Dienstag, 29. September 2015

Verschwörung

"Verschwörung" 
von 
David Lagercrantz



 
 
erschienen am 27.08.2015
  Random House Audio Verlag
ISBN: 9783837131352 
2mp3-CD = 10 Stunden 21 Minuten



Inhalt:
 
 
Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist haben Millionen Leser begeistert. Weltweit erstürmte die Millennium-Trilogie die Bestsellerlisten und sprengte mit mehr als 80 Millionen verkauften Exemplaren alle Dimensionen. Ein Welterfolg, der seinesgleichen sucht. Nun geht die Geschichte weiter.


Meine Meinung:

 Eine Fortsetzung der bekannten Trilogie von Stieg Larsson erschien mir fast als unmöglich. Ich habe die drei Bände verschlungen und fand sie sehr gelungen. Für mich war auch die Geschichte zu Ende erzählt, aber nun sollte es eine Fortsetzung geben.

Ich habe sie mir von Dietmar Bär erzählen lassen und kann nur sagen, es ist nicht Stieg Larsson, aber ein ziemlich guter Lagercrantz. 

Er hat es geschafft, dass man sehr schnell wieder Zugang zu den alten Figuren findet und fast die gleichen Gefühle hegt wie bei den ersten drei Büchern. Es gibt nur wenige Rückblenden und nur am Rande werden die Verstrickungen erzählt. Wer die ersten drei Bände nicht kennt, wird vielleicht die ein oder andere Bemerkung nicht so richtig nachvollziehen können. 

Die Geschichte um Lisbeth, Mikael und den autistischen Jungen August ist temporeich und sehr gut erzählt. Die vielen kleinen Verstrickungen der einzelnen Personen mit den verschiedenen Behörden, Instituten und Familien machen die Geschichte spannend und interessant. Jedoch fand ich die Geschichte rund um Lisbeths Familie (mehr möchte ich lieber nicht verraten) etwas an den Haaren herbeigezogen und nicht so gelungen. Auch ohne die Verbindung wäre die Geschichte sehr gut geworden. Zudem hatte ich das Gefühl, dass Lagercrantz teilweise seine Figuren sehr viel erklären lässt, was wahrscheinlich an den brisanten Themen bzw. Behörden (NSA) lag. Diese Tracks waren dann etwas zäh und die Spannung flaute ab. Jedoch schaffte er es jedes Mal, die Spannung wieder anzuheben und die Jagd voranzutreiben. Lisbeth und Mikael haben meine Erwartungen wieder erfüllt und ich war wieder begeistert von den beiden Charakteren. Da war es dann auch nicht mehr ganz so dramatisch, dass andere Figuren eher blaß wirkten. 

Insgesamt fand ich die Fortsetzung von Lagercrantz ganz gelungen. An Stieg Larsson kommt er, meiner Mainung nach, nicht ganz heran. Aber dies ist ein supjektives Empfinden, denn für Spannung und gute Unterhaltung hat auch Lagercrantz gesorgt. Falls es eine Fortsetzung geben sollte, würde ich sie wahrscheinlich wieder anhören oder selber lesen.

4 von 5 Sternen

Sonntag, 27. September 2015

Die Katze, die kam um zu bleiben

"Die Katze, die kam um zu bleiben" 
von 
Nils Uddenberg



 190 Seiten btb Verlag 
erschienen am 15.06.2015
ISBN: 9783442749171



Inhalt:

Es ist eine banale Geschichte, vielleicht ist sie sogar ein wenig albern. Aber ich bin über siebzig, ich habe keine Stellung zu verteidigen und keine Karriere, für die ich kämpfen muss Ich kann es mir leisten, sie zu erzählen. Ich bin, wie so viele alte Männer, ziemlich weich und empfindsam. Die Katze dagegen hat einen eisernen Willen, und sie verfolgt ihre Ziele sanft, aber unbeirrbar. Es hat nie irgendwelche Auseinandersetzungen zwischen uns gegeben, aber letztlich bekam sie, was sie wollte.


