Samstag, 28. Mai 2016

Im unwahrscheinlichen Fall

"Im unwahrscheinlichen Fall" 
von
 Judy Blume



Inhalt:

Wenn ein Moment das ganze Leben ändert 1952: Die 15-jährige Miri Ammermann wächst wohlbehütet im Städtchen Elizabeth, New Jersey, auf. Ihr Vater hat sich zwar früh aus dem Staub gemacht, aber ihre liebevolle und kämpferische Mutter, ihre weise Oma, ihre beste Freundin Natalie und all die anderen Menschen in ihrem Umfeld stehen ihr bei ihren Schritten ins Erwachsenenleben zur Seite. Als sie ihre erste große Liebe Mason kennenlernt, scheint das Glück perfekt zu sein. Doch dann stürzt ein Flugzeug ab, und nichts ist mehr, wie es war.


Meine Meinung: 


 Das Buch brauchte ein paar Seiten mehr, um mich mitzunehmen. Die Geschichte ist eine Mischung aus realen Begebenheiten und Fiktion. Die Abstürze der Flugzeuge sind traumatische Ereignisse, die sich den Köpfen der Menschen von Elizabeth eingebrannt haben. Erzählt wurde die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und von vielen einzelnen Personen.


Man muss beim Lesen stets daran denken, dass die Abstürze in den Fünfziger Jahren geschehen sind. Die technische Entwicklung war noch am Anfang und nicht so ausgereift we heute. Dafür war es umso interessanter zu lesen, wie überzeugt die Menschen von ihrer Technik waren. Der Einblick in das Leben, das Denken, die Wertevortsellungen der Menschen aus dieser Zeit fand ich gut. Die Moralvorstellungen, die Ansichten wie Frauen sich zu verhalten haben und was verliebte Paare sich alles einfallen lassen mussten, um sich zu treffen, machten die Geschichte lebendiger.

Die Geschichte an sich war interessant und gut zu lesen, jedoch schaffte es Judy Blume leider nicht die Spannung durch das ganze Buch zu halten. Auch waren mir zu viele Personen in diese Geschichte eingebunden. Ich konnte zu keiner der Personen eine Bindung aufbauen und mit ihr mitfiebern. Dafür waren die Passagen zu den Personen zu kurz und die Wechsel zwischen den Personen zu oft.

Insgesamt jedoch eine interessante Geschichte, die mich jedoch nicht komplett eingefangen hat und teilweise zu langsam erzählt wurde.

3 von 5 Sternen  


 

Dienstag, 24. Mai 2016

Nadjas Katze

"Nadjas Katze" 
von 
Ulrich Ritzel






 Inhalt:

Auf der Suche nach vergessenen Autoren – ihrem Hobby – entdeckt die pensionierte Lehrerin Nadja Schwertfeger in einem Antiquariat ein Heft mit einer Erzählung über das Kriegsende 1945. Stunden vor dem Einmarsch der US-Army hören in einem kleinen Dorf Einheimische, Flüchtlinge und versprengte Soldaten gemeinsam die Rundfunkübertragung zu Hitlers bevorstehendem 56. Geburtstag. Doch als der Strom ausfällt, läuft die Zusammenkunft aus dem Ruder … Eine Erfindung?

Nadja stolpert über ein seltsames Detail: die Beschreibung einer schwarzen Stoffkatze mit rosa Tatzen. Sie selbst besitzt eine solche Stoffkatze – es ist die einzige Verbindung zu ihrer Mutter, die ihr dieses Kuscheltier mitgegeben hat, als sie sie nach Kriegsende einer anderen Frau überließ. Nadja beschließt zu recherchieren. Hat es ein solches Dorf – wie in der Erzählung beschrieben – wirklich gegeben? Bald scheint sie tatsächlich fündig zu werden. Doch niemand in dem Dorf will mit ihr reden. Schließlich wird sie auf jemanden verwiesen, der hier ebenfalls aufgewachsen ist und später Polizist wurde: Es ist der ehemalige Kriminalkommissar Hans Berndorf, den sie dazu überredet, mit ihr auf eine Zeitreise zu gehen, die in den wenigen Stunden kulminiert, in denen das Dritte Reich bereits zusammengebrochen ist und die Menschen, gleichermaßen von Angst und neuer Lebenshoffnung erfüllt, auf die Ankunft der Sieger warten. Es wird auch eine Zeitreise in Berndorfs eigene Kindheit.


