Mittwoch, 30. Dezember 2015

Madame Ernestine und die Entdeckung der Liebe

"Madame Ernestine und die Entdeckung der Liebe" 
von 
Leona Francombe




  erschienen am 19.10.2015
Goldmann Verlag
ISBN 9783442483563
 480 Seiten



Inhalt:


 Eine tiefe Liebe zu Literatur und Musik, eine zerlesene Homerausgabe und ein altmodisches Kehrgerät: Obwohl die Brüsseler Putzfrau Ernestine Vandermeer keine Reichtümer von ihrem Vater geerbt hat, war sie doch immer zufrieden mit ihrem Leben. Bis der überraschende Tod ihres Arbeitgebers Harry Bishop alles durcheinanderwirbelt. Denn eine Klausel in Harrys Testament führt Ernestine auf das Parkett der feinen Gesellschaft – und ihre Suche nach einer neuen Stelle endet im Haushalt des geheimnisumwehten Meistercellisten Sébastien Balthasar. Wo sie mit ihrem eigenwilligen Charme ihr ganz eigenes kleines Wunder bewirkt.



Meine Meinung:


Madame Ernestine ist weder jung, Mittdreißigerin und in der Medienbranche unterwegs noch hat sie eine Midlife Crisis, zu viele High Heels oder champagnertrinkende Freundinnen. Nein, Madame Ernestine ist Anfang 50, etwas schrullig und eigen und eine Haushaltshilfe. Sie hat jahrelang in einer Metzgerei gearbeitet und seit einigen Jahren putzt sie den Haushalt anderer Menschen. Sie kommt mit wenig aus und liebt Musik sowie die alten (Klassiker-) Bücher. Auch wenn der Titel des Buches eine Liebesgeschichte vermuten lässt, steht hier nicht die ganz große Liebe im Vordergrund, sondern die Liebe zur Musik und dem Buch Homers und natürlich auch zu einem Mann.

Es ist ein ruhiges Buch, welches mit viel Liebe zum Detail die Geschichte von Ernestine erzählt. Es wird selten laut oder spannungsgeladen, dafür hat die Autorin einen wunderbaren Erzählstil. Fast schon unaufgeregt, erzählt sie von den Begegnungen, den Gedanken und der Vergangenheit der Charaktere. Ernestine mit den grauen Augen und Locken steht dabei im Mittelpunkt. Und Belgien. Man bekommt schon fast eine kleine Rundreise und Städtetour, wenn man das Buch liest. Vieles wird verschnörkelt und blumig erzählt, aber auch eine gute Portion Humor und Selbstironie stecken in dieser Geschichte. Die Figuren sind gut ausgearbeitet und man kann sie sich gut vorstellen. Auch die vielen kleinen Marotten von Ernestine sind amüsant und erheiternd.

Insgesamt ist es eine schöne runde Geschichte, die man einfach so in einem Rutsch durchlesen kann. 

4 von 5 Sternen

Montag, 28. Dezember 2015

Kokosöl

"Kokosöl" 
von 
Franziska von Au 




Inhalt:

Kokosöl wirkt wahre Wunder für unsere Gesundheit und Schönheit – und schmeckt auch noch ausgesprochen lecker. Es stärkt das Immunsystem, reguliert den Cholesterinspiegel, lindert Arthritis und schützt sogar vor Herzinfarkt, Alzheimer und Krebs. Es lässt die Haare glänzen, und Feinschmecker lieben sein feines Aroma. Das erste Buch über die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des beliebten Öls mit zahlreichen Rezepten zum Genießen und Wohlfühlen.


Meine Rezension:


Dem "Phänomen" Kokosöl kann man derzeit kaum ausweichen. Überall wird darüber geschrieben und gesprochen. Doch warum soll Kokos besser sein als Olive, Sonnenblume und Raps zusammen? 

Das Buch gibt einen recht guten Überblick über die Zusammensetzung des Kokosöls. Ich war schon überrascht, was für viele Bestandteile das Öl hat und welche Bedeutung diese wiederum für den Körper haben. Wie bereits kleine Mengen des Öls die Funktionen des Körpers (nicht nur beim Menschen) unterstützen und fördern. Interessant waren die vielen Anwendungsmöglichkeiten und die leichte Handhabung. Hier muss man nicht viel machen oder Zeit aufbringen, um das Öl anzuwenden bzw. einzusetzen. Ein Teelöffel in das Essen oder einfach zum Braten, Backen oder Kochen verwenden. 

Das Ölziehen finde ich etwas befremdlich, aber scheinbar hat es seine Berechtigung, denn man liest immer wieder, dass Menschen u.a. mit Zahn(fleisch)problemen dieses Ölziehen durchführen und dadurch weniger Beschwerden haben. 