Meine Meinung:

 Es ist tatsächlich eine kleine leichte banale Geschichte, die ganz unaufgeregt von dem Leben des Autoren und seiner Beziehung zur Katze erzählt. Für jeden Katzenliebhaber ist es eine liebevolle und gut nachvollziehbare Geschichte, für alle anderen wird sie viellleicht etwas zu langsam, zu einfach sein. Wer Katzen hat, kennt die "Tricks", die sie anwenden, um am Ende das zu bekommen, was sie möchten. Sie schaffen es mit Ruhe, kleinen liebevollen Gesten und großen wunderbaren Augen, die Menschen zu beeinflussen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Katze gewonnen hat. Die Katze sucht sich ihr Zuhause aus, nicht der Mensch.

Diese Erfahrung musste auch Nils Uddenberg machen. Seine Mieze schlich sich ganz leise und mit viel Geduld in sein Leben. Doch Katzen nehmen nicht nur, sondern geben auch viel zurück. Für viele sind sie die kleinen Alltagstherapeuten, da sie uns mit ihrem Charakter, ihrem Schnurren und Schmusen ganz leicht von den Alltagsproblemen ablenken und uns zur Ruhe bringen.

Das Buch hat neben den leichten und entspannten Text noch viele kleine schöne Bilder (gezeichnet, in schwarz-weiß) von der Uddenbergischen Mieze. Mir  hat das Buch gut gefallen. Es ist ideal für einen verregneten Tag oder wenn man mal keinen Krimi lesen möchte ;-).

3 von 5 Sternen

Montag, 21. September 2015

Training für die Faszien

"Training für die Faszien" 
von 
Divo G. Müller


 192 Seiten
Südwest Verlag
erschienen am 31.08.2015
ISBN: 9783517093871


Inhalt:

Die Faszien bilden in unserem Körper ein Netz und geben ihm dadurch Halt, Struktur und Form. Ob der Oberschenkel straff gespannt oder eher wie Wackelpudding aussieht, hängt im Wesentlichen vom Tonus der ihn umgebenden, bindegewebigen Hülle ab. Deshalb müssen wir neben den Muskeln auch die Faszien trainieren, denn nur dann haben wir eine gut geformte straffe Körperkontur, und nur so werden wir Cellulite, Winkeärmchen und den Hängepo dauerhaft los. Faszientraining sorgt aber nicht nur für einen fitten Körper, sondern auch dafür, dass wir uns mit jugendlicher Spannkraft, leichtfüßig federnd und schmerzfrei bewegen können. Divo Müller hat in Zusammenarbeit mit dem Faszienforscher Dr. Robert Schleip ganz neue Übungen für Menschen entwickelt, die ein eher schwaches Bindegewebe haben, und stellt dieses Ganzkörperprogramm nun erstmals in einem anschaulich bebilderten Ratgeber vor.


Meine Meinung:

 
Faszien-Workout oder das Training der Faszien wird gerade sehr in den Medien verbreitet. Wer sich damit etwas näher beschäftigt, wird feststellen, dass (fast) jeder Rückenschulkursteilnehmer oder Reha-Sportler diese Übungen bereits in irgendeiner Form gemacht hat. Es sind demnach keine neuen oder spektakulären Übungen, sondern die ganz einfachen, aber gern übersehenden oder stiefmütterlich behandelten(Sport-)Übungen. 


Das Buch teilt sich in einen Theorieteil und in einem Praxisteil ein. Ich fand den Theorieteil sehr interessant. Es werden hier erst mal ein paar Informationen zu den Faszien und deren Bedeutung für den Körper erklärt. Ebenso wird noch einaml auf die Bedeutung von Wasser und dessen Beziehung zu dem Bindegewebe eingegangen.
Was mir hier gut gefallen hat, waren die einfachen und verständlichen Erläuterungen, so dass auch der Laie die Abläufe gut verstehen kann. 


Der Praxisteil geht man noch einmal intensiver auf das Training der verschiedenen Ketten ein. Viele Übungen waren mir schon bekannt und schon hatte man ein kleines schlechtes Gewissen, da man diese Übungen ja eigentlich täglich machen sollte. Es werden kleine Hilfsmittel wie z.B. Bänder, Rollen und Gewichtmanschetten verwendet. Alternativen werden ebenso angeboten. Die Bilder sind einfach, aber gut. Auch den letzten Teil mit den kombinierten Übungen fand ich gelungen. So hat man direkt ein Programm, dass man durchführen kann (könnte). 

