
gekürzte Lesung 



Inhalt:


Nach dem Tod der Mutter meiden die Brüder Margido und Erlend den heruntergekommenen Familienhof Byneset nahe Trondheim. Beide führen auf ihre Weise ein erfülltes Leben. Während Margido, ein Bestattungsunternehmer, seinen Beruf mit fast religiöser Hingabe zelebriert, genießt der schwule Schaufensterdekorateur Erlend das Leben in vollen Zügen. Beide ahnen nicht, dass sich auf dem maroden Hof eine Tragödie anbahnt. Seit dem Tod der Mutter und dem schockierenden Geständnis des vermeintlichen Vaters, lebt ihr ältester Bruder, der Schweinezüchter Tor, zusammen mit eben diesem, seit jeher verhassten, Vater allein auf dem Hof. Tors Tochter Torunn versucht in dem konfliktgeladenen Verhältnis zu vermitteln, doch die Männer gehen sich aus dem Weg. Als Tor seine Tochter eines Abends vor die Entscheidung stellt, den Hof zu übernehmen, eskaliert die Situation. 



Meine Meinung:



Die Familiengeschichte von Anne Ragde geht weiter. Nachdem ich den ersten Teil etwas schleppend fand, hat mich der zweite Band schon mehr begeistert. Vielleicht lag es daran, dass man nun auf „alte“ Bekannte stößt und man die Beziehungen untereinander besser versteht oder daran, dass man das Gefühl hatte, die Geschichte geht voran und stagniert nicht. Es wird eine Mischung aus allem sein. 

Ich freute mich auf Erlend und seinen Mann, auf Margido und seine Verabredung und wie es weitergehen wird mit Tor und Torunn. Man erfährt noch mehr aus dem Leben der doch recht verschiedenen Brüder. Manche Geschichten und Erlebnisse sind traurig und stimmen nachdenklich, andere führen zum Schmunzeln. Diese Familie, die anfangs so gar keine Familie mehr war, wächst so ganz langsam zusammen. Es knirscht und knarzt noch ordentlich und die Annäherungen zwischen den Brüdern ist recht unbedarft und stockend, da sie alle Angst vor Enttäuschungen, Zurückweisung und Kränkung haben. Und doch spürt man, wie sie immer mehr aufeinander achtgeben und immer mehr an die anderen denken. 


Das Ende des Hörbuches ist Gott sei Dank, nicht das Ende dieser Familiengeschichte. Es geht weiter mit den Brüdern, die nun Väter und Onkels werden…man liest oder hört sich wieder…bis zur „Hitzewelle“.






 4 von 5 Sternen

Freitag, 23. März 2018

Eiskalter Hund

"Eiskalter Hund" 
von
Oliver Kern


erschienen am 12.03.2018
Random House Audio
ISBN: 9783837140873 
5 CD = 6 Stunden 19 Minuten
gekürzte Lesung
Sprecher: Michael Schwarzmaier
 

Inhalt:

Fellinger ist ein kerniger Typ: Grantelig und gradaus. So, wie die Leute eben sind. Dort, wo er lebt. In einer Kleinstadt im Bayerischen Wald. Fellinger wollte immer Polizist werden. Hat nicht geklappt. Sein Knie. Und überhaupt. Jetzt ist er Lebensmittelkontrolleur. Eines Tages beschwert sich ein anonymer Anrufer über das chinesische Restaurant im Bezirk. Vor Ort stellt Fellinger fest, dass die schwarze Soße eklig, aber unbedenklich ist. Ganz anders sieht es da im Kühlhaus aus. Dort hängt ein toter Hund am Haken. Heikel wird die Sache, als sich herausstellt, dass die Halterin verschwunden ist. Fellinger fängt an zu ermitteln … und hört nicht mehr auf!


Meine Meinung: 


Es gibt Hörbuchsprecher, die können mich packen und mitnehmen und die Zeit vergessen lassen. Sie schaffen es sogar, dass ich in der Garage im Auto hocken bleibe, nur um noch das Kapitel zu Ende zu hören. Der Herr Schwarzmaier gehört dazu.

Der eiskalte Hund wäre wahrscheinlich nur halb so gut geworden ohne ihn. Die, doch sehr bayrisch-eigenen Charaktere bekommen einen noch feineren Dialekt verpasst und auch die Nebendarsteller bleiben in Erinnerung, dank der wunderbaren Vertonung. Danke für die sächselnde Asiatin. 