Häufig wird auch Kokosöl in der Kosmetik eingesetzt. Vielleicht hat man hier schon unbewusst Kokosöl im Bad stehen und benutzt. Die pure Anwendung soll laut der Autorin so manches teures Mittelchen aus dem Kosmetikschrank ersetzen und sogar effektiver sein.

Die vielen Rezepte (fast das halbe Buch) bieten erste Hilfestellung wie man das Kokosöl verwenden kann. Sie sind nicht sonderlich schwer nachzukochen und man kann auch diese gut variieren (außer beim Kokosöl). Insgesamt soll man über den Tag verteilt 50g Kokosöl zu sich nehmen, was ich für sehr viel halte. Aber es wird auch empfohlen langsam anzufangen und sich zu steigern.

Für den Einstieg in das Thema "Kokosöl" finde ich das Buch recht gut. 
Es ist anschaulich beschrieben (auch die fachliche Seite) und gibt einen guten Überlick über das besondere Öl. Wunder darf man aber auch hier nicht erwarten.

4 von 5 Sternen

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Servus heißt vergiss mich nicht

 "Servus heißt vergiss mich nicht" 
von 
Angelika Schwarzhuber






erschienen am 19.10.2015
  Blanvalet Taschenbuch Verlag
ISBN 9783734102387 
416 Seiten




Inhalt:


Daniela hat ihr Leben eigentlich fest im Griff. Doch seit es Alex auf sie abgesehen hat, gerät ihr Gefühlsleben ordentlich durcheinander. Und gerade jetzt muss sich Daniela auf ihre Arbeit konzentrieren. Sie soll der todkranken Ehefrau eines Unternehmers in Sacramento einen ganz besonderen letzten Wunsch erfüllen, der Daniela auf eine außergewöhnliche Reise schickt! Allerdings stellt Alex ihr vor der Abreise ein Ultimatum.


Meine Meinung:


Danielas Geschichte - sie, eine alleinerziehende Frau mit einer kleinen eigenen Firma, wagt sich nun an ein Großprojekt. Oktoberfest in Sacramento. Ein Kunde möchte seiner Frau ein Abschiedsgeschenk machen und engagiert sie. Doch so manches geht schief und Daniela muss sich immer wieder neu organisieren. Eigentlich kein Problem, wenn Alex nicht wäre. Er weckt Gefühle in ihr, die sie jetzt nicht braucht, oder doch? 

Das ständige Katz-und-Maus-Spiel ist anfnags noch recht amüsant und unterhaltsam, lässt aber im Laufe des Buches nach. Die Geschichte ist leicht und nett, wenig aufregend und leider an manchen Stellen zu langatmig. Ich hätte ein paar Szenen weniger ausführlich bzw. komplett gestrichen besser gefunden. So zog es sich zum Schluß doch recht in die Länge. 

Gut fand ich die Idee, der eingeschobenen Geschichte, die zwar auch recht theatralisch war, aber die Geschichte um Daniela und Alex etwas auflockerte. Die Einschübe scheinen anfangs ohne Bezug zur Hauptgeschichte, jedoch ahnt man zur Mitte zu, welche Bedeutung sie haben. 

Unterhaltsam fand ich Adrian, den Zwillingsbruder von Daniela. Vom soliden Steuerberater zum Schauspieler. Auch seine Frauengeschichten, die am Rande immer wieder auftauchten und seine etwas chaotische Art, waren die leichte Würze in der Geschichte. 

Eine leichte Liebesgeschichte für die Regentage auf der Couch. 

3 von 5 Sternen

Montag, 21. Dezember 2015

Das große Wimmelbuch der Kunst

"Das große Wimmelbuch der Kunst" 
von 
Susanne Rebscher



erschienen am 02.11.2015
Prestel Verlag
ISBN 9783791372044 
32 Seiten
Großformat XXL


Inhalt:

Suchen und entdecken eröffnet einen spielerischen Zugang zur Kunst. Die beliebten Wimmelbilderbücher sind dazu ideal. Auf großformatigen Doppelseiten erforschen die Kinder unter anderem eine Höhle mit Malereien aus der Eiszeit, besuchen das alte Ägypten, Griechenland und Rom, erkunden ein mittelalterliches Kloster und sind zu Gast im Bauhaus oder in einer Künstler-Werkstatt des 20. Jahrhunderts. Unzählige Details und kleine Bildergeschichten zu Kunstwerken, Künstlern und ihren Arbeitsweisen sind in den Tableaus versteckt und lassen die Entdeckerfreude immer wieder neu entstehen.


Meine Meinung: 

 Wimmelbücher sind einfach nur toll und zauberhaft und laden sowohl Kinder als auch Erwachsene ein zum Staunen, zum Suchen und zum Geschichten ausdenken. Ich mag diese Bücher sehr gern. Man kann seiner Kreativität beim Erfinden von Geschichten freien Lauf lassen. Bei diesem Wimmelbuch ist dies jedoch etwas eingeschränkt, denn hier geht es um die Kunst. 