Aus meiner Sicht wäre eine CD mit Beispielen bzw. mit diesen zusammengestellten Trainingseinheiten gut gewesen. Durch eine akustische Beschreibung der Übungen wäre das „Nachmachen“ leichter, da man sich nicht zu sehr am Bild festhalten müsste. Gerade am Anfang muss man dann doch immer wieder nachlesen, dadurch wird die Übung immer unterbrochen. Bei einer CD könnte man sich nur auf die Stimme der Trainierin konzentrieren. 


Trotzdem fand ich das Buch hilfreich und interessant. Man unterschätzt die Wirkung der Übungen und den damit verbundenen Muskelkater ein wenig, aber dies gehört wohl zu jedem Sport dazu. Ob ich wirklich die Ausdauer und die Disziplin habe, die Übungen jeden Tag durchzuführen, wage ich zu bezweifeln, aber schon mehrmals in der Woche wirkt sich positiv auf den Körper, die Sehnen, das Bindegewebe und die Muskeln aus. 

4 von 5 Sternen

Montag, 14. September 2015

Zorn 4

"Zorn - Wie sie töten" 
von 
Stephan Ludwig



  erschienen am 20.10.2014
  Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783596198610  
416 Seiten 


Inhalt:

ICH WILL ZUSEHEN, WIE SIE STERBEN.

Hauptkommissar Claudius Zorn und der dicke Schröder in tödlicher Gefahr! In einer Winternacht wird ein Mensch vor die S-Bahn gestoßen. Niemand beobachtet den Mord, die Polizei geht von Selbstmord aus. Auch Hauptkommissar Claudius Zorn schenkt dem Vorfall keine Beachtung. Er ist damit beschäftigt, seinen ehemaligen Kollegen Schröder zu überreden, wieder sein Partner zu werden. Was jedoch weder Zorn noch Schröder ahnen: Der Täter ist ganz in ihrer Nähe. Und hat eine Reihe neuer Opfer im Visier. Menschen, die den beiden Ermittlern nahestehen.


Meine Meinung:

Claudius Zorn ist allein. Ganz allein. Im Büro. Denn Schröder ist weg. Niemand mehr da, der ihn korrigiert, der für ihn denkt und die Fälle löst, niemand der ihn deckt und für Ordnung sorgt. Was soll er jetzt den ganzen Tag machen? Selber denken? Selber arbeiten und ermitteln?

Auch die Staatsanwältin  zweifelt an seiner Kompetenz und setzt ihn einen neuen Kollegen an die Seite. Wer Claudius Zorn kennt, weiß, dass dies keine gute Idee ist. Und so fliegen schon nach kurzer Zeit die feinsten bösen Kommentare und Zorn ist in seinem Element. Und Schröder? Der kocht. In seinem Imbiss, den keiner besucht - außer Zorn. 
Und nun geschehen die Morde...augerechnet jetzt, wenn Schröder nicht da ist und Zorn noch andere Dinge zu regeln hat. Malina und er....was wird aus ihnen und wie kann Zorn sie halten?

Die Morde werden immer brutaler und ziehen immer engere Kreise um Zorn....und wieder ist es Schröder, der an seiner Seite steht.

Schon die ersten drei Bände waren sehr gut und vor allem spannend. Den vierten Band empfand ich als den brutalsten Fall. Stephan Ludwig tobt sich hier richtig aus und lässt dem Leser kaum Zeit zum Luft holen. Durch den gewohnt guten Schreibstil fliegt man mit Zorn und Schröder durch die Geschichte und ebenso schnell wird die blutige Spur gelegt. Die Dialoge sind teilweise wieder sehr kernig und launisch und genauso will man den Zorn auch haben. Gut fand ich, dass Zorn sich weiterentwickeln darf. Langsam nur, aber stetig nimmt seine private Geschichte mehr Raum ein. Aber auch Schröder ist wieder dabei und sorgt mit seiner Ruhe, Klarheit und Besonnenheit für den Ausgleich.

Ich freue mich auf den fünften Band, der Ende des Jahres kommen soll und bin gespannt, wie das "Dreamteam" Zorn und Schröder sich weiterentwickeln werden. 