Meine Meinung:


Ulrich Ritzels Berndorf ist nicht einfach und je älter er wird, umso eigenwilliger wird er. Aber ich mag ihn irgendwie trotzdem (oder gerade deshalb).

Die Geschichte an sich ist gut durchdacht und auch interessant. Ulrich Ritzel verwebt wieder sehr viel deutsche Geschichte in den aktuellen Fall und strickt zwei Handlungsstränge, die sich im Laufe der Geschichte miteinander verbinden werden. Man ahnt recht schnell, wohin es führen könnte, aber hier ist der Weg das Ziel, denn die Verstrickungen aus dem zweiten Weltkrieg sind interessant. Das Verstecken und das Schweigen, damit die Verbrechen und das eigene Handeln nicht an die Öffentlichkeit kommen. Man will mit dieser Zeit nichts mehr zu tun haben. Einfach vergessen, was war. 

Bei dieser Geschichte weiß man nicht, was ist Fiktion und was ist Realität und doch kann man sich das Erzählte gut als wahre Begebenheit vorstellen. 

Jedoch haben mich die eingeschobenen Erzählungen des Autoren Paul Anderweg nicht so richtig packen können. Die sind jedoch Grundlage für die Suche, die dann Nadja Schwertfeger und Berndorf starten. Die Geschichte ringsum war wieder gut und interessant, die Recherche und die innere Unruhe, die mit jeder weiteren Information wächst bis zur Erkenntnis, dass...und hier macht es Ulrich Ritzel spannend.

Auf "Nadjas Katze" hatte ich mich gefreut und bin nun nach der Lektüre etwas enttäuscht. Es war nicht wie immer, flüssig und gut, sondern eher etwas holprig und schleppend. 

Trotzdem lohnt es sich (der deutschen Geschichte wegen), aber ich würde das Buch nicht als "Einsteigerbuch" empfehlen. Den Berndorf sollte man lieber etwas kennen bis man sich dieses Buch vornimmt.  

3 von 5 Sternen

Samstag, 21. Mai 2016

Das Echolot

"Das Echolot" 
von 
Walter Kempowski




erschienen am 19.01.2015
  Der Hörverlag
ISBN 9783844517255 
7 CD = 8 Stunden 56  Minuten

Gelesen von Rolf Boysen, Traugott Buhre, Rosemarie Fendel, Burghart Klaußner, Ulrich Noethen, Ulrich Matthes, Leslie Malton, Imogen Kogge uvm.


Inhalt:

Über 5000 Familiennachlässe hat Walter Kempowski gesammelt und archiviert. Regisseur Walter Adler hat aus den unzähligen Briefen, Tagebüchern und Alltagsdokumenten eine lebendige und facettenreiche Erinnerung an das Jahr 1945 geschaffen: So zeichnen die privaten Erfahrungen und Erlebnisse detaillierte, überaus persönliche Bilder vom Ende des Zweiten Weltkriegs, hörbar als überwältigende Chronik der Stimmen.

Meine Meinung: 



Geschichte zum Greifen nah, beklemmend, traurig und nachdenklich zurücklassend
Das Hörbuch zum Mehrteiler Abgang 45 von Walter Kempowski ist kein Hörbuch, was man mal eben nebenbei hört. Es dringt sofort ins Ohr und bleibt im Kopf haften. 

Die vielen unterschiedlichen Stimmen und Ausschnitte sorgen für Gänsehaut. Es werden Briefe, Feldpost, Notizen, Tagebüchereintragungen von Privatpersonen vorgelesen. Durch die vielen Sprecher (mehr als 200) bekommt man das Gefühl, die verschiedenen Stimmen des Volkes zu hören. Es gibt kaum positive Nachrichten. In den Aufzeichnungen dominieren Trauer, Leid und Angst, aber auch Wut, Verzweiflung und Zorn. 

Die Arbeit, die sich Walter Kempwoski gemacht hat, ist hörbar und unglaublich. Es ist ein wichtiges Zeitdokument, welches mich nachdenklich zurückgelassen hat. Ich konnte das Hörbuch nur in Etappen anhören und musste zwischendurch immer wieder eine Pause einlegen, um das Gehörte zu verarbeiten. 

