Samstag, 31. Mai 2014

Neumond

"Neumond" 
von 
Daniela Larcher



erschienen am 12.12.2013
Fischer Verlag
ISBN 9783596192229
352 Seiten


Inhalt:

Im dichten Schneetreiben von St. Gröben sucht Chefinspektor Otto Morell ein Phantom. Der dritte Fall für Chefinspektor Otto Morell Dunkel ist es in einer Neumondnacht und gefährlich. Der kleine Patrick ist fest davon überzeugt, dass in dieser Nacht ein böser Tatzelwurm an seinem Fenster vorbeigeschlichen ist. Doch am nächsten Morgen findet man in der Selbstmörderschlucht keinen Wurm, sondern eine Leiche. Für Chefinspektor Otto Morell eine perfekte Ausrede, um nicht Skifahren zu müssen. Als kurz darauf ein Skelett in einer Höhle gefunden wird, stellen sich jedoch plötzlich ganz andere Fragen. Ein phantastisch spannender Fall für Chefinspektor Otto Morell in einer wahrlich gruseligen Umgebung. 



Meine Meinung:
Otto Morell will endlich einmal Urlaub machen. Zusammen mit seiner Valerie. Doch muss es denn unbedingt Skifahren sein? Was finden denn die Menschen an den Skipisten, den Schneewehen im Gesicht und vor allem an den Après Ski Bar mit schlechten Essen, der grausigen Musik und den betrunkenen Skifahrern ohne Deo? 
 
Und doch lässt er sich auf diesen Urlaub ein, weil nicht nur Valerie sondern auch Nina und Leander mitkommen. Ausspannen und die Zeit genießen und na, ja auch die Pisten unsicher machen. Obwohl er, Otto, schon selbst unsicher genug ist. Doch noch bevor er seine erste Piste hinunterrutschen kann, geschieht am Skiort ein Mord. Die örtliche Polizei ist hoffnungslos überfordert und bittet ihn um Hilfe. Für Morell fast schon ein Segen, denn nun hat er die Ausrede für das Fehlen am Hang. Er stürzt sich mit Freude in die Untersuchungen und muss ziemlich schnell feststellen, dass hier so einiges nicht stimmt. Dazu kommt noch der kleine Sohn der Gastwirtin, der den Tatzelwurm sieht. Auch eine Hexe soll ihr Unwesen im Wald treiben. Und das alles kommt verstärkt zur Neumondzeit auf. 

Daniela Larcher hat ihrem Inspektor Otto Morell wenig Spaß gelassen und lässt ihn zwischen Pest (Ski fahren) und Cholera (Mord aufklären) wählen. Da Otto nicht für sportliche Betätigungen bekannt, lässt er sich lieber auf den Mord ein. Und außerdem bäckt die Frau vom örtlichen Polizeimeister sehr guten Kuchen, der nicht zu verachten ist. Man könnte so entspannt seiner Arbeit nachgehen, wenn es nicht den jungen Polizeimeister gäbe. Dieser scheint nicht nur ein extrem hohes Redebedürfnis zu haben, sondern auch die Verstrickungen im Dorfe bestens zu kennen. Fast schon kann man meinen er ist auf irgendeinem Wege mit jedem im Dorfe bekannt oder verwandt. 

Der Krimi ist diesmal etwas düsterer als die beiden vorherigen Fälle, aber das hält Morell nicht ab zu ermitteln. Die Mischung aus Humor, polizeilichen Ermittlungen, Verwirrungen und Verstrickungen schaffen einen gut zu lesenden Krimi. Es gibt immer wieder Wendungen, die man so nicht erwartet hatte und selbst die polizeiliche Quasselstrippe wird zum fleißigen Ermittler. 

Morell schafft es wieder mit seiner Ruhe, dem etwas knurrigen Charakter und seiner Sportantipathie Sympathien zu sammeln und auszubauen. Die Kollegin Nina steht ihm in Nichts nach und so kann man sich ganz entspannt zurücklehnen und sie beobachten.
Ich werde Otto, Nina & Co. weiterbegleiten, denn Spaß hat’s gemacht.
 