Es werden von der Steinzeit bis zur modernen Kunst die Epochen in vielen kleinen Bildern gezeigt. Einige Künstler erkennt man wieder, andere bleiben unbekannt. Auf der letzten Seite stehen ein paar hilfreiche Informationen, damit man sich auf den großen Bildern zurecht findet und den Kindern die Bilder auch richtig erklärt. 
Es werden jedoch nicht nur die Künstler vorgestellt, sondern auch wie sie gekleidet waren und wie sie ihre Kunst hergestellt haben. 

Eine witzige Idee ist das Verstecken zweier kleiner Äffchen, die in jeder Epoche auftauchen und ebenfalls Kunst erschaffen. Diese zu finden, war auf manchen Bildern gar nicht so einfach. Man kann das Buch immer wieder zur Hand nehmen und entdeckt stets etwas Neues, kleine Details, die das Auge beim ersten, zweiten Mal anschauen, übersehen hat.

Insgesamt ein sehr unterhaltsames und lehrreiches Buch, in einem schönen großen Format, welches einlädt sich zusammen auf die Couch zu setzen und zu blättern. 


 5 von 5 Sternen

Freitag, 18. Dezember 2015

Tod in Weimar

 "Tod in Weimar" 
von 
Dominique Horwitz




erschienen am 21.09.2015
  Der Hörverlag
ISBN 9783844519259 
7 CD = 8 Stunden 16 Minuten
Vollständige Lesung


Inhalt:


In der „Villa Gründgens“, dem Weimarer Alterssitz für Bühnenkünstler, wird die Probenarbeit des „Schiller-Zirkels“ jäh unterbrochen: Aus der greisen Theatergruppe stirbt unter mysteriösen Umständen einer nach dem anderen. Roman Kaminski, Kutscher und Stadtführer in der Goethe-Stadt, sieht sich gezwungen, der rätselhaften Todesserie auf den Grund zu gehen. Doch der ehrgeizige Kommissar Westphal scheint Kaminski in der Hand zu haben, der zu allem Überfluss auch noch zwischen zwei Frauen steht.


Meine Meinung: 


Dominique Horwitz kannte ich bisher nur als Schauspieler. Nun schreibt er auch Krimis. Ich war gespannt, ob er genauso gut schreiben wie schauspielern kann. 
Nach 8 Stunden und 16 Minuten kann ich nur sagen: das Hörbuch macht Spaß.

Selten habe ich einen so unterhaltsamen und witzigen Krimi gehört. Es fließt kaum Blut, es wird nicht geschossen, aber es gibt mehrere Tote. Alte Menschen, die in der Villa Gründgens lebten und ganz plötzlich sterben. Sie sterben aber nicht nach langer Krankheit, sondern werden mitten aus dem Leben und dem Schauspielstück "Die Räuber" gerissen. 

Horwitz gibt seinen Charakteren wunderbare Eigenheiten und Charakterzüge. Er erzählt sehr bildhaft von den alten Damen und Herren, die teilweise aus der Theater- und Ballettbranche kommen und sich das divenhafte Benehmen bis ins hohe Alter bewahrt haben. Die vielen kleinen Klischees der Schauspielwelt werden hier wunderbar bedient und geben immer wieder einen Grund zum Schmunzeln.
 
Passend dazu spielt die Geschichte in Weimar und dank dem Kutscher Roman erfährt man recht viel von der Stadt, der Geschichte und der Kultur. Immer wieder werden Zitate aus bekannten Werken eingebaut. Roman Kaminski rutscht scheinbar zufällig in diesen ganzen Schlamassel hinein und versucht nun zu ermitteln, wer der Mörder ist. Je länger die Geschichte wird, desto mehr Figuren könnten in Frage kommen, so dass man erst recht spät die Auflösung erfährt. 

Aber nicht nur die Villa Gründgens und ihre Bewohner sind interessant und herrlich eigen, sondern auch das etwas durcheinander geratene Privatleben von Roman Kaminski hat seinen ganz eigenen Charme. Den bringt Frettchen mit. Ein junges Mädchen, welches eine deftige (jugendliche) Aussprache beherrscht und somit einen sehr unterhaltsamen Kontrast zur Schiller-Goethe-Sprache darstellt. Und dann gibt es noch Laura. 

Das Hörbuch ist eine sehr gelungene Mischung aus Krimi, Unterhaltung und ein kleines bißchen Liebe. 

