Donnerstag, 30. April 2015

Monsieur Blake und der Zauber der Liebe

"Monsieur Blake und der Zauber der Liebe" 
von 
Gilles Legardinier







erschienen am 21.07.2014
  Goldmann Verlag
ISBN: 9783442480760
 400 Seiten

 
Inhalt:
 
 Andrew Blake, erfolgreicher Geschäftsmann aus London, hat den Tod seiner geliebten Frau Diane nicht überwunden. Er braucht dringend eine Veränderung. Und so lässt er sein altes Leben hinter sich und nimmt in einem Herrenhaus in Frankreich inkognito eine Stelle als Butler an. Dort arbeiten mit ihm: die feldwebelhafte Köchin Odile, der exzentrische Gärtner Phillipe und das junge Hausmädchen Manon. Bald schon bringt Andrew die entfremdeten Bewohner des Hauses durch seine weise, humorvolle Art einander näher. Und wer weiß, vielleicht erlebt auch er selbst noch einmal den Zauber der Liebe?


Meine Meinung:

"Monsieur Blake und der Zauber der Liebe" ist ein unterhaltsames, ironisches und liebevolles Buch über das Leben, die Liebe und die Freundschaft. Der Titel könnte auf den ersten Blick täuschen, so dass es besser ist, den Buchdeckel aufzuklappen und in die Geschichte einzutauchen. 
Alle Figuren sind mit viel Liebe zum Detail beschrieben und hatten das Glück vom Autor einen sympathischen Charakter zu erhalten. Der ironische Humor zwischen den Figuren ist herrlich und lässt die Geschichte noch bunter erscheinen. 
Ich mochte den ganz gar wunderbaren Mephisto (der Kater, der Köchin) und Odile (die Köchin) besonders. Die ständigen bissigen Kommentare  zwischen den französischen Gutsverwalter und dem englischen Hausdiener sind stets mit einem Augenzwinkern zu sehen und sehr amüsant. Das Zusammenwachsen der Hausangestellten und deren große und kleinen Probleme stehen im Mittelpunkt der Geschichte. 
Der Autor hat einen angenehmen und leicht zu lesenden Schreibstil. Die Geschichte ist wie der typische französische Film, unterhaltsam, etwas skurril, mit traurigen und nachdenklichen Momenten und trotzdem noch leicht und liebenswert. 
Eine schöne Komödie auf die man sich am Abend freut, wenn man die Buchdeckel aufklappt. Fast schon bin ich traurig, dass nach knapp 400 Seiten schon Schluss ist.  

5 von 5 Sternen

Montag, 27. April 2015

Katze vermisst

"Katze vermisst" 
von 
Caroline Paul



erschienen am 08.12.2014
Heyne Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783453603295
192 Seiten

Inhalt:

Fünf Wochen lang war Kater Tibby spurlos verschwunden, dann tauchte er wieder auf, als sei nichts gewesen – wohlgenährt, mit glänzendem Fell. Caroline quälen viele Fragen: Wo war er? Wer hat ihn gefüttert? Weshalb mag er sein Futter nicht mehr? Und warum ist er so verdammt zufrieden? Sie greift zu drastischen Maßnahmen und beginnt, ihre eigene Katze zu stalken, und zwar mithilfe modernster GPS-Technik und winziger Überwachungskameras. Humorvoll und selbstironisch beschreibt Katzenspionin Caroline Paul ihre Suche nach der Wahrheit und kommt dabei zu einer ganz erstaunlichen Erkenntnis.

Meine Meinung:


Katze vermisst, klingt nach jeder Menge Spaß für den Leser. 
Die Katzenbesitzerinnen Caroline und Wendy vermissen eine ihrer Katzen und suchen und hoffen und bangen tagelang um sie. Und plötzlich steht sie wieder vor der Tür. 

Unversehrt. 
Das Fell glänzt.
Satt! 
Wie kann das sein? 
Gibt es eine geheime Zweitfamilie? 