4 von 5 Sternen

Donnerstag, 29. Mai 2014

Münsters Fall

"Münsters Fall" von Hakan Nesser



 
erschienen am 23.08.2006
Random House Audio Verlag
gelesen von: Dieter Moor
6 CD = 420 Minuten


Inhalt:

 Vier Rentner feiern in einer Kneipe ihren Lottogewinn. Wenige Stunden später ist einer von ihnen tot, durch zahlreiche Messerstiche in seiner eigenen Wohnung ermordet. Kommissar Münster übernimmt den Fall, doch die Ermittlungen gehen nur schleppend voran, die ganze Geschichte wird von Tag zu Tag undurchsichtiger: ein Toter, zwei Verschwundene und eine Ehefrau, die einen Mord gesteht, den sie gar nicht begangen hat. Hilfesuchend wendet sich Münster an seinen Kollegen Van Veeteren, der eigentlich für ein Jahr vom Dienst beurlaubt ist. Doch bei diesem Fall sind der Spürsinn und die Intuition des eigenwilligen Ermittlers Van Veeteren gefordert.


Meine Meinung:


Wer Hakan Nesser kennt, weiß, dass der Schwede gute verworrene und wenig vorhersehbare Krimis schreibt. Wie die meisten schwedischen Krimis ist auch dieser wieder undurchsichtig, düster und gekennzeichnet durch familiäre Probleme als auch die ganz eigenen Probleme des Kommissars. 


Der Fall in dem Münster steckt, ist alles andere offensichtlich, auch wenn sich eine Person zu der Tat bekennt, hat Münster seine Zweifel an der Aussage. Auch die nachfolgende Handlung passt nicht in das Bild und so muss Münster dranbleiben und weitersuchen. Er holt sich dabei die Hilfe von dem beurlaubten Altkommissar Van Veeteren. Dieser genießt die Ruhe und den Abstand zur Polizeiarbeit. Seine Gedanken kreisen nicht mehr um Leichen, Mörder, Opfer und Gewalt. Er hat innerlich bereits seinen Ruhestand eingenommen, auch wenn die Kollegen auf seine Rückkehr hoffen. 

Münster sucht seine Hilfe und beide gehen sie die Fakten des Falls immer wieder durch. Langsam erkennen sie die Zusammenhänge und verstehen das Grauen, welches sich hinter den einzelnen Puzzelteilen verstecken. Schicht für Schicht wird die Familientragödie aufgedeckt und offengelegt. Doch ist dies gut? Sollte man die Vergangenheit nicht ruhen lassen? Münster und Moreno (seine Partnerin) müssen weitergraben, um den Mord aufzuklären. Dann findet Münster den „Schlüssel“, das letzte kleine Puzzelstück. Zwar erkennt er die Zusammenhänge und zieht somit die richtigen Schlüsse, jedoch unterschätzt er die Gefahr, der er sich nun aussetzt. 


Neben der Aufklärung des Mordes machen Münster immer wieder Selbstzweifel und Zweifel an seine Liebe zu seiner Frau zu schaffen. Er fühlt etwas, was nicht gut für die Beziehung ist und kämpft mit Gedankenspielen, die nicht seine Frau und ihn, sondern Moreno und ihn betreffen. Immer wieder erwischt er sich dabei, dass er abschweift und den Tagträumen hinterherrennt, um später mit einem schlechten Gewissen wieder in die Realität zurückzukehren.


Die bedrückende Stimmung wurde durch die tiefe raue Stimme von Dieter Moor noch stärker. Er schaffte es eine stetige Spannung zu erzeugen, die für eine beklemmende Stimmung sorgte. Moor gab dem Kommissaren Van Veeteren und Münster die richtige Tonlage, um die älteren, verbrauchten und abgekämpften Männer sehr gut darzustellen.


Insgesamt ein gelungener düsterer Schwedenkrimi, der wieder ein paar kleine Details offen lässt, um die Anschluss zum nächsten Fall zu schaffen.