5 von 5 Sternen 

Freitag, 11. Dezember 2015

Schlangenkopf

"Schlangenkopf" 
von 
Ulrich Ritzel




erschienen am 09.09.2013
btb Verlag 
448 Seiten
ISBN 9783442742912



Inhalt:


Ein junger Mann geht am Alten Garnisonsfriedhof vorbei, ein Landrover lauert im Dunkel und nimmt langsam Fahrt auf, am Ende liegt ein Toter auf der Straße – und Ex-Kommissar Hans Berndorf, mittlerweile Fachmann für private Ermittlungen, scheint als einziger an der Auflösung dieses Verbrechens interessiert. Besonders brisant: der Tote war vermutlich Opfer einer Verwechslung, die eigentliche Ziel person schwebt immer noch in höchster Gefahr. Als Berndorf dies begreift, ist er selbst schon ins Visier von Leuten geraten, die drei Nummern zu groß für ihn sind. Die es nicht zulassen, dass die lukrative Endabwicklung der glänzenden Geschäfte, die sie im zurückliegenden jugoslawischen Bürgerkrieg getätigt haben, von einem ausgedienten Polizisten durchkreuzt wird.  

 
Meine Meinung:

 Wer Ulrich Ritzel lesen möchte, kann sich auf eine sehr dichte und spannende Geschichte freuen. Berndorf, sein Privatermittler, ist wieder dabei in ein Wespennest zu stechen. Er bringt nicht nur sich, sondern auch die Menschen in seiner Umgebung in Gefahr. Seine privaten Ermittlungen sind eigenwillig und hartnäckig. Er lässt sich nicht einschüchtern weder von den Schlapphüten noch von der Polizei oder der Politik. 

Ulrich Ritzel schreibt, aus meiner Sicht, die besten Krimis aus Berlin. 
Man bekommt das Gefühl er kennt sie alle und weiß von ihren Geheimnissen und kennt die ganzen Verstrickungen der Behörden, der Ämter und der Politiker. Seine Geschichten beschäftigen sich meistens in irgendeiner Form mit der Korruption, dem Machtmissbrauch und den Seilschaften zwischen den Mächtigen. Sei es die Politik oder die Wirtschaft, er zeigt die andere Seite und ist dabei so realistisch, dass man es kaum glauben kann. Seinen Leser nimmt er mit in die Abgründe und lässt sie teilhaben an der Gier, dem Verrat und den Drohungen. So manche Szene kommt dem Leser aus den Medien bekannt vor und genau diese realistische Darstellung fesselt mich an die Bücher von Ulrich Ritzel. 

Ich lese sie sehr gern, weil sie nicht nur spannend und verzwickt sind, sondern auch erschreckend realistisch. Die Charaktere tragen zudem noch dazu bei, dass man beim Lesen der Bücher die Zeit vergisst. 

5 von 5 Sternen


Montag, 7. Dezember 2015

Rentierköttel

"Rentierköttel" 
von 
Lars Simon



erschienen am 23.10.2015 
Jumbo Verlag
ISBN 9783833734786 
3 CD = 228 Minuten
Mehr Informationen hier!


Inhalt:


Gerade scheint es bei Torsten Brettschneider (35) richtig gut zu laufen: Häuschen in Schweden gekauft, ganz in der Nähe seiner Angebeteten Linda. Alles perfekt! Bis sich ungeahnte Probleme auftun: Das Haus ist marode und die Angebetete verschwunden. Als dann auch noch Torstens Freund und Langzeitstudent Rainer in original samischer Traditionsbekleidung auf der Matte steht, scheint das Chaos perfekt. Doch das Wichtigste zuerst: Er muss Linda finden. Die Suche führt ihn und Rainer in die eisige Einsamkeit Lapplands, wo sie an eine Asen-Sekte geraten, deren Mitglieder eine Vollmeise haben: Sie sind davon überzeugt, die Reinkarnationen nordischer Götter zu sein und fiebern der Opferung der Ziege "Heidrun" entgegen. Um das Vertrauen der Asen zu gewinnen, geben Torsten und Rainer vor, "welche von ihnen" zu sein. Ob das noch mal gut geht?


Meine Meinung:


 Das Buch ist der dritte Band um Torsten Brettschneider. Man muss jedoch nicht zwingend die ersten beiden Bände gehört oder gelesen haben. Ich konnte der Geschichte und den Figuren gut folgen ohne vorher die anderen Bücher gelesen zu haben.

Die ganze Geschichte ist so skurril und teilweise abgefahren, dass sie schon wieder gut ist. Es braucht etwas Zeit, um mit Torsten warm zu werden. Mich haben sowieso mehr der "voll krass"-Rainer und der Vater von Torsten angesprochen. Aus meiner Sicht sind dies die zwei Hauptcharaktere, die durch ihre sehr spezielle Art der Geschichte den Spaß und Humor geben. Rainer hat mich an einen Comedian erinnert. Langsam, bedächtig und null Stress, nee. Alles muss ökologisch und sozial und kulturell sein. Die Verbindungen müssen stimmen und dann klappt das auch mit der Kommunikation. Aber wehe Rainer wird böse und echt wütend. Die Szenen mit Rainer und seinen herrlich verqueren pädagogisch-wertvollen Sätzen waren das Beste an diesem Hörbuch. Immer wieder musste ich lachen und konnte mir, dank der tollen Stimme, auch die Figur wunderbar bildlich vorstellen. Dagegen wirkt der Torsten fast schon etwas langweilig. Auch Vater Brettschneider mit seiner "sensiblen" Art sorgt für Aufregung und doch hat man den etwas schnorrigen Mann schnell in sein Herz geschlossen. 