Um das zu erfahren, wird Tibby ein kleiner Sensor um den Hals gehangen und los geht’s. Caroline und Wendy sind so manches Mal überrascht, was ihr Kater alles so macht und vor allem, wie groß sein Revier ist. Das Stalken wird immer professioneller und umfangreicher und könnte fast schon lustig sein. Doch leider hat mich der Schreibstil der beiden Autorinnen nicht so begeistert. Die Geschichte rund um einen video- und GPS-überwachten Kater ist nicht neu, so dass man hierzu eine wirklich witzige Geschichte liefern muss. Dies hat mir hier jedoch gefehlt. Das Buch lässt sich schnell lesen und am besten waren noch die Illustrationen von Wendy. Die Bilder brachten mich eher zum Schmunzeln als der Text dazu.

Für Katzenbesitzer eine nette Geschichte, die so manche Erinnerung an die eigenen Katzen hervorrufen wird. Doch auch jeder Katzenbesitzer (vor allem von Freigängern) weiß, dass man für Katzen nur Mittel zum Zweck (Schlafplatz sauber halten, Fressen organisieren und bereitstellen, Klo putzen und bei Bedarf der Katze! auch intensive Fellpflege) ist und nicht das Familienoberhaupt. 

3 von 5 Sternen

Freitag, 24. April 2015

Mein Weg zu den Sternen

"Mein Weg zu den Sternen" 
von 
Lea Linster




erschienen am 09.03.2015
Random House Audio
ISBN: B00TGZ082A 
4 CD = 4h, 26min.


Inhalt:

Léa Linster erzählt in witzigem Ton und mit ihrer sympathisch selbstbewussten Art aus ihrem Leben als Starköchin. Von den Anfängen im kleinen Lokal ihrer Eltern in Frisange bis zu dem Sternerestaurant, für das sie heute bekannt ist, berichtet Linster offen von Beziehungen, Familie und dem Kochen auf höchstem Niveau. Besonderes Schmankerl: Tolle Rezepte zum Nachkochen!


Meine Meinung:

Lea Linster ist spätestens seit der Sendung „The Taste“ auch den Nichtköchen ein Begriff. Sie war der Ruhepol in der Männerriege, sie hatte stets ein Lächeln auf den Lippen und fand immer etwas, was sie als Motivation an die Kandidaten weitergeben konnte. 

Das Hörbuch „Mein Weg zu den Sternen“ ist ihre Lebensgeschichte, denn Lea Linster wird 60. Sie erzählt Geschichten aus ihrer Kindheit, wie ihre Liebe zum Kochen gewachsen ist, was ihr immer Spaß gemacht hat und welche Niederlagen sie einstecken musste. Erzählt wird die Geschichte von Eva Mattes, die sie mit ihrer ruhigen Stimme sehr gut zum Hörer trägt. 

Den Anfang spricht noch Lea Linster mit ihrer fröhlichen Stimme und den herrlichen Akzent selbst. Ich fand es schade, dass sie nicht das gesamte Hörbuch besprochen hat, denn das hätte die Geschichte noch authentischer wirken lassen. Doch auch so, kann man sich gut treiben lassen. 

Kochen, ein Restaurant betreiben, ein Kind bekommen, ein Café eröffnen, Preise erkämpfen und sich stets an der Spitze halten, klingt hier so leicht und einfach und doch, wer die Gastronomie kennt, weiß, dass es ein Knochenjob ist. Jedoch sieht Lea Linster ihre Arbeit nicht als Arbeit, sondern als Freude, Spaß und Bereicherung, was sie sympathisch macht. Auch von ihren Niederlagen berichtet sie. Sie gehören zum Leben dazu und sie erzählt, wie sie das Tal wieder verlassen hat und welche Lehren sie für ihre weiteren Entscheidungen gezogen hat.

Wer sich für das Leben und Arbeiten von Sterneköchen interessiert, wird hier gut unterhalten werden. Zudem gibt es auch ein paar Lea Linster Rezepte zum Nachkochen im Booklet und von ihr vorgestellt. Hier kann man sehen, ob die Rezepte wirklich leicht nach zu kochen sind, so wie es Lea Linster es gern mag. 

 Insgesamt ein gelungenes Hörbuch für jeden Hobbykoch, der mal hinter die Fassade einer Sterneköchin schauen möchte. 