Der Fellinger ist eine neue Schnüffelnase unter den bayrischen Regionalermittlern. Nur ist er eigentlich kein Ermittler, sondern ein Hygieneinspektor. Doch wenn ihm schon mal ein toter Hund im Kühlhaus eines Asia-Restaurants vor der Nase hängt, dann wird er neugierig und begibt sich auf die Suche nach der Besitzerin. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf und der Fellinger gerät immer tiefer in die Geschichte.

Oliver Kern packt nicht nur den grantigen bayrischen Charme in die Geschichte, sondern auch jede Menge Vorurteile und deftige Wortwechsel hinein. Das Tempo ist eher gemäßigt und auch die Toten sind überschaubar. Man braucht keine Angst vor zu viel Blut haben, aber dafür muss man den einen oder anderen Lacher wegstecken können z.B. wenn der Fellinger seinem nahenden Tod ins Auge sieht. Dann wird es sehr poetisch.

Mir hat der Fellinger gut gefallen, besonders die Umsetzung von Herrn Schwarzmaier fand ich gelungen und ich würde doch glatt noch einen Fall mit ihm lösen. Manchmal brauchts halt eine regionale Schnüffelnase neben den ganzen Profilern, Forensikern und Superkommissaren. 



4 von 5 Sternen

Mittwoch, 21. März 2018

Aprikosenküsse

"Aprikosenküsse"
von 
Claudia Winter



 
erschienen am 15.02.2016
  Goldmann Verlag
ISBN: 9783442483907
 411 Seiten


 Inhalt:

 
 Verrückt, romantisch, köstlich – eine Liebeskomödie aus der Heimat des Dolce Vita.
Das Leben der jungen Foodjournalistin Hanna könnte so wunderbar sein. Hätte sie nur nicht diese Restaurantkritik geschrieben, wegen der eine italienische Gutsherrin einen Herzinfarkt erlitten hat! Als sie dann auch noch versehentlich in den Besitz der Urne gelangt, reist die von Schuldgefühlen geplagte Hanna nach Italien – und wird zum unfreiwilligen Opfer eines Testaments, das es in sich hat. Denn selbst über ihren Tod hinaus verfolgt Giuseppa Camini nur ein Ziel: ihren unleidlichen Enkel Fabrizio endlich in den Hafen der Ehe zu steuern. Eine Aufgabe, die ein ganzes toskanisches Dorf in Atem hält, ein Familiendrama heraufbeschwört und Hannas Gefühlswelt komplett durcheinanderwirbelt!


 
 Meine Meinung:

Claudia Winters Bücher sind für den grauen Alltag und das schöne weiche Sofa geeignet. Hinlegen und los geht’s. In „Aprikosenküsse“ geht es nach Italien. Während wir als Leser gern unseren Gedankenkoffer packen und losfahren, sträubt sich bei Hanna so ziemlich alles dagegen. Doch es nutzt nichts, um ihren Job zu retten, muss sie Buße tun und dazu die Nonna abgeben. 

Eigentlich ist Hanna eine Journalistin und Restaurantkritikerin. Mit ihren Kritiken schafft sie sich nicht nur Freunde und so muss auch diesmal ihr Chef eingreifen. Also geht’s nach Italien und das Chaos, die Verwirrungen und natürlich auch die fiesen kleinen Schmetterlinge im Bauch stehen schon bereit. 

Claudia Winter hat herzliche Charaktere geschaffen. Es geht doch nichts über einen wunderbaren Küchendrachen mit Herz und einem Hang zu Groschenromanen und einem Bruder, der etwas Anderes will als die anderen Menschen auf dem Hof. Dazu wird noch ein gutaussehender, aber störrischer Aprikosenbauer, der stets ganz knapp am Ruin wirtschaftet. Und dann taucht da auch noch eine Ex-Liebe auf, als hätte Hanna nicht schon genug zu tun. 

Es wird turbulent, etwas chaotisch, witzig und unterhaltsam und am Ende, man kann es fast schon ahnen auch kitschig. Vorhersehbar ist diese Geschichte schon, aber der Weg zum Ziel ist recht unterhaltsam und so kann man seine Regen- und Schneetage doch ganz nett mit diesem Buch verbringen.