Und die Asen? 
Die haben wirklich einen Knall. 
Holger Dexne schafft es auch hier jedem einzelnen Charakter eine ganz individuelle Stimme zu geben. Sie (die Asen) haben sich für viel Geld (100.000 Schwedenkronen) dem Odin (nordischer Gottvater) unterworfen und machen sich dank grauenhafter Kostümierung und eigenartigen Bräuchen zu Vollidioten. Sie sind so abgefahren, dass selbst der sozio-kulturelle und politisch korrekte Rainer ins Zweifeln kommt. 

Und dann gibt es ja noch Daphne oder besser Da.
Und Linda? Sie spielt nur eine untergeordnete und leicht fade Rolle. Aber dank ihr kommt ja die ganze Geschichte ins Rollen. Also muss man sie wohl mit einbauen, aber brauchen tut man sie nicht wirklich.

Das Hörbuch ist skurril, abgefahren, lustig und herrlich schräg.
  Es macht Spaß und man muss nicht viel nachdenken. 
Ein Hörbuch ideal zum Abschalten vom Alltag.



  4 von 5 Sternen

Herzlichen Dank an den Jumbo Verlag und BloggdeinBuch für das Rezensionsexemplar.

Freitag, 4. Dezember 2015

Mach mir den Garten, Liebling!

"Mach mir den Garten, Liebling!" 
von 
Ellen Berg




erschienen am 16.11.2015
  Aufbau audio Verlag
ISBN 9783945733073 
6 CD = 492 Minuten 




Inhalt:


Die Lust am Gärtnern – und am Gärtner … Zur Hölle mit den lieben Kollegen! Nachdem ihr schon wieder ein Mann bei der Beförderung vorgezogen wurde, hat Tina die Nase voll von 14-Stunden-Arbeitstagen und Bürointrigen. Dann erbt sie von ihrer Tante einen Schrebergarten. Was soll ich mit einem Komposthaufen, wenn ich einen Chefstuhl will?, denkt sich Tina. Aber kaum ist sie im Grünen, beginnt es in ihr zu schwingen: Das Summen und Brummen, das Wühlen mit den Händen in der Erde – auf einmal spürt Tina eine neue Harmonie in ihrem Leben. Und dann ist da noch dieser Mann im Nachbargarten.


Meine Meinung:


Mich hatte der Titel des Hörbuches und der Garten angesprochen und ich freute mich auf eine witzige Geschichte rund um den Garten und seinen Tücken. Der Garten war dabei, denn Tina hatte ihn von der Tante überschrieben bekommen, aber leider war Tina nicht so witzig, wie erwartet. 

Die Voraussetzungen waren nahezu ideal. Ein Garten, den die „Glückliche“ ein Jahr nicht betreten hatte und der von einem Friedhofsgärtner „gepflegt“ wurde. Die Parzellennachbarn waren schon sauer und wenig amüsiert über die Gestaltung des Gartens. Tina hat zwar keinen grünen Daumen und will eigentlich nur ihre Karriere endlich voranbringen, aber nun muss sie sich dem Garten widmen, denn die Tante hat ihren Besuch angekündigt.

Das Hörbuch war leider nicht meins, denn Tina wiederholte sich oft und ich fand die Geschichte auch zu langsam erzählt. Immer wieder gab es abschweifende Gedanken und Erläuterungen, die man in einer anderen Form schon einmal gehört hatte. 
Auch die Bürogeschichte war nicht so recht gelungen. Die Bürotypen wurden zwar alle irgendwie abgearbeitet, aber mit wenig Liebe zum Detail. Die Sprüche, die gemacht wurden, fand ich eher fad und wenig witzig.

Ich fand es schade, dass auch die Romanze zwischen dem Schrebergartencasanova und ihr so platt war. Das Flirten war recht stumpf und wenig kribbelnd. Auch das Umfeld von Tina war nicht besonders originell. Mir fehlte das Neue und Dynamische an der Geschichte. So plätscherte sie einfach nur vor sich hin. Natürlich konnte man ab und an über die Gartenkünste von Tina schmunzeln und auch ihre mangelnden Kenntnisse zu Pflanzen und Zubehör waren ganz amüsant, aber es reichte leider nicht für eine ganze witzige Geschichte. 
Schade.