4 von 5 Sternen

Mittwoch, 22. April 2015

Herzklopfen und Hüttenzauber

"Herzklopfen und Hüttenzauber" 
von 
Fanny Schönau




erschienen am 16.03.2015
  Goldmann Verlag
ISBN 9783442481583
350 Seiten


Inhalt:

Eine Ungerechtigkeit! Während ihre Geschwister bei der vorgezogenen Erbrunde absahnen, wird die alleinerziehende Journalistin Heidi mit einer windschiefen Hütte auf der Sausteigalm abgespeist. Nicht mal ein Verkauf kommt infrage, weil dort die alte Zita, die Großgroßirgendwas-Cousine ihres Vaters haust - auf Lebenszeit. Heidi beschließt, der Erbschaft einen Besuch abzustatten. Der Plan: Zita zum Auszug bewegen und die Hütte verscherbeln – und nebenbei, Plan 2, den so attraktiven wie beziehungsunfähigen Fred zu einem romantischen Bergwochenende überreden. Hat man ja schon gehört, dass die geringe Sauerstoffzufuhr da oben beziehungsstiftend sein kann. Blöd nur, dass sich das Leben nicht an Pläne hält. Schon gar nicht an die von Heidi.


Meine Meinung:


Erst habe ich Karla kennengelernt, jetzt kommt Heidi. Auch die Heidi kommt aus Hinter-Russbach und mag die Stadt lieber als das Dorf. Aber das waren auch schon die Gemeinsamkeiten der beiden Hauptfiguren der Fanny Schönau Bücher.   

Heidi erbt ganz überraschend die Almhütte samt alter Zita und will nun das Ding so schnell wie möglich wieder loswerden. Dafür muss sie aber erst mal selbst auf die Alm. Denn Zita muss weg, erst dann kann sie verkaufen. Doch Zita hat Haare auf den Zähnen und einen stechenden Blick. Die Dame hat zwar gefühlt 38 Schürzen übereinander an und ist auch schon in die 80, aber keineswegs senil oder zerbrechlich. Und so muss Heidi mit ihr ein Arrangement machen und bleiben. Mit der Zeit werden die Bissigkeiten etwas weniger und die Zusammenarbeit klappt auch besser, aber irgendwie kann sich Heidi nicht entscheiden. Denn da gibt es Fred aus der Stadt und Hannes von der Nachbaralm. Ach, das Leben ist so kompliziert und Heidi mittendrin.

Ich fand das zweite Buch von Fanny Schönau witziger, interessanter (wenn auch vorhersehbar) und nicht ganz so kitschig wie das erste Buch. Man muss nicht den ersten Band gelesen haben, um den zweiten Band nachvollziehen zu können. 
Die Zita reißt natürlich hier die Geschichte an sich und lässt Heidi so manches Mal im Schatten stehen. Zita ist ein Urgewächs und so spricht sie auch, d.h. hier liest man den Dialekt. Heidi bleibt beim Stadtdeutsch, so dass man nicht die kompletten Dialoge im Dialekt lesen muss/kann. Der Schreibstil von Fanny Schönau ist leicht und locker und lässt sich zügig lesen. Für alle Tierfreunde…es gibt neben die obligatorische Ziege, aber auch ein Meerschwein namens Dobermann und schon allein dieses Tier hat mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. 

Ein witziges Buch von der Alm mit einer ganz besonderen Almhüttenbewohnerin und Dobermann ;-). 

4 von 5 Sternen 

Montag, 20. April 2015

Die Lebenden und Toten von Winsford

"Die Lebenden und Toten von Winsford" 
von 
Hakan Nesser






erschienen am 15.09.2014
Der Hörverlag
ISBN 9783844515299 
2mp3-CD = 12h 28min.
 
 Inhalt:

Exmoor, eines Abends im November. Über einem kleinen Dorf in der südenglischen Moorlandschaft liegt dichter Nebel. Die geheimnisvolle Frau, die sich unter dem Namen Maria Anderson mit ihrem Hund im abseits gelegenen Haus auf der Heide niederlässt, bietet Stoff für Spekulationen. Was hat sie alleine hier draußen in der Einöde zu suchen? Irgendetwas Sonderbares umgibt diese Fremde. Und nicht alle scheinen ihr wohlgesonnen. Plötzlich liegen tote Vögel vor ihrer Tür und ihr Hund verschwindet tagelang. Und die seltsamen Vorfälle häufen sich.