 


4 von 5 Sternen

Samstag, 24. Mai 2014

Bis dein Zorn sich legt

"Bis dein Zorn sich legt" 
von 
Asa Larsson


 


erschienen am 01.03.2009
Hörbuch Hamburg
ISBN 9783899036411
Sprecher: Nina Petri, Ulrike Grote, Stephan Schad
4 CD = 301 Minuten

Inhalt:

Ein unbeschwertes, junges Liebespaar: im Sommer haben sie beim Tauchen ein Flugzeugwrack entdeckt. Jetzt ist der Vittangjärvi-See zugefroren. Niemand stört sie, als sie ein Loch in das dicke Eis sägen und sich in die Tiefe hinunterlassen. Niemand? Plötzlich, ein geisterhafter Schatten: die Markierungsleine wird gekappt, die Öffnung ins Freie durch eine Holztür versperrt. Die beiden haben keine Chance. Rebecka Martinsson übernimmt den Fall. Schon schnell wird klar, dass das Paar einem Geheimnis auf der Spur war. Denn es ist kein normales Flugzeug, das auf dem Boden des Vittangjärvi-Sees liegt. Es ist eine deutsche Junker aus dem Zweiten Weltkrieg. Was birgt sie in der Tiefe ihres Rumpfes? Rebecka entdeckt ein gefährliches Netz aus Schuld, Angst, Verrat, in das die Bewohner ihres Heimatortes verstrickt sind, und eine Geschichte, die nicht vergehen will.

Meine Meinung:

Ich habe mir diesmal nicht das Buch, sondern das Hörbuch zum Krimi geholt. Die Sprecher waren  sehr gut und schafften es eine kalte und dunkle, manchmal beängstigte Stimmung zu schaffen. 
Ein junges Pärchen geht zum Tauchen. Doch sie kommen nicht wieder. Was ist passiert? Die junge Frau wird bald darauf gefunden und nun kommt so langsam Bewegung in den neuen Fall. Rebekka und ihr Team müssen herausfinden, was passiert ist und stoßen dabei auf unwillige, mürrische und wenig auskunftsfreudige Menschen. Sie wollen in Ruhe gelassen werden. Nur Anni, die Großmutter von der toten jungen Frau will wissen, was passiert ist. Denn das Liebespaar waren gute Schwimmer und Taucher. Sie suchten nach einem verschollenen Flugzeug im zugefroren See. Wirbelten sie damit etwas auf, was lieber im Verborgenen blieb? Rebekka und ihre Kollegen stochern lange im Dunkeln bis der nächste Mord geschieht. Die Zeit läuft ihnen davon und immer mehr Ungereimtheiten tauchen auf. Langsam wird die Situation bedrohlich. 
Asa Larrson hat einen spannenden und düsteren Krimi geschrieben. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen erst spät in der Geschichte ineinander und verbinden Beziehungen, die man so nicht erwartet hatte. Die getötete junge Frau tritt als "Geist" bzw. Stimme im Hintergrund immer wieder mit auf und kommentiert, was sie sieht und fühlt. 
Während ich beim Lesen der Bücher von Asa Larrson keine Probleme hatte den Namen und den Vorgängen zu folgen, waren diesmal gerade die Namen für mich schwer auseinander zu halten. Gesprochen klangen sie fast gleich und ich hatte Probleme sie den einzelnen Personen zuzuordnen. Wer Asa Larrson noch nicht kennt, sollte aus meiner Sicht mit einem Buch beginnen und die Figuren erst kennenlernen und dann auf Hörbücher umsteigen. Auch ist zu empfehlen, die Serie von Beginn an zu lesen, da sich die Hauptfiguren im Laufe der Serie entwickeln und auch untereinander verstricken. Nebenkommentare und Andeutungen können sonst nicht richtig verstanden und interpretiert werden.

Insgesamt ist die Geschichte manchmal unterkühlt und düster, teilweise beklemmend und doch bis zum spannend erzählt.