2 von 5 Sternen

Montag, 23. November 2015

Erwin, Enten & Entsetzen

"Erwin, Enten & Entsetzen" 
von 
Thomas Krüger





erschienen am 12.10.2015
Heyne Verlag
ISBN: 9783453418769
 368 Seiten


Inhalt:

Erwin Düsediekers Freundin Lina Fiekens ist verschwunden. Sie wollte ihre Schwester auf der Insel Oddinsee besuchen. In den Zeitungen wird von einer unbekannten Toten berichtet. Erwin muss in den Norden, ans Meer, um sie zu finden. Selbstverständlich reist Erwin nicht ohne seine Laufenten Lothar und Lisbeth und deren Nachwuchs Alfred. Auf Oddinsee erleben sie eine Welt voller Mythen & Morde.


Meine Meinung:


Der dritte Band von Erwin, Lothar & Co. ist bisher das beste Buch von dieser Serie. 

Vieles hat sich geändert in Erwins Leben. Er lebt jetzt mit Lina zusammen und seine drei Enten haben ein ruhiges Leben im Garten. Alles könnte so schön sein. Aber Lina verreist. An die Küste, sehr weit weg von Erwin, zu ihrer Schwester Theresa, die einen Hof betreibt. Der Kontakt ist (dank fehlenden Telefon und Internet) nur per Post möglich und dieser bricht auf einmal ab. Irgendetwas stimmt nicht. Auf der Insel Odinsee geschehen Morde…an Frauen. Erwin ist aufgeregt und macht sich zusammen mit Hilde, Arno und den Enten auf den Weg an die Küste. Die Unruhe war berechtigt, denn Lina ist verschwunden. Erwin begibt sich auf die Suche und gerät dabei in einen Strudel, den er fast nicht mehr beherrscht und durchblickt. 

Ich fand den dritten Band um einiges dynamischer und komplexer als die beiden ersten Bände. Es wirkte zwar auch phasenweise verworren und manchmal etwas an der Realität vorbei, aber trotzdem fand ich die Zusammenhänge interessant. Die Besonderheit bei den Bänden liegt in der Verbindung von den Morden und Erwins Literaturkenntnissen. Ich staunte immer wieder, welche Bilder bei ihm auftauchten und mit welchen Büchern er sie in Verbindung brachte. Es ist nicht immer so ganz einfach den Gedankengängen von Erwin zu folgen und auch seine manchmal sehr behäbige Art kann anstrengend sein, aber im Großen und Ganzen macht es Spaß ihm zu folgen. 

Es empfiehlt sich, die vorherigen Bände zu lesen, um die Bedeutung von den Laufenten zu kennen. Zwar lässt Thomas Krüger seinen "Helden" immer wieder zurückblicken, doch kommt dabei die besondere Beziehung zwischen den Enten und Erwin nicht besonders gut hervor. 




4 von 5 Sternen

Donnerstag, 19. November 2015

Knusperdünner Knabberspaß

"Knusperdünner Knabberspaß" 
von 
Solveig Darrigo-Dartinet



erschienen am 14.05.2014
  Bassermann Inspiration
ISBN 9783641123529
62 Seiten 
 
 
Inhalt:
 
 
 Hier ist Naschen erlaubt! Gemüse- und Obstchips aus dem Backofen sind lecker, fettarm und dazu auch noch gesund. Dieses Buch bietet 26 pikante und süße Knabbereien, viele mit köstlichem Dip.
 
 
Meine Meinung:
 
 
Das Buch ist für alle, die gern knabbern und sich doch gesund ernähren möchten. 

Häufig ist die Tüte Chips zwar lecker und ratzfatz auch gegessen, aber die Kalorien und das Fett schaffen es immer wieder das schlechte Gewissen zu aktivieren. Man kauft es quasi mit. Mit den Chips aus diesem Buch kann man sich gemütlich auf der Couch ausstrecken und ohne das schlechte Gewissen knabbern. Jedoch gibt es auch bei diesem Buch einen Haken. Die Zubereitung. Diese Knabbereien muss man selber herstellen und dies kostet etwas Zeit. Also nichts für den überraschenden Appetit. Da die meisten Rezepte einen Aufwand von ca. einer Stunde haben, sollte man schon vorher wissen, was man möchte. 

Die Rezepte sind nicht schwer nachzumachen und sehr logisch aufgebaut. Man braucht keine komplizierten Küchenutensilien oder erweiterte Kochkenntnisse. Die Chips werden aus Obst oder Gemüse hergestellt und sind entweder herzhaft mit Dip oder süß. Die Dips klingen lecker und schmecken (die, die ich schon probiert habe) gut. Neben den Gemüse- und Obstchips gibt es auch einige wenige Rezepte zu Cräckern. Die Rezepte sind verständlich und die Abfolge recht detailliert beschrieben. 