Meine Meinung:
 


Dieses Hörbuch lässt mich schwanken. 
Einerseits bin ich ein Fan von Hakan Nessers Geschichten und freue mich über jedes neue Werk, andererseits hat mich diese Geschichte tatsächlich phasenweise etwas gelangweilt. 

Die Story ist nicht so spektakulär, aber typisch Nesser gut gestrickt. Es dauert diesmal nur recht lang, bis man zum Kern der Geschichte kommt. Die erste CD empfand ich als anstrengend und nicht so begeisternd. Vielleicht lag es an den Tagebuchaufzeichnungen oder an den recht wenigen und wenn sehr langsamen Geschehnissen. Die Rückblenden in das Leben ihres Mannes, dessen Schaffen und Schreiben waren manchmal zäh und ermüdend. Gut fand ich die Rolle, die sie einnahm, ihre Überlegungen, ob man ihre Spuren nachvollziehen kann und wie sie ihr Leben neu sortiert.

Mit Beginn der zweiten CD nahm die Geschichte an Fahrt auf und man konnte wieder den Nesser-Stil erkennen. Für ein Hörbuch fand ich die Geschichte jedoch recht zäh und langatmig. Die Hauptfigur Maria Anderson und deren Lebensgeschichte waren trotz allem recht interessant. Durch die vielen kleinen Nebenstränge und die recht großen Ausschweifungen gingen die interessanten Stellen etwas unter, was ich schade fand. 

Das Ende war etwas anders als erwartet und doch passte es recht gut.
Trotzdem muss ich zugeben, hatte ich mir etwas anderes unter dem Titel vorgestellt und fand dieses Buch/Hörbuch nicht so gelungen, wie die anderen Bücher von Hakan Nesser.

3 von 5 Sternen

Sonntag, 19. April 2015

Die Woll-Lust der Maria Dolors

"Die Woll-Lust der Maria Dolors" 
von 
Blanca Busquets





erschienen am 10.01.2011
Der Hörverlag
ISBN 9783867176842 
4 CD (297 Minuten)
 
Inhalt:

Ihre Tochter hat eine Affäre, ihr Schwiegersohn geht auch fremd und ihr Enkelsohn versteckt seine Homosexualität. Dolors, die seit ihrem Schlaganfall nicht mehr sprechen kann und nur noch in der Ecke sitzt, bekommt mehr mit, als ihrer Familie bewusst ist. So gibt sie mit ihrer inneren Stimme kluge Ratschläge und schlagfertige Kommentare, die leider niemand hören kann. Und hütet auch selbst ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit.
Katharina Thalbach leiht der 85-jährigen Dolors ihre Stimme und erzählt mit viel Witz und Ironie die Sichtweise der alten Dame, ihre Geschichte und die ihrer Familie mit all ihren Verwirrungen und glücklichen Momenten.



Meine Meinung:


Maria. 
Maria Dolors. 
Eine sympathische ältere Dame, die bei ihrer Tochter lebt und deren Familienleben analysiert. Es ist eine humorvolle, liebenswerte und traurige Geschichte, die hier von Blanca Busquets erzählt wird. 

Maria kann körperlich leider nicht mehr so agieren, wie es der scharfe Geist gern möchte. Sie sitzt stumm in ihrem Schaukelstuhl und beobachtet. Da die Familienmitglieder der Annahme sind, dass Maria Dolors nicht mehr viel mitbekommt, werden Liebeleien, Streitereien und anderes direkt vor ihr ausgetragen und Maria erfährt so Dinge, die eigentlich gern unter den Teppich gekehrt werden. Das Geschehene kommentiert sie in mit teilweise bissigen Humor. Aber sie schwelgt auch in ihrer eigenen Vergangenheit und hier schleicht sich so ganz langsam ein ganz anderes Bild von Maria Dolors in die Geschichte. Fast könnte man sagen, die zwei Gesichter der Maria Dolors. 