4 von 5 Sternen

Dienstag, 20. Mai 2014

Alles total groovy hier



Alles total groovy hier 
von
Jörg Juretzka




erschienen am 15.07.2010
  BUCHFUNK Hörbuchverlag
ISBN 9783868471168 
Spielzeit: 6 Stunden und 34 Minuten


 Inhalt:

 Kristof Kryszinski ist mit seinem Kumpel Scuzzi ins sonnige Spanien unterwegs. Sie sollen einen Ort suchen, an dem ihr Bikerklub die Stormfuckers Ranch aufmachen kann. Noch während der Fahrt begegnet ihnen alles andere als Sommer, Sonne, Strand und Meer: verdorrte Stein- und Staubwüste, erbarmungslos sengende Hitze und gefährliche Banden verwahrloster Kinder. Schisser allerdings, der bereits eine entsprechende Immobilie gefunden hatte, ist verschollen - ebenso die 180.000 Euro, mit denen er das Objekt erstehen sollte. Auf der Suche nach Freund und Geld stoßen die beiden auf ein Aussteigerdorf voller zugekiffter Hippies. Auch die Jugendlichen machen in der iberischen Gluthitze dem bierdurstigen Kryszinski gehörig Dampf - ganz zu schweigen von den harmoniebedachten Blumenkindern, gegen die der Mülheimer instinktiv eine herzliche Abneigung empfindet. Von brennenden Hunden und fadenscheinigen Hippies. Witzig. Abgründig. Temporeich.


Meine Meinung:

Auf dem Cover des Hörbuches steht Krimi. Bei den ersten zwei CDs habe ich mich noch gewundert, denn von Krimi war irgendwie nichts zu spüren und zu hören. Dies änderte sich als das große Kiffen und Chillen abgeklungen war. Am Anfang musste ich so manches Mal lachen, wenn Kristof Kryszinski seine Umgebung, seinen Kumpel Scuzzi oder dessen Verhalten kommentiert. 

Böse, sarkastisch und manchmal zynisch beschreibt er die Geschehnisse. Selten habe ich ein so bissiges Hörbuch gehört, welches frei von Leber die Schimpfwörter sprudeln lässt. Dadurch wirkte aber auch die ganze Geschichte, die schon etwas verworren ist, authentischer. 

Scuzzi und Kristof suchen in Spanien ihren Freund Schisser. Dieser sollte mit jeder Menge gemeinsamer Kohle einen Standort finden und kaufen, damit sie sich dort etwas aufbauen können. Doch seit ein paar Tagen haben sie kein Lebenszeichen mehr gehört und so fahren sie mit ihrem alten Bus nach Spanien. Neben der Hitze müssen sie mit Sprachbarrieren, gefährlichen Nachbarn und einer misstrauischen Kommune zurechtkommen. Während Kristof versucht einen klaren Blick und Kopf zu behalten, taucht Scuzzi erstmal in der Kommune ab und chillt etwas. Kristof stößt bei seinen Fragen und Recherchen immer wieder auf Ungereimtheiten und Widersprüche. Ganz nebenbei stochert er in einem Wespennest und muss die bösen Geister, die er unbewusst rief, am eigenen Leib erfahren. Für ihn wird es immer brenzliger und auf einmal tauchen auch noch tote Flüchtlinge auf. Bald schon sitzen Kristof und Scuzzi mittendrin im Handel mit Menschen, Toten und der gekauften Polizei. Die Schlinge zieht sich immer mehr zusammen und so erfahren sie auch, was aus ihrem Freund Schisser wurde.
Der Sprecher hat diesen ungewöhnlichen und etwas gewöhnungsbedürftigen Krimi sehr gut gesprochen. Seine tiefe und angenehme Stimme konnte die sowohl die bissigen Kommentare als auch die Verzweiflung sehr gut transportieren. Nach der ersten CD war ich gefesselt von der Geschichte, die so anders ist als die bisherigen Krimis, die ich gehört oder gelesen habe. Kein Provinzkrimi mit leichten Humor, kein blutrünstiger Thriller, aber es ist ein Krimi mit Hintergedanken, die sich dem Hörer ganz langsam offenbaren und bis zum Schluss für Wendungen sorgen, die man so nicht erwartet hatte. 