Zudem gibt es zu jedem Rezept noch ein Bild, wie es aussehen sollte. Die Angaben sollten möglichst beachtet werden (fast wie beim Backen), dann gelingt es meistens. Etwas Übung braucht man vielleicht, um die optimale Stärke/Dicke der Chips herauszubekommen. 

Für mich eine echte Alternative zur traditionellen Chipstüte aus dem Supermarkt. 

4 von 5 Sternen

Sonntag, 15. November 2015

Entenblues

"Entenblues" 
von 
Thomas Krüger




erschienen am 10.11.2014 
Heyne Verlag
ISBN: 9783453417694 
366 Seiten

 
Inhalt:


Was ist los in Bramschebeck? Erwin Düsedieker, der Sohn des ehemaligen Dorfpolizisten, hat das Waffenlager eines mörderischen Geheimbundes ausgehoben. Trotzdem gilt er weiterhin als Trottel, der in Gummistiefeln über Äcker und Wiesen stapft und mit seinen Enten Lothar und Lisbeth spricht. Bald heißt es im Dorf, er habe in dem Waffenlager Geld gefunden und unterschlagen. Und dann liegt auch noch eine grässlich zugerichtete Leiche in seinem Gartenteich. Erwin hat das Gefühl, in einen Strudel aus Erpressung und Verdächtigungen zu geraten. Und Lothar und Lisbeth droht der Entenblues.


Meine Meinung:

 Der zweite Band von Erwin, Lothar & Co. konnte mich nicht ganz so sehr begeistern. Erwin hat sich seine Ruhe verdient, schließlich hat er gerade einen alten Geheimbund aufgedeckt. Lothar ist glücklich mit Lisbeth und so könnte es weitergehen. Doch dann taucht wieder eine Leiche auf. Wie vom Himmel gefallen....

Erwin sucht wieder nach Puzzelteilen, nach Worten und den Mörder und gerät dabei selber in den Blickwinkel von Kommissar Kuno Bökenbrink. Und dann werden auch noch Lothar und Lisbeth gekidnappt.

Ich fand diese Geschichte zu verworren und zu gewollt. Es passte nicht so richtig und aus meiner Sicht ging der Humor hier etwas verloren. Das Charmante in Erwin war diesmal nicht so ausgeprägt und auch Arno war in diesem Band nicht so richtig gelungen. Einzig Hilde und Lina fand ich gut und deren Charaktere wurden etwas mehr ausgebaut. Natürlich waren Lothar und Lisbeth zauberhaft, wie es nur Laufenten sein können, aber sie konnten nur bedingt die Geschichte spannend halten. Schade, aber es gibt ja noch einen dritten Teil.

3 von 5 Sternen

 
 

Donnerstag, 12. November 2015

Das barmherzige Fallbeil

"Das barmherzige Fallbeil" 
von 
Fred Vargas
 



 
erschienen am 26.10.2015
Random House Audio
ISBN 9783837131970 
6 CD = 8 Stunden 9 Minuten 

Inhalt:
 
 Innerhalb weniger Tage werden die Leichen einer Mathematiklehrerin und eines reichen Schlossherrn in Paris entdeckt, die vermeintlich Selbstmord begangen haben. Die brutale Szenerie alarmiert zwar die Polizei, doch es scheint keine Verbindung zu geben. Bis Jean-Baptiste Adamsberg auf unauffällige Zeichnungen an beiden Tatorten aufmerksam wird. Kurz darauf stellt sich heraus, dass die Lehrerin vor ihrem Tod dem labilen Sohn des zweiten Toten geschrieben hat. Der Brief führt Adamsberg auf die Spuren einer verhängnisvollen Reise nach Island, die zehn Jahre zuvor stattfand – und von der zwei Personen nicht zurückkamen. Sowie in die Untiefen einer Geheimgesellschaft, die sich Robespierre und der Terrorherrschaft während der Französischen Revolution verschrieben hat. Weitere Menschen sterben, und für Adamsberg beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit und einen ebenso wandelbaren wie unbarmherzigen Mörder


 Meine Meinung:





Jean-Baptiste Adamsberg und seine Kollegen mag man oder nicht. Sie sind eigenwillig, speziell und scharfsinnig. Die Fälle sind teilweise sehr verworren und ausschweifend. So auch dieser Fall. 

Die erste Leiche wird in Paris gefunden und man landet im Laufe der Geschichte, mit Adamsberg und den Kollegen, in Island und untersucht Bodenproben. Eine Leiche allein ist noch lange kein Mord, aber das Zeichen an der Badewanne bleibt bei Adamsberg haften und weckt in ihm die Neugier. Stets geht Adamsberg seinen eigenen Weg und mag er anfangs noch so unlogisch erscheinen.