Das Hörbuch wird von Katharina Thalbach gesprochen, die mit ihrer wunderbar kratzigen Stimme, die Gedanken und die Gefühle der Dolores zum Zuhörer trägt. Dadurch konnte ich mir Maria so richtig gut vorstellen und musste so manches Mal lachen, wenn sie wieder eine ihrer Kommentare gegenüber ihren Schwiegersohn bringt (der natürlich nichts davon hört oder mitbekommt).


Fast ist man etwas traurig, dass man sich nach 4 CDs von Maria verabschieden muss, aber die Zeit mit ihr war schön. 


 


5 von 5 Sternen

Mittwoch, 15. April 2015

Schattenschrei

"Schattenschrei" 
von 
Erik Axl Sund



erschienen am 17.11.2014
Goldmann Verlag
ISBN 9783442481194
448 Seiten
Informationen gibt es hier.


Inhalt:

Endlich zeigen sich mehr und mehr Erfolge in den Ermittlungen der Kommissarin Jeanette Kihlberg. Sie glaubt, zwei Frauen als Mörderinnen identifiziert zu haben. Aber damit sind die Verbrechen noch nicht aufgeklärt. Und auch, was die unauffindbare Victoria Bergman mit den Morden zu tun hat, ist noch unklar. Derweil wird für Psychologin Sofia die Zusammenarbeit mit Jeanette immer schwieriger, weil sie dabei ihrem eigenen, persönlichen Kern immer näher kommt. Und das führt sie geradewegs in die Hölle.


Meine Meinung:



An den  dritten Teil der Trilogie um Victoria Bergmann wurden hohe Erwartungen gestellt. Neben der Spannung und  der Weiterentwicklung der Charaktere war vor allem die Auflösung wichtig. Doch leider hinkte der dritte Band etwas. Die Spannung verschwand phasenweise (dann schleppte sich etwas die Geschichte durch die Seiten), um dann doch wieder aufzutauchen. 

Es las sich zwar gut, aber es war diesmal nicht so konsistent wie bei den beiden ersten Büchern. Auch hatte man das Gefühl, dass die Brutalität noch einmal zugenommen hat. Die Szenen sind nichts für Leser mit schwachen Nerven. Ich fand es schade, dass die Geschichte nicht wirklich bis zum Schluss aufgelöst wurden ist. Eigentlich erwartet man nun einen vierten Band, damit die offenen Fragen und Zweifel geklärt werden. 

Das Thema ist, wie in den beiden vorherigen Bänden, nicht einfach, aber leider sehr aktuell. Das Schwedenduo sticht hier in eine offene Wunde der Gesellschaft. Für die Taten gibt es entweder nur sehr lasche oder gar keine Strafen. Die Opfer werden selbst zu Tätern, um sich zu rächen oder weil ihnen in den wirklich dringenden Phasen keine Hilfe zur Verfügung stand. Die Einbindung von Kindern macht das Ganze noch trauriger, erschreckender und dramatischer. Stellenweise musste ich das Buch weglegen, um durchzuatmen. Um die Zusammenhänge, die Figuren und deren Reaktionen nachvollziehen, ist es notwendig den Band 1 und 2 zu lesen.

Der dritte Band schwächelt zwar etwas, aber insgesamt ist es eine gelungene Trilogie, die bewegt, die an die Grenzen geht und den Leser mit einigen Fragen zurücklässt.


"Krähenmädchen" (Band 1 der Victoria-Bergman-Trilogie)
"Narbenkind" (Band 2 der Victoria-Bergman-Trilogie)
"Schattenschrei" (Band 3 der Victoria-Bergman-Trilogie)

4 von 5 Sternen

Montag, 13. April 2015

Zwei an einem Tag

"Zwei an einem Tag" 
von 
David Nicholls




Der Hörverlag
erschienen am 12.01.2015
2 mp3-CD = 15h 30min
Sprecher: Marie Bierstedt, Markus Pfeiffer
ISBN 9783844517262
Mehr Informationen gibt es hier.