4 von 5 Sternen

Sonntag, 18. Mai 2014

Als wir unsterblich waren

"Als wir unsterblich waren" 
von 
Charlotte Roth



erschienen am 02.05.2014
Droemer Knaur Verlag
ISBN 9783426512067
576 Seiten
Inhalt:
 
November 1989. »Willkommen in Westberlin«, dröhnt es aus einem Lautsprecher, als die Ostberliner Studentin Alex­andra von der Menschenmenge in die Arme eines jungen Mannes gedrängt wird. Liebe auf den ersten Blick!

Berlin vor dem Ersten Weltkrieg. Die junge und mutige Paula setzt sich leidenschaftlich für Frauen- und Arbeiterrechte ein. Ihre Träume von einer neuen, gerechteren Welt teilt sie mit dem charismatischen Studentenführer Clemens, mit dem sie Seite an Seite kämpft.
Damals, als sie unsterblich waren, beginnt ihre dramatische Geschichte, die auch die Geschichte unseres Landes ist und die Jahrzehnte später Alexandras Welt für immer verändern wird. 


Autorin:

Charlotte Roth, Jahrgang 1965, ist Berlinerin, Literaturwissenschaftlerin und seit zehn Jahren freiberuflich als Autorin tätig. Mit diesem Roman, der auf einem Stück ihrer eigenen Familiengeschichte basiert, hat sie sich einen langgehegten Traum erfüllt. Charlotte Roth hat Globetrotter-Blut und zieht mit Mann und Kindern durch Europa, hält an ihrem Koffer in Berlin aber unverbrüchlich fest. 

Meine Meinung: 
"Die Welt verändern." daran glaubten sie. Das sie noch Möglichkeiten haben Spuren zu hinterlassen und das politische Geschehen zu beeinflussen. Sie schlafen wenig, sie arbeiten viel und müssen doch viele Rückschläge und Niederlagen einstecken. Für manche endet das politische Engagement tödlich, für andere kommt nur noch die Flucht in Frage.
Paula, Kutte, Manfred, Clemens, Klara, Johanna und viele mehr leben in einer wilden lauten Zeit. Es 1912 und die Freunde sind noch jung, unerfahren und sie wollen die Welt ändern. 

Auf der anderen Seite steht Alex(andra). Es ist 1989 und sie erlebt gerade den Mauerfall. Mit ihrer Momi (93) lebt sie im Osten von Berlin und kann die Wende gerade nicht begreifen. Doch sie zieht mit ihrer Freundin los - zum Grenzübergang und läuft ihm in die Arme. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie verbringen die Tage miteinander und dann geschieht es. Momi bricht beim Anblick des jungen Mannes zusammen. 

Dies ist dann der Zeitpunkt an dem sich die beiden Handlungsstränge miteinder immer mehr verknüpfen. Der Leser wechselt immer wieder zwischen den Zeiten hin und her. Jedoch kann man den Geschichten gut folgen und lange bleibt es ein Rästel, wer der junge Mann ist und warum die Momi so eine Angst vor ihm hat. Mit jeder Geschichte wird die Verbindung offensichtlicher und man versteht Momi immer mehr. Auch ihren eigenen Wandel kann man dann nachvollziehen.

Das Buch lässt den Leser in eine politisch brisante Zeit reisen. Ab 1912 bis zum zweiten Weltkrieg reicht der Rückblick der Paula Klein. Die Autorin geht sehr stark auf die politischen Vorgänge ein und man fühlt sich fast schon in diese Zeit versetzt. So manches kennt man noch aus dem Geschichtsunterricht, anderes wird durch die Geschichte deutlich und verständlicher. Wer auf eine klassische Liebesgeschichte zwischen Alex und Oliver oder Paula und Clemens hofft, wird etwas enttäuscht werden, denn der politische Wandel und die Beziehungen der Freunde stehen hier eher im Vordergrund.