Es gibt ein Booklet zum Hörbuch, welches man zu Beginn lesen sollte. Neben der Auflistung der Sprecher und der Biografie von Walter Kempowski kann man auch ein Interview von ihm zur Arbeit lesen. Ganz am Ende findet man noch einmal die wichtigsten Daten aus dem Jahr 1945. Ich fand es interessant und hilfreich, da es den Hörer ein wenig auf das Hörbuch vorbereitet. 

 Trotzdem muss ich zugeben, konnte ich die einzelnen Personen nicht immer erkennen und empfand es dann auf Dauer auch etwas anstrengend nicht zu wissen, wer gerade spricht. Zwar sind die Sprecher im Booklet mit ihren Rollen aufgelistet, aber nicht genau zugeordnet nur "Frau Hug", "Ingelein", "Frau I". Man weiß nicht zu welchen Zeitpunkt die Person auftreten wird, dies muss man „heraushören“, was jedoch nicht immer möglich war. Manchmal ist mir das nur gelungen, weil die Sprecherstimme bekannt war (z.B. Otto Sander) und ich dadurch wusste, wen er vorlas. Dies hätte etwas besser, strukturierter dargestellt werden können.
 

 4 von 5 Sternen

Sonntag, 15. Mai 2016

Der Sommer der Sternschnuppen

"Der Sommer der Sternschnuppen" 
von 
Mary Simses




 
erschienen am 18.04.2016
  Random House Audio
ISBN: 9783837133165 
5 CD = 6 Stunden 13 Minuten


Inhalt:

Grace, die Ordnung über alles liebt, verliert ihren Job als Korrekturleserin. Um herauszufinden, wie es weitergehen soll, kehrt sie in ihren Heimatort Dorset in Connecticut zurück. Doch bald holt sie ein, was sie für immer vergessen wollte: Ein nie verwundener Verlust — und Peter Brooks, den sie einen Sommer lang liebte. Als Grace erfährt, dass auch er zurück in der Stadt ist, ist es mit der Ruhe vorbei.


Meine Meinung:

 
Der Sommer der Sternschnuppen ist eine typisch amerikanische Liebesgeschichte mit einem Hauch an Dramatik.


Grace reist zu ihren Eltern, um den Geburtstag ihres Vaters zu feiern. Bevor sie abreist, muss sie feststellen, dass nichts im Leben von Dauer ist. Der Freund läuft weg, sie wird gekündigt und nun steht sie mit einem Wasserschaden in der Wohnung allein da. Sie zieht erstmal zu ihren Eltern. Dort angekommen, holt sie jedoch die Vergangenheit wieder ein.


Es klingt dramatischer als es ist, denn dafür wird die Geschichte zu oberflächlich erzählt. Natürlich steht die Liebe im Vordergrund und auch der innere Kampf, welcher Mann nun besser für sie ist. Sie sehen alle gut aus, haben Erfolg und Humor. Grace konnte mich nicht so ganz überzeugen, da sie, aus meiner Sicht, nicht wie eine Mittdreißigerin reagierte und sprach, sondern eher das Verhalten einer 16jährigen zeigte. Die anderen Charaktere waren etwas reifer. Jedoch wirkten alle Personen eher oberflächlich und einfach gehalten.

Das Zuhören machte durchaus Spaß, auch wenn die Sprecherin es nicht so wirklich schaffte, jeder Figur eine andere Stimme zu geben. Es fehlte auch etwas die Spannung in der Geschichte, denn das Ende war recht vorhersehbar. Während in der ganzen Geschichte (4CDs) immer nur Andeutungen zu ihrer Vergangenheit zu hören waren, wurde auf der letzten CD alles erzählt. Ich fand es schade, dass es nicht besser verteilt wurde. So wirkte das Ende etwas gehetzt und überfrachtet.


Insgesamt ist es aber eine nette und unterhaltsame Geschichte, welche für die lauen Sommerabende gut geeignet ist.

PS: Die Sternschnuppen konnte ich in dieser Geschichte nicht finden oder ich habe es überhört ;-).
 