Inhalt:


Die Zeichen standen gut an diesem 15. Juli 1988 nach der Examensfeier für die politisch engagierte Emma und den Lebemann Dexter. Nach der gemeinsamen Nacht trennen sich ihre Wege, doch sie treffen sich jedes Jahr an dem schicksalsträchtigen Datum wieder. Sie will die Welt verbessern, er sieht die Welt als große Party. Aber glücklich sind beide nicht. 20 Jahre dauert es, bis die Suche ein Ende hat und die Freundschaft in eine romantische Liebe mündet, Hoffnungen und Träume in Erfüllung gehen, wenn auch nur für kurze Zeit.




Meine Meinung:


Dex und Em, 
Em und Dex. 

Dex und Em, die zwei kennen und mögen sich seit 20 Jahren. Beide könnten kaum unterschiedlicher sein. Em ist eine clevere und engagierte junge Frau, die gern mal auf Demos geht und sich für die Menschen einsetzt. Sie schließt ihr College mit Bestnoten ab und wird trotzdem in den ersten Jahren nach dem Abschluss beruflich ein eher unruhiges Leben führen. 

Und Dex? Er ist gutaussehend, charmant, egoistisch und oberflächlich. Er hat das College geschafft, das zählt und will nun die Welt bereisen und feiern und Leute kennenlernen. Er taucht in eine ganze andere Welt ein - die Medienbranche. Leben und leben lassen, Geld spielt keine Rolle und nur der Spaß zählt. 

So leben beide ihr Leben und versuchen trotz aller Unterschiede ihre Freundschaft zu halten. Sie wahren und pflegen den Kontakt und können so die Entwicklung des jeweils anderen verfolgen. Während Em die Kurve bekommt, wird es für Dex immer enger und kritischer. 

Die Sprecher schaffen es, die Stimmung und die jeweiligen Situationen gut zu vermitteln. Ich fand es gut, dass es zwei Sprecher gab. Aufgrund der Länge des Hörbuches schafften die verschiedenen Stimmen etwas Abwechslung. Zudem konnten sie besser die jeweilige Figur und deren Gefühle transportieren und mit Leben erfüllen. Die Geschichte hat fast alles, was eine gute und interessante "Zweier-Beziehung-nicht-Beziehung-doch-Beziehung"-Geschichte benötigt. Zwei Charaktere, die sich im Laufe der Geschichte entwickeln und immer wieder neue Facetten ihres Charakters zeigen. Gefühle, die von Jubel, Traurigkeit, Herzschmerz bis Tod und Unglück alles beinhalten und vor allem der Humor zwischen den beiden Hauptfiguren tragen die Geschichte. Die vielen kleinen bissigen Kommentare von Em zum Lebensstil Dexters bringen den Zuhörer zum Schmunzeln, denn in ihnen stecken auch eine Reihe von gut erhaltenen Klischees und Vorurteilen, aber auch die über Jahre gewachsene und erhaltene Liebe und Zuneigung zu Dexter bzw. Dexters Gefühle gegenüber Emma werden sehr stark und gut ausgearbeitet. Beide Charaktere sind gut nachvollziehbar und mit viel Liebe zum Detail beschrieben worden.

Das Hörbuch hat insgesamt 133 Tracks, die sich auf gut 15,5 Stunden verteilen. Durch diese Einteilung konnte man die Geschichte gut zwischendurch stoppen und wieder starten ohne etwas zu verpassen oder doppelt anhören zu müssen. 

 Ein Hörbuch, das etwas Zeit braucht, aber eine schöne Geschichte rund um das Leben zweier Menschen beinhaltet. 

4 von 5 Sternen

Donnerstag, 9. April 2015

Liebesglück und Beerenkipferl


"Liebesglück und Beerenkipferl" 
von 
Fanny Schönau

 


erschienen am 16.09.2013
Goldmann Verlag
ISBN 9783442480111
342 Seiten
Hier gibt es mehr Informationen.
 