 
3 von 5 Sternen

Sonntag, 18. März 2018

Die H.I.T.- Bibel

"Die H.I.T.-Bibel" 
von 
Lisa Purcell






Inhalt:

Hochintensive Übungen geben beim Cardio- und Krafttraining den Kick und machen in kürzester Zeit fit. Die 500 besten Übungen fürs Power-Training liefert nun „Die H.I.T.-Bibel“. Egal ob Einsteiger oder Profi, mit den Step-by-Step-Anleitungen zur korrekten Ausführung und den zahlreichen Varianten mit Geräten oder ohne kann auf jedem Level trainiert werden. 70 anatomische Illustrationen zeigen, welcher Part der Muskulatur besonders beansprucht wird.






Meine Meinung:


 Volle Power wird es bei mir mit diesem Buch wohl leider nicht geben. Ich war etwas enttäuscht von der Aufmachung des Buches.

Es geht ohne große Worte direkt mit den funktionellen Moves los. Was folgt sind viele (wirklich viele) Übungen, die anhand von nur ein bis zwei Bildern erklärt werden. Dazu gibt es einen Text, der beschreibt, was man machen soll. Wenn man sich durch die 225 funktionellen Moves gekämpft hat, kann man direkt zu den Powerübungen (226-500) übergehen und auch dort bekommt man die Übungen mit nur wenigen Bildern (jedoch etwas mehr als bei den funktionellen Moves) und einer kurzen Beschreibung erklärt.

Auf mich wirkte das Buch wie ein Lehrbuch für Studenten der Sportwissenschaft - nüchtern, ohne große Schnörkel und Erklärungen.

Ich fühlte mich durch diese Art der Darstellung so gar nicht motiviert loszulegen. Ich hatte auf ein paar Trainingspläne gehofft. 15min, 25min usw. Trainings mit verschiedenen Schwerpunkten und ein paar Tipps und Tricks und vor allem Hinweisen auf typische Fehlhaltungen, damit man diese vermeiden kann. Vielleicht könnte man bei einer weiteren/späteren Auflage eine Übungs-CD beilegen, damit man nicht mit dem Buch in der Hand trainieren muss.

 

 
 3 von 5 Sternen

Montag, 12. März 2018

My Mindful Flow

"My Mindful Flow" 
von 
Jocelyn de Kwant



 
365 Ideen für ein achtsames Jahr
Inspirationen und kreative Übungen fürs Hier & Jetzt
 
 
erschienen am 15. Februar 2018
240 Seiten
südwest-Verlag
ISBN: 978-3517-09676-6
 
 
 
Inhalt:
 
Raus aus dem Autopiloten und rein ins Leben! Mit Augen öffnenden Anregungen, inspirierenden Aufgaben und fantasievollen Übungen, um das Hier und Jetzt zu erkunden, ermutigt dieses Buch zu mehr Achtsamkeit und Auszeiten im Alltag. 365 liebevoll illustrierte Ideen zelebrieren das Glück der kleinen Momente: Einfach hinhören, hinschauen, durchatmen, sich mit allen Sinnen öffnen, kreativ werden und den Kopf freimachen, um jeden Tag bewusst zu leben.
 
 
 
 

Meine Meinung:

Über Achtsamkeit habe ich schon einiges gelesen, auch schon ausprobiert. Doch immer wieder drängelte sich der Alltag dazwischen. Nun habe ich wieder einen Versuch gestartet und bin leider gescheitert. 
 
Es lag NICHT an diesem wunderbar gestalteten Buch mit den vielen schönen Illustrationen und den tollen Ideen. Aber es ist nicht mein Achtsamkeitsbuch. Warum? Für mich ist es eher ein Mal- und Bastelbuch und genau das ist meine ganz große Schwäche. Ich bastel nicht gern und mit dem Malen steht es auch nicht so gut. Deshalb war ich etwas erschrocken als ich die vielen Ideen (ich nenne die Idden bewußt nicht Aufgaben) gesehen habe und vor allem wie ich sie lösen soll. Ich habe es probiert, die Stifte ausgepackt, den Spitzer bereitgelegt und dann habe ich eine Idee gesucht mit der ich starten kann.
 
Was soll ich sagen? 
 
Gedichte schreiben, Bilder malen, Schriftarten üben, Obststicker aufkleben...das alles entspannt mich leider nicht. 

Für Menschen, die all das gern tun und dabei so richtig gut abschalten können, kann ich das Buch nur ans Herz legen. Es ist sehr schön gestaltet, es hat viele Ideen aus den verschiedensten Bereichen und man kann seiner Kreativität (sofern vorhanden ;-)) freien Lauf lassen.