3 von 5 Sternen

Donnerstag, 12. Mai 2016

Berlin 1936

"Berlin 1936" 
von 
Oliver Hilmes



erschienen am 02.05.2016
  Siedler Verlag
ISBN: 9783827500595 
 260 Seiten




Inhalt:

Im Sommer 1936 steht Berlin ganz im Zeichen der Olympischen Spiele. Zehntausende strömen in die deutsche Hauptstadt, die die Nationalsozialisten in diesen sechzehn Tagen als weltoffene Metropole präsentieren wollen. Oliver Hilmes folgt prominenten und völlig unbekannten Personen, Deutschen und ausländischen Gästen durch die fiebrig-flirrende Zeit der Sommerspiele und verknüpft die Ereignisse dieser Tage kunstvoll zum Panorama einer Diktatur im Pausenmodus.

Die »Juden verboten«-Schilder sind plötzlich verschwunden, statt des »Horst-Wessel-Lieds« klingen Swing-Töne durch die Straßen. Berlin scheint für kurze Zeit eine ganz normale europäische Großstadt zu sein, doch im Hintergrund arbeitet das NS-Regime weiter daran, die Unterdrückung zu perfektionieren und das Land in den Krieg zu treiben.

In »Berlin 1936« erzählt Oliver Hilmes präzise, atmosphärisch dicht und mitreißend von Sportlern und Künstlern, Diplomaten und NS-Größen, Transvestiten und Prostituierten, Restaurantbesitzern und Nachtschwärmern, Berlinern und Touristen. Es sind Geschichten, die faszinieren und verstören, überraschen und bewegen. Es sind die Geschichten von Opfern und Tätern, Mitläufern und Zuschauern. Es ist die Geschichte eines einzigartigen Sommers.



Meine Meinung:

Geschichte einmal anders. Gut verpackt und interessant geschrieben. Der Schreibstil von Oliver Hilmes zieht den Leser direkt in das Geschehen und schon befindet man sich in Berlin im Jahr 1936. Der Leser besucht mit Thomas Wolfe die Bars, Restaurants und das Olympia-Stadion in Berlin und steht neben dem Barbesitzern am Eingang, um die Prominenz zu begrüßen. Das Stadion wird oft besucht und die Sportler bejubelt. Die sechszehn Tage der Olympischen Spiele teilt Oliver Hilmes in einzelne Kapitel. Er schreibt jedoch nicht nur über die Sportler und die Wettkämpfe, sondern auch über die politischen Ereignisse und das Kulturleben in Berlin.

Es wird gefeiert und gelacht, die Bars bleiben offen, auch wenn sie eigentlich nicht in das Deutschlandbild der Nazis passt. Für die internationale Öffentlichkeit wird eine große bunte Show aufgebaut. Hitler und sein Gefolge als friedliche und offene Weltbürger, dass ist das Ziel der Spiele. Doch nicht alle Besucher und Beobachter glauben dem Szenario. Es gibt Zweifeler und Verzweifelte, die versuchen den Menschen die Augen zu öffnen. 

Ganz zum Ende kommt noch ein Kapitel "Was wurde aus...?". So schließt sich der Kreis für den Leser, denn die Geschichten werden in den einzelnen Kapiteln nicht immer zu Ende erzählt.

Die gute Aufbereitung des promovierten Oliver Hilmes sorgt für Glaubhaftigkeit und der sehr gute Schreibtstil für einen guten Lesefluss. Ein Buch, was sich lohnt.

5 von 5 Sternen

Dienstag, 10. Mai 2016

Midlife Cowboy

"Midlife Cowboy"
 von 
Chris Geletneky







erschienen am 11.03.2016
Lübbe Verlag
ISBN 9783431039559
352 Seiten 
 Schau und kauf hier.


 Inhalt:


Peinlich, lächerlich, filmreif – der gnadenlose Absturz eines harmlosen Familienvaters.

Ein denkwürdiger Moment auf seinem Rasentraktor macht Tillmann klar, dass er in einer ausgewachsenen Midlife-Crisis steckt. Ja, er hat eine fantastische Frau und großartige Kinder, aber wann genau sind seine ambitionierten Jugendträume bloß zu diesem Spießerleben mit Fertighaus und Gartenteich mutiert?
 
Tillmann beschließt, sein altes Draufgänger-Ich aus dem sozialen Tiefschlaf zu holen und noch mal so richtig die Sau rauszulassen. Prompt schlittert er in eine Affäre, die ausgerechnet an seinem zehnten Hochzeitstag auffliegt und eine Lawine von Katastrophen lostritt, deren Höhepunkt ihn zum meist gehassten Menschen des Planeten macht. So hatte er sich sein neues Leben irgendwie nicht vorgestellt! Langsam dämmert ihm: Es wird Zeit für einen neuen Masterplan.