5 von 5 Sternen 

Freitag, 11. September 2015

Charlotte

"Charlotte" 
von 
David Foenkinos




 
erschienen am 31.08.2015
DVA Verlag
ISBN: 9783421047083
 220 Seiten 
 
 
Inhalt:
 
 
„Das ist mein ganzes Leben“ – mit diesen Worten übergibt Charlotte 1942 einem Vertrauten einen Koffer voller Bilder. Sie sind im französischen Exil entstanden und erzählen, wie sie als kleines Mädchen, damals im Berlin der 1920er, nach dem Tod der Mutter das Alleinsein lernt, während sich ihr Vater, ein angesehener Arzt, in die Arbeit stürzt. Dann die Jahre, in denen das kulturelle Leben wieder Einzug hält bei den Salomons. Die Stiefmutter ist eine berühmte Sängerin; man ist bekannt mit Albert Einstein, Erich Mendelsohn, Albert Schweitzer. Charlotte beginnt zu malen, und es entstehen Bilder, in denen dieses einzelgängerische, verträumte Mädchen sein Innerstes nach außen kehrt, Bilder, die von großer Begabung zeugen. Doch dann ergreift 1933 der Hass die Macht, es folgen Flucht, Exil, aber auch Leidenschaft und Heirat. Nur ihre Bilder überleben – Zeugnis ihrer anrührenden Geschichte, die David Foenkinos nahe an der historischen Realität entlang erzählt.
 
 
Meine Meinung: 
 
 Ein beeindruckendes, trauriges und bewegendes Glanzstück.
 
Ich war überrascht, als ich das Buch öffnete und nicht wie üblich einen langen dichten Text vorfand. David Foenkinos hat sich für Einzeiler entschieden. Das gesamte Buch wirkt wie ein ellenlanges Gedicht. Es liest sich anfangs etwas stakkatomäßig, aber je tiefer man in die Geschichte der Malerin Charlotte Salomon eintaucht, desto weniger ist die Form des Textes wichtig. Wichtig ist hier der Inhalt, der mich am Buch festgehalten hat und mich zum Nachdenken und zum Googeln nach der Charlotte angeregt hat.
 
Es ist eine Biografie, die etwas anders ist als die bisher gelesenen, die jedoch auch länger im Gedächtnis haften bleibt. Das Leben der Charlotte Salomon ist durchzogen von Traurigkeit, Melancholie und Selbstmorden in der Familie. Sie lebte als Jüdin in Deutschland und musste fast alle Träume aufgeben. Das sie noch an eine Hochschule durfte, hatte sie ihrem außergewöhnlichen Talent und dem Mut eines begeisterten Lehrers zu verdanken. Und doch konnte sie ihren (Künstler-)Weg nicht zu Ende gehen.
 
Sie war anders, sie malte anders und faszinierte. Doch kaum einer kannte/kennt sie und ihre Werke. Sie gingen leider in den Kriegswirren unter und erlebten bis heute kaum einen richtigen Höhepunkt. 

Das Buch hat mich beeindruckt und nachdenklich zurückgelassen. 
Ich kann es nur empfehlen zu lesen.

5 von 5 Sternen

Mittwoch, 9. September 2015

Immer im Dezember

"Immer im Dezember" 
von 
Sveva Casati Modignani


erschienen am 13.10.2014
  Diana Verlag
ISBN: 9783453358317 
416 Seiten


Inhalt:

Jedes Jahr am Morgen des 22. Dezembers bricht Léonie auf, um heimlich ihren Liebhaber am Comer See zu treffen. Und kehrt doch jedes Mal wieder zurück zu ihrem Ehemann Guido Cantoni, dem Erben einer lombardischen Unternehmerfamilie. Aber nicht nur Léonie hütet ihre Geheimnisse – denn verborgene und verbotene Leidenschaften bestimmen seit Generationen das Schicksal der Cantonis.


Meine Meinung:


„Immer im Dezember“ war bereits unter einem anderen Titel erschienen und wurde nun noch einmal aufgelegt. Es geht in diesem Buch um eine italiensiche Industriellenfamilie. Alles geht von ihr aus und läuft auch bei ihr wieder zusammen. 

Die Geschichte ist gut erzählt und weist viele feine kleine Verästelungen innerhalb der Geschichte der Familie auf. Die Abschweifungen und die verschiedenen Familien- und Liebesgeschichten machen das Buch interessant. 