4 von 5 Sternen




Mittwoch, 7. März 2018

STRAFE

"STRAFE" 
von 
Ferdinand von Schirach 




erschienen am 05.03.2018
  Luchterhand Verlag
ISBN: 9783630875385
 192 Seiten

 

 Inhalt:


Was ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit? Wie wurden wir, wer wir sind?
Ferdinand von Schirach beschreibt in dem Buch "Strafe" zwölf Schicksale. Wie schon in den beiden Bänden "Verbrechen" und "Schuld" zeigt er, wie schwer es ist, einem Menschen gerecht zu werden und wie voreilig unsere Begriffe von "gut" und "böse" oft sind.
Ferdinand von Schirach verurteilt nie. In ruhiger, distanzierter Gelassenheit und zugleich voller Empathie erzählt er von Einsamkeit und Fremdheit, von dem Streben nach Glück und dem Scheitern. Seine Geschichten sind Erzählungen über uns selbst.  


Meine Meinung:


Es ist ein schmales Buch mit 12 Schicksalen, die aus dem Leben gegriffen sind. 
Es sind keine leichten Geschichten, sondern Fälle, die einem die Augen öffnen sollen. Teilweise gibt es Wendungen und Ergebnisse, die ich so nicht erwartet hätte, die aber zum Nachdenken anregen. 

Von Schirach schreibt sehr sachlich. Für mich eine Spur zu emotionslos und zu distanziert zu seinen Charakteren. Die Geschichten wirkten wie Berichte aus irgendwelchen Akten. Auch fand ich den Schreibstil zwar gut und schnell lesbar, aber der Text wirkte wie abgearbeitet. Stichpunkt für Stichpunkt zu einem Satz formuliert und die emotionalen Worte wurden weggelassen. Wer gerne Romane liest, wird hier wohl etwas von dem kalten und klaren Schreibstil abgeschreckt werden.

Die Schicksale sind trotz des Schreibstil sehr lesenswert und man sollte darüber nachdenken, ob man immer die Menschen in gut (weiß) und böse (schwarz) einteilen kann. Von Schirach zeigt Beispiele, die diese klare Trennung nicht zulassen.





3 von 5 Sternen

Sonntag, 4. März 2018

Die rote Olivetti

"Die rote Olivetti" 
von 
Helge Timmerberg


erschienen am 03.04.2017
  Piper Verlag
ISBN: 9783492310871
240 Seiten



Inhalt:

Helge Timmerberg war nie ein Pauschaltourist: Schon früh bereiste er Länder, von denen andere nur träumen, traf Menschen, denen andere nie begegnen. Und er schrieb darüber: packende Reportagen und Bücher, farbig, voller Humor und ohne Tabus. In seiner Autobiografie schildert er nun seine Anfänge als Journalist in Bielefeld und die Jahre danach, in denen er für »Playboy« und »stern« schrieb, und berichtet ungeschminkt von den Exzessen seiner goldenen Jahre in Havanna. Wir werden Zeuge seines tiefen Drogenabsturzes – und erleben mit, wie er auf einer Reise durch den Himalaja sein Leben wiederfindet.


 Meine Meinung:

Helge Timmerberg nimmt den Leser mit auf die Reise in sein Leben, zu seinen Anfängen und seinen ersten Reisen. Er schreibt über seine Anfänge kleine Texte zu platzieren und wie er immer mehr Zuspruch und Platz in den größten Zeitschriften Deutschlands erhält. Seine Freiheiten als Journalist/Autor ließen mich schon staunen. Ebenso war ich überrascht, was man damals als (erfolgreicher) Autor verdiente. Ob dies heute noch möglich oder sogar noch mehr geworden ist, wer weiß. Seine für mich spannenste Zeit war seine Havanna-Zeit. Seine Beschreibungen über seine Liebe, seine Kiffer-Drogen-Zeit und auch die Arbeitsbedingungen waren faszinierend zu lesen. Er lässt nichts aus und stürzt dabei auch ordentlich ab und doch schafft er es, sich immer wieder aus dem Sumpf zu ziehen. 

Die Reise durch den Himalaja zeigte, wie er versucht die Länder und die Menschen, deren Arbeit, deren Religion und deren Leben aufzusaugen, um sie dann auf Papier zu bringen. Er ist in seinen Büchern immer sehr geradeaus, schont sich und seine Leser nicht und doch sieht er vieles mit einem Augenzwinkern und Ironie. 

Und genau diese Mischung lässt mich immer wieder Bücher von ihm lesen.




4 von 5 Sterne