Inhalt:

Karla Fischer ist hübsch, clever und zielstrebig. Ideale Voraussetzungen, um in der PR-Welt Karriere zu machen. Und tatsächlich, Karla wird befördert – allerdings geradewegs vor die Tür. Und es kommt noch dicker: Das Arbeitsamt vermittelt sie nach Hinter-Russbach, quasi ans Ende der Welt, zur Schuhmanufaktur Gosauer. Mit Blick auf ihren Kontostand motiviert Karlas biederer Bankberater Paul Lenz sie, die Expedition anzutreten. Ein Albtraum! Zum Glück gibt es Karlas Kollegin, die unterforderte Schuhdesignerin Eva, deren rustikale Tante Mirli mit ihren himmlischen Beerenkipferln und den Erdnüsse futternden Dackel Guido. Doch just, als aus Karlas Kuhdorfkoller Landliebe wird, geht die Schuhmanufaktur Pleite. Der Schock sitzt. Bis die Sache eine unerwartete Wendung nimmt – und ausgerechnet Banken-Paul sich als charmanter entpuppt, als anfangs vermutet.


Meine Meinung:


Karla. 
Eine junge PR-Fachfrau mit einem übervollen Kleiderschrank, einem sehr gut gefüllten Schuhfach und einem sehr leeren Konto. Sie stresst ihren Bankberater Paul Lenz mit fantasievollen Ausreden und Erklärungen, um den Dispo noch ein wenig auszudehnen. Sie hechtet von einer Party zur nächsten Einweihungsfeier zum nächsten Event. Sie ist 32 Jahre alt und unabhängig, was nichts anderes bedeutet als mann- und kinderlos. 

Eigentlich könnte es so weitergehen, wären da nicht die Kündigung und die Arbeitslosigkeit. Da es immer ein Licht am Ende des Tunnels gibt, wird Karla ein Job im Salzkammergut angeboten. Nach dem verdauten Schock und vielen Fluchen später nimmt sie das Angebot an und zieht in die Provinz zu den stinklangweiligen Hinterwäldlern. 
Man ahnt schon, was jetzt noch folgt (und leider verrät der Covertext auch recht viel) und wie es enden wird, aber Karla ist so schön voreingenommen und mit Klischees vollgestopft, dass man sich die Geschichte nicht entgehen lassen möchte. Sie stolpert von einem Vorurteil zum nächsten und muss so manche Schlappe dabei einstecken. Die Charaktere der Geschichte sind so aufgebaut, dass man fast jeden irgendwie mag. Jeder hat eine ganz besondere Eigenschaft, Eigenheit oder ist einfach nur schrullig. Man findet immer wieder Stellen zum Schmunzeln und entspannt sich bei diesem Buch von ganz alleine. 

   Wer gern leicht kitschige und vorhersehbare Geschichten mag, etwas lesen möchte ohne Albträume zu bekommen oder einen verregneten Tag überbrücken muss, kann hier gern zu greifen. Als Bonus gibt es das Beerenkipfelrezept obendrauf.

 



3 von 5 Sternen. 

Dienstag, 7. April 2015

Schwarzblende

"Schwarzblende" 
von 
Zoë Beck




erschienen am 09.März 2015
Heyne Taschenbuch Verlag
ISBN 9783453410435 
412 Seiten
Weitere spannende Informationen gibt es hier!


Inhalt:

London. Der Kameramann Niall Stuart wird unfreiwillig Zeuge, als zwei junge Männer einen Soldaten in zivil grundlos angreifen und töten. Niall nimmt die Szene mit seinem Handy auf. Einer der Täter kommt zu ihm, das blutige Messer noch in der Hand, und bekennt, dass er den Mord im Namen Allahs begangen hat. Sein Komplize schwenkt die Flagge des Islamischen Staats. Als Niall wenig später den Auftrag erhält, eine Dokumentation über den Fall zu drehen, ahnt er nicht, dass er mit grausamer Absicht für diese besondere Aufgabe ausgewählt wurde.



Meine Meinung:

Das zweite (von mir gelesene) Buch von Zoë Beck hat mich mehr begeistert als ihr Debütbuch. Obwohl das Thema nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählt, habe ich das Buch in wenigen Tagen gelesen. Es hat alles, was einen guten Kriminalroman (ich würde es eher Thriller nennen) ausmacht. Ein interessantes Thema, Spannung, die bis zum Schluss hält, ein überraschendes Ende und gut ausgearbeitete Charaktere mit Ecken und Kanten. 