 Meine Meinung:


 Peinlich, lächerlich und filmreif...den ersten beiden Aussagen stimme ich voll und ganz zu.
Filmreif, nicht weil sie so gut war, sondern weil die Geschichte an manchen Stellen an einen (nicht so guten) amerikanischen Teeniefilm erinnert. 
Man muss eine bestimmte Form des Humors besitzen, um dieses Buch gut zu finden. Ich konnte nur an einigen Stellen lachen, bei den anderen humoristischen Einlagen war dann doch etwas mehr gähnen angesagt. Viele Szenen kennt man schon aus diversen Comedysendungen oder von anderen Büchern. 
Das Thema an sich ist ja schon nicht neu. Die berühmt-berüchtigte Midlife-Crisis der Männer ist ja bekannt. Sie kann mit lautem Getöse kommen und das Bestehende gut durcheinander wirbeln. So mancher Mann bereut schon bald, das alte Leben als langweilig, fad und eingefahren angesehen zu haben. 
So geht es dann auch dem Mann auf dem Rasentraktor und seinen Freunden. Die Ideen, die sie entwickeln, die Gedankengänge von Tillmann und seinem verzweifelten Versuch noch einmal die Sau rauszulassen, wirken so unbeholfen und peinlich, dass man manchmal lieber wegsehen möchte. Die Klischees werden hier reihenweise ausgepackt und abgearbeitet. Dabei übertreibt der Autor an manchen Stellen derart, dass es fast schon wieder absurd wird. Das Ende war sehr konstruiert und man wusste schon recht schnell wie die Geschichte ausgehen wird. Es gab kaum Überraschungen und daher auch nur wenig Spannung, was den Lesespaß etwas ausbremste.

Ich muss zugeben, dass ich das Buch nur auf den ersten Seiten witzig fand (versenkter Traktor). Einzig die Frau von Tillmann hatte über die gesamte Geschichte meine Sympathien, denn sie war wirklich cool und hatte Humor.
 

 3 von 5 Sternen


Vielen Dank an BloggdeinBuch und dem Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar.

Freitag, 6. Mai 2016

Mami, warum sind hier nur Männer?

"Mami, warum sind hier nur Männer?" 
von 
Volker Surmann



erschienen am 14.09.2015
Goldmann Verlag
ISBN: 9783442482078 
 288 Seiten



Inhalt:

Verkehrte Welt im Gay-Resort auf Sardinien: Hotelier Helmer Klotz, selbst schwul, verachtet seine homosexuelle Klientel aus tiefstem Herzen. Dann gewährt er in einer Notsituation Ilka, einer frisch verlassenen Mutter mit ihren zwei Kindern, Unterkunft. Damit treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein können. Denn auf eine Konfrontation mit so viel Heterosexualität sind Helmers Hotelgäste nicht vorbereitet, die aufgeweckte Kleinfamilie stiftet ordentlich Unruhe und Chaos. Und doch sind es am Ende ausgerechnet die von der Liebe enttäuschte Heterofrau und ihre Kinder, die dem bärbeißigen Hotelchef vor Augen führen, dass es unter Homosexuellen durchaus auch liebenswerte Exemplare gibt.


Meine Meinung:



Der Autor dieses Buches lässt sich auf gut 288 Seiten über die Homosexuellen, ihre Vorlieben und Eigenarten aus. Teilweise sehr böse, sehr schwarzer Humor, der aber meistens ins Schwarze trifft. So manches Klischee wird ausgepackt und noch einmal so richtig hervorgehoben. Die Charaktere sind herrlich witzig und nachvollziehbar. Man kann sich die Besucher des Gay-Resort und die Anlage insgesamt so richtig gut vorstellen. Auch die Reaktionen auf die Bio-Frau und deren Kinder waren doch recht realistisch. Am meisten habe ich mich über die Reaktionen und Fragen vom Jüngsten (mit rosa Badehose) amüsiert (Lego im Playroom). Kindermund vom Feinsten.