Diese Geschichte ist voll mit französischer Vergangenheit und man merkt, dass Fred Vargas eine studierte Historikerin und Archäologin ist. Man ist dabei, wenn Maximilien de Robespierre wieder aufersteht und vor der Versammlung spricht. Die Männer, in den Gewändern, den Stoffhosen und Perücken aus der Zeit der französischen Revolution, werden wieder lebendig und zelebrieren die Zeit. 

Die Revolution nimmt einen Großteil der Geschichte ein. Ich habe mich etwas schwer getan mit den vielen französischen Namen. Da man sie nicht geschrieben sieht, kann es leicht zu Verwechslungen kommen. Wer sich nicht mehr an die französische Revolution (aus dem Geschichtsunterricht) erinnern kann, bekommt ihr eine Auffrischung. Mir, persönlich, hat der Exkurs sehr gut gefallen. Auch der sich immer mehr ausweitende Kriminalfall war gut aufgebaut und typisch Vargas verworren. Zum Schluss lässt sie wieder die ganzen einzelnen Stränge zusammenkommen. 


Hannelore Hogers Stimme trägt den Zuhörer gut durch die Geschichte. Nur Adlatus Danglard fand ich nicht so gelungen und hatte ihn auch anders in Erinnerung, aber dies ist rein subjektiv. 

4 von 5 Sternen

Montag, 9. November 2015

Erwin, Mord & Ente

"Erwin, Mord & Ente" 
von 
Thomas Krüger



erschienen am 14.10.2013
  Heyne Verlag
ISBN: 9783453411524
 304 Seiten


Inhalt:

Erwin Düsedieker ist ein herzensguter Mensch, doch er gilt als beschränkt: Der Sohn des ehemaligen westfälischen Dorfpolizisten Friedhelm Düsedieker stapft gern mit Gummistiefeln an den Füßen und Papas alter Dienstmütze auf dem Kopf über Äcker und Wiesen. Begleitet von Lothar, seiner treuen Laufente. Ein Polizist könnte Erwin nie sein. Eines Tages aber strauchelt er in einen Kriminalfall mit geradezu höllischen Dimensionen und muss ihn lösen – zusammen mit Lothar, der sich im Zuge des Abenteuers als wahre Ermittlungsente entpuppt.


Meine Meinung:

Regionalkrimis sind schon immer etwas speziell. 
Erwin kommt aus dem Westfälischen und hat es seinem Dorf Bramschebeck nicht leicht. Er gilt als nicht ganz so klug und etwas sonderbar, aber wer sich etwas mehr mit Erwin beschäftigt, wird feststellen, dass er sehr wohl sein Image zu nutzen weiß. Er lebt in einem alten Haus, was früher mal die Wache war und hat hier sein ganz eigenes Refugium geschaffen. Es gibt einen Raum, um den ihn die leidenschaftlichen Leser beneiden werden. Es ist eine Bibliothek im Wintergarten mit einer vergoldeten freistehenden Badewanne. Hier liest, denkt und entspannt sich Erwin. Doch bald schon wird es brenzlig für ihn. Denn es werden Knochen gefunden und Lother, Erwin ganz wunderbare Laufente, eigentlich ein Erpel, findet noch ein paar alte verklebte Papierschnipsel, die Erwin auf eine heiße Spur bringen. 

Wenn man sich erstmal an die ganzen doch gewöhnungsbedürftigen Namen wie Wimmelböcker, Thiesbrummel, Bartelweddebüx, Jasperneite und Co. gewöhnt hat, kann es mit dem westfälischen Dialekt so richtig losgehen. Ich musste manche Stelle laut lesen, um alles zu verstehen und konnte dann mir das Schmunzeln nicht verkneifen. Herrlich schräge Dialoge im feinsten westfälisch zwischen Äwinn und Arno Wimmelböcker. 

"Und wass dass? Nee, nä?" 
"Bücher", sagte Erwin.
"Bücher? Nee!"
"Doch" sagte Erwin. "Sind Bücher."
"Mönsch, Äwinn! Richtich zum Lesn?"
"Jou", sagte Erwin. "Sone Bücher." 
(S.298)

Erwin mag man oder nicht. Er ist etwas langsam, hat seine Rituale, liebt Asia Orchidee für den gestressten Herrn und seine Laufente Lothar. Gemeinsam ermitteln sie in alle Richtungen und stoßen bald in ein Wespennest. Die Geschichte ist witzig, anders und doch spannend. Die Thematik ziemlich nah an der Realität und der Schreibstil gut zu lesen.

Wer also schon immer mal einen etwas eigenen Krimi lesen wollte, ist hier gut aufgehoben. Bitte nicht nach ein paar Seiten aufgeben, es wird spannend und man gewöhnt sich sogar an den Dialekt ;-).




4 von 5 Sternen