 Zoë Beck wagt sich an ein aktuelles und brisantes Thema – Islamischer Staat und Selbstmordattentäter. Sie packt die Themen in eine spannende Geschichte, die teilweise sehr brutal und deutlich die Vorgehensweisen der Attentäter aufzeigen. Schon auf den ersten Seiten wird der Leser mit der Realität und dem Blut konfrontiert. Es fließt viel Blut, es wird vertuscht, verdeckt und gelogen und es rollen immer wieder Gewaltwellen über die Geschichte. So manches Mal musste ich schlucken und das Buch erst mal weglegen und durchatmen. Menschen mit einem zarten Gemüt sollten das Buch nicht vor dem Schlafengehen lesen. 

Die Verwicklungen der einzelnen Handlungen, die Widersprüche der Aussagen, die Angst der Opfer, der Hass der Täter und die Sensationsgier der Medien werden hier zu einer gut durchdachten Geschichte verarbeitet und halten den Leser bis zum Schluss am Buch fest. Zoë Beck hat ein hohes Tempo in die Geschichte gebracht, die Stunden der Charaktere sind voll mit Terminen, Handlungen und durchkreuzten Plänen. Der Schreibstil ist sehr gut und flüssig und zieht den Leser in seinem Fluss mit. 

Ein Thriller/Kriminalroman, der wenig Zeit zum Verschnaufen lässt und am Ende den Leser doch nicht alle Fragen beantwortet. 

4 von 5 Sternen

Montag, 6. April 2015

Wie zwei alte Schachteln einmal versehentlich die Welt retteten

"Wie zwei alte Schachteln einmal versehentlich die Welt retteten" 
von 
Enzo Fileno Carabba




erschienen am 12.05.2014
  btb Verlag
ISBN 9783442747436
220 Seiten


Inhalt:
 Seit Jahrzehnten bewohnen Giulia und Camilla, zwei Damen von edler Geburt und antiker Schönheit, einen alten und zugegebenermaßen ziemlich heruntergekommenen Palazzo im schönen Florenz. Die beiden haben es sich bequem gemacht zwischen allerlei Antiquitäten und sonstigem Plunder und verlassen das Haus nur noch selten. Warum sollten sie auch, denn Emiliano, der unverschämte Feinkosthändler, versorgt sie mit überteuerten Lebensmitteln, und Piero, ja Piero, versorgt sie seit Jahr und Tag mit ein bisschen Koks, das die Damen nachmittags zum Tee zu nehmen pflegen. Denn ein bisschen Spaß sei im Leben ja wohl noch erlaubt. Als jedoch Piero eines Tages nicht mehr auftaucht, sehen sich die beiden gezwungen, das erste Mal seit langer Zeit wieder einen Fuß vor die Haustür zu setzen. Ein Entschluss mit weitreichenden Konsequenzen. 

Meine Meinung: 

Der Titel ist ein Traum und auch das Cover hat mich angesprochen. Der Covertext verspricht Humor und vielleicht etwas Satire, auf jeden Fall eine Menge Lesespaß. 

Ich bin mit recht hohen Erwartungen an die Geschichte herangegangen und leider enttäuscht wurden. Mich haben die beiden Prinzessinnen, die Damen aus Florenz nicht so richtig begeistern können. Sie waren nett und recht clever, aber nicht faszinierend oder fesselnd. Es hat mich etwas an „Kevin allein zu Haus“ erinnert, nur das es sich diesmal um Seniorinnen handelt, die sich gegen die Bösen wehren. Die Fallen waren teilweise schon aus Filmen und anderen Büchern bekannt und somit weniger spannend oder überraschend. Teilweise waren die Handlungen der Damen nicht sehr glaubwürdig und nachvollziehbar. Es fehlte der echte Humor und die Spannung in dieser Geschichte, der den Leser amüsiert und weiterlesen lässt. 

Bereits nach dem ersten Drittel des Buches war mir der Ausgang der Geschichte nicht mehr wichtig. Die Damen hatten mich leider nicht erreicht, zu abstrus war ihre Geschichte und das Ende leider vorhersehbar. Einzig der Schreibstil war ganz gut, man konnte das nicht ganz so dicke Buch zügig durchlesen. 

Insgesamt leider kein Buch, welches mich begeistert hat.
 
2 von 5 Sternen