Dabei stellt Leonie mit ihrer heimlichen Liebe den Ausgangspunkt dar. Alles dreht sich um und mit ihr geht die Geschichte voran. Sie trifft sich einmal im Jahr mit einem Mann. Es ist nicht ihr Ehemann. Stets am gleichen Tag im Jahr und stets im gleichen Hotel. Es ist eigentlich nur ein kleiner Handlungsstrang, aber er strahlt auf die gesamte Geschichte aus. 

Es wird in den verschiedenen Kapiteln, das Leben und die Lieben der einzelnen Familienmitglieder erzählt. Was wollten sie werden, was sind sie geworden, wen haben sie geliebt, wen durften sie lieben und welche Entbehrungen und Erfolge haben sie erlebt. 

Die Geschichte fließt, durch den gut zu lesenden Schreibstil der Autorin, durch die Seiten. Selten wird es aufregend oder beängstigend. Es gibt kaum Geschehnisse, die dem Leser den Atem anhalten lassen. Dafür gibt es leider eine Überperson. Leonie. Sie wird so durch und durch als perfekte Hausfrau, Mutter von sechs Kindern (der Ehemann lebte nur am Wochenende bei seiner Familie) und Unternehmerin dargestellt, dass sich jede Mutter mit einem Kind, Job und Stress schlecht fühlen muss. Ich fand es etwas unrealistisch und schlichtweg zu perfekt. Auch das Ende ist etwas kitschig und klischeehaft geraden, aber zu der gesamten Geschichte passt es wiederum.

Für ein langes verregnetes Wochenende ist es eine schöne Familiengeschichte. 

 3 von 5 Sternen

Montag, 7. September 2015

Vom Winde gesät

"Vom Winde gesät" 
von 
Andreas Austilat



erschienen am 18.05.2015
Goldmann Verlag
ISBN 9783442158492
220 Seiten


Inhalt:


„"Meine Frau ist große Anhängerin des Schmuckgartens. Ich dagegen sehe das Ganze mehr landwirtschaftlich."“ Natürliche Neugier und ehrlicher Kleingärtnerehrgeiz treiben den Berliner Journalisten dazu an, hinter seinem Reihenhaus nach Herzenslust zu mähen, zu häckseln, zu buddeln und zu graben. Er zählt stolz seine Kirschen und ist zur Stelle, wenn der Rosenkohl um Hilfe ruft. Seine Frau träumt derweil von romantisch rankenden Rosen und „verborgenen“ Plätzen auf den paar Metern zwischen Terrasse und Geräteschuppen. Selten einig bekämpfen die beiden Seite an Seite wild wuchernde Würgepflanzen und tief wurzelnde Weidegräser, während der Familienhund sich unüberhörbar mit dem Paketboten anlegt. Der Blick über den Zaun lässt die Austilats dann oft grün vor Neid werden.


Meine Meinung:

 


Der Autor erzählt in seinem Buch von den großen und kleinen Abenteuern eines (Neu-)Gärtners. Erschwerend kommt für ihn noch hinzu, dass seine Frau und er nicht die gleichen Vorstellungen von einem Garten haben. Während sie die Blumen und Sträucher vorzieht, möchte er den Garten nutzen. Er möchte Obst und Gemüse anbauen und etwas ernten. 

Andreas Austilat erzählt von den typischen Anfängerfehlern im Gärtnerleben, wie nah Freude und Pflanzenleid liegen können und das auch Nachbarn stets mitreden möchten. Dazu gibt es noch die lieben kleinen Erdbewohner, die sich ebenfalls ihren Anteil am Garten sichern wollen. Die kleinen Erfolge werden mit Hingabe gefeiert und trotzdem müssen in allen Bereichen des Gartens Verluste verzeichnet werden. Doch Aufgeben, gibt es nicht.

Stellenweise waren die Erzählungen ganz witzig, andere waren weniger interessant. Ich fand die Sprünge in der Geschichte nicht so gelungen. Er verwies mir zu sehr auf die einzelnen Kapitel statt in einem Rutsch zu erzählen. Es wirkte dadurch unstrukturiert und nicht als ein Ganzes. Die Pflanzenerläuterungen sind für einen Hobbygärtner gar nicht so schlecht und schon hat man wieder etwas dazu gelernt. Für Leser ohne den grünen Daumen könnte es etwas zu ausführlich sein. 