Man kann bei dieser Geschichte oft schmunzeln und lachen und die wunderbare Welt der Schwulen kennenlernen. Einzig das Ende hat mich nicht so sehr begeistert. Das wirkte dann doch recht konstruriert und zurecht gestrickt, aber so ein bißchen Happy End braucht wohl auch ein Gay-Resort.

4 von 5 Sternen 

Montag, 2. Mai 2016

Pici

"Pici. Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück" 
von 
Robert Scheer
 





erschienen am 11.03.2016
MARTA PRESS Verlag
ISBN:
9783944442402
  228 Seiten 
33 Abbildungen



Inhalt:


2014 reist der wahldeutsche Autor Robert Scheer nach Israel, um dort seine Großmutter Elisabeth Scheer, genannt Pici, über ihre Kindheit und Jugend zu befragen. Pici feiert in dem Jahr ihren 90. Geburtstag. Ihrem Enkel gegenüber gibt Pici Auskunft, wie sich in den 1940er Jahren durch den Nationalsozialismus die Lage für die jüdische Bevölkerung in Ungarn verschlechterte. Sie berichtet über ihre furchtbaren Erlebnisse in den Ghettos Carei und Satu Mare, im Konzentrationslager Auschwitz, im berüchtigten Außenlager Walldorf, im Konzentrationslager Ravensbrück und im mecklenburgischen Rechlin, bis sie 1945 im mecklenburgischen Malchow befreit wurde. Pici`s Eltern, ihre Schwestern, ihr Bruder, ihr Schwager und ihre kleine Nichte wurden im Holocaust ermordet.

2015 stirbt Pici mit 91 Jahren. Ihre detailreichen Erinnerungen machen es den Leserinnen und Lesern leicht, sich das Leben in der damaligen Zeit vorzustellen, in der es Alltag und Familie gab, später dann Unmenschlichkeit und Vernichtung und nur vereinzelt auch Mitgefühl und Solidarität.

» … jetzt, zurückdenkend, gab es in meinem Leben reichlich erschütternde Momente, aber irgendwie fand ich immer einen kleinen Schutz, einen Strohhalm, womit ich aus der Grube heraussteigen konnte, um weiter zu schreiten und um zu hoffen.«


Meine Meinung:


Eine Familiengeschichte, die mich bewegt und nachdenklich zurückgelassen hat. 
Pici, die Goßmutter des Autoren, hat in ihrer Kindheit und Jugend Dinge gesehen, gehört und erlebt, die kaum nachzuvollziehen sind. Sie sind nur schwer zu fassen und doch sind sie geschehen. Gnadenlose Jagd auf Menschen durch Menschen. Warum?

Das Pici den Wahnsinn und die Grausamkeiten überlebt hat, zeigt, was für einen starken (Über-)lebenswille diese Frau hatte. Sie fängt noch einmal neu an und gibt den nachfolgenden Generationen Hoffnung auf ein schönes Leben mit. 

Der Autor lässt seine Großmutter erzählen und schreibt ihre Geschichte nieder. Es liest sich anders als ein Roman oder ein klasssiches Geschichtsbuch. Man ahnt die Verbindung zwischen Enkel und Großmutter und man kann phasenweise die Traurigkeit der Frau spüren. Die vielen Familienbilder und die grausemen Bilder aus den Ghettos unterstreichen das Erzählte. 

Ich konnte das Buch nicht in einem Rutsch durchlesen. Ich brauchte Pausen dazwischen, um darüber nachzudenken und auch abzuschalten. Es sollte trotzdem gelesen werden, da es die Augen öffnet, Gelesenes und Gelerntes bestätigt und zum Nachdenken anregt.



4 von 5 Sternen


Vielen Dank an den Autoren Robert Scheer und den MARTA PRESS Verlag für das Rezensionsexemplar.

Im Nachgang:

 Erstens, der Titel ist aus meiner Sicht etwas unglücklich gewählt. Für mich war es eine Familiengeschichte, die von dem Leiden der einzelnen Familienmitglieder erzählt. Die Ghettos sind nicht das zentrale Thema, sondern die Familie. Zweitens, die Qualität des Druckes müsste verbessert werden, da ich teilweise an den Rändern die Schrift/Buchstaben nur schwer lesen konnte. Die genannten Punkte ändern nichts an meiner Meinung zum Buch, jedoch sind dies Faktoren, die ich erwähnen möchte, da sie den Lesefluss oder die Erwartungen der Leser beeinflussen könnten.