Jedoch ließ es sich schnell und flüssig lesen, da sein Schreibstil leicht und gut verständlich war. Wenn ich solche Gärtner-Erlebnisse-Bücher lese, vergleiche ich sie oft mit meinem Lieblingsbuch „Die 64$ Tomate“. Leider kommt auch dieses nicht an ihn heran, aber es unterhält gut und lädt zum Schmunzeln ein.

3 von 5 Sternen

Mittwoch, 2. September 2015

Als Schisser um die Welt

"Als Schisser um die Welt" 
von 
Jan Kowalsky




erschienen am 22.06.2015
Goldmann Verlag
ISBN:9783442158041
315 Seiten 
 
 
Inhalt:
 
Pauschaltourismus, Strandurlaub und Stadtrundfahrten waren gestern – heute gehen wir Bergsteigen im Himalaya oder machen Hundeschlittenrennen in Alaska. Alles ist möglich, kein Ziel unerreichbar! Und doch gibt es Leute, die wollen gar nicht weg. Der Schisser zum Beispiel würde lieber zu Hause bleiben. Das Problem ist nur: Seine Frau liebt Abenteuerreisen. Und er liebt seine Frau. Also verbringt er seine Freizeit notgedrungen überall, nur nicht auf dem geliebten Sofa. Erspart bleibt ihm auf seinen unfreiwilligen Reisen rund um den Globus natürlich nichts: menschenfressende Riesenechsen, Wildwasserrafting mit Zahnverlust, Safari im Schweinsgalopp, auf dem Elefanten durch den Dschungel und dabei immer mit den Nerven zu Fuß. Dies ist die Geschichte von einem, der mitmusste.
 
 
Meine Meinung: 
 
 Um mit Jan Kowalsky um die Welt zu reisen, braucht man jede Menge Humor, gute Nerven und ein kleines Mantra, welches man leise murmeln kann.
Er hat es nicht leicht. Wirklich nicht. Er reist halt nicht gern. Viel lieber schlummert er auf der Couch und entspannt sich. 
 
Doch er hat eine Frau, die er liebt und diese ist reiselustig. Je wilder, je weiter und je exotischer, desto besser. Nun könnte man meinen, dass sie sich einigen. Sie reist, er schlummert und alles ist gut. Aber nein, er muss mit. Und so begibt sich der Leser mit dem Schisser auf eine teilweise humorvolle, teilweise nervige Reise um die Welt. So manche Bedenken lassen sich gut nachvollziehen und auch so manche Unternehmung kritisch hinterfragen und in genau solchen Fällen steht man hinter dem Schisser. Es gibt auch viele witzige Situationen (vorallem mit dem heißgeliebten hessischen Schwiegervater "Wolf") über die man lachen kann. Entweder, weil man sie selbst schon einmal erlebt hat oder weil sie einfach zu skurril sind. Aber bereits nach der vierten gemeinsamen Reise werden die Klagen und die ganzen Bedenken etwas nervig. Irgendwie dreht sich der Schisser im Kreis (er lernt nichts dazu). Man emfindet schon Anteilnahme für seinen Hausarzt und kann auch dessen Reaktionen sehr gut nachvollziehen. Auch vor seiner Frau habe ich immer den Hut gezogen. Ich wäre kein zweites Mal mit ihm verreist.
 
Vielleicht wurden die Panikattaken, die übertriebenen Reaktionen auf Tiere, Essen und Umwelt von Jan Kowalsky extra überspitzt dargestellt, ich empfand es jedoch nach einer Weile als anstrengend. Witzig dagegen fand ich die Zeichnungen zwischen den Texten. Sie unterstreichen noch einmal die enormen Gefahren, denen er ausgesetzt war.
 
Ich bin bis zum Ende seiner Reisen an seiner Seite geblieben und habe ihm beim Lesen die Hand gehalten. Er reist doch so ungern...obwohl nach den vielen "überlebten" Reisen könnte man fast meinen, dass er es doch gern tut.
 
Ein Buch über weite Reisen, wilde Tiere, gefährliche Pflanzen und einem Schisser mittendrin. 

3 von 5 Sternen