Die Autorin hat einen spannenden und interessanten Roman geschrieben, der den Leser in die Zeit der Weltkriege zurückführt. Durch ihren sehr guten Schreibstil lassen sich die 570 Seiten schnell lesen und am Ende hätte man dann gern noch mehr erfahren. 



 5 von 5 Sternen

Dienstag, 13. Mai 2014

Der Sommer der Blaubeeren

"Der Sommer der Blaubeeren" 
von 
Mary Simses



Inhalt:


Kurz vor ihrer Hochzeit fährt die New Yorker Anwältin Ellen Branford in den abgelegenen Küstenort Beacon, um den letzten Wunsch ihrer Großmutter zu erfüllen. Sie soll einen Brief überbringen und hofft, die Angelegenheit schnell erledigen zu können. Doch schon bald ahnt sie, dass sich dahinter viel mehr verbirgt. Denn inmitten von Blaubeerfeldern wartet eine alte Geschichte von Liebe und verlorenen Träumen auf Ellen – die ihr zeigen wird, dass man manchmal all seine Pläne über den Haufen werfen muss, um das wahre Glück zu finden.


Meine Meinung:


"Der Sommer der Blaubeeren" ist eine leichte, einfache und wenig überraschende Geschichte. In der Hoffnung auf ein spannendes Familiengeheimnis zu stoßen, freute ich mich auf diese Geschichte. Leider war es schon relativ schnell klar, dass hier die Großmutter kein allzu spannendes Geheimnis hat und auch sonst die Verknüpfungen eher unspektakulär sind. 


Die New Yorker Anwältin Ellen reist mit viel Enthusiasmus und klaren Zielen nach Beacon, um den letzten Wunsch der Großmutter zu erfolgen. Sie will nur einen Brief abgeben und dann sich wieder ihrer Hochzeit mit Hayden und der Karriere widmen. Doch dann geschieht es – ihre Wandlung in eine Frau, die sich nicht mehr sicher ist, was sie möchte. Sie lernt die einfachen Dinge kennen und muss feststellen, dass sie diese schnell zu schätzen weiß. Sie merkt, dass ihre forsche und manchmal aufbrausende Art sie kaum ans Ziel bringt. Die Menschen in Beacon haben eine herzliche, wenn auch manchmal ruppig-liebenswerte Art, die Ellen sehr schnell erden. Sie muss erkennen, dass hier das Leben anders läuft. Geld, Macht, Politik und Ansehen haben hier nicht die Stellung wie in New York. 

Ellen hat anfangs Probleme sich zurecht zu finden und stößt immer wieder an ihre Grenzen. Schnell gibt sie jedoch ihre festen Rituale und Verhaltensweisen auf. Sie empfindet es als mutig Kohlenhydrate und Fett zu essen, statt an der Möhre zu knabbern. Auch Dartspielen und Tanzen sind für sie neue und bereichernde Erfahrungen. Durch einen Unfall am Bootssteg lernt sie zudem Chet kennen. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen, obwohl sie mit Hayden verlobt ist. Die anstrebten zwei Tage in Beacon werden immer länger und so kommt es, dass bald nicht nur Ellen Beacon, sondern auch ihre Mutter und Hayden Beacon kennenlernen.


Für mich war die Geschichte zu vorhersehbar und mit zu wenig spannenden Elementen. Die Vergangenheit der Großmutter war nicht wirklich so überraschend und aufwühlend. Vielleicht wird sie deshalb immer mehr zur Nebengeschichte, denn die Beziehungen zwischen Hayden, Ellen und Chet rückte immer mehr in den Vordergrund. Auch die schlagartige Wandlung von der Anwältin aus New York zur Kleinstadtliebhaberin fand ich etwas unrealistisch und wenig glaubwürdig. Die Charaktere blieben leider oberflächlich und wenig ansprechend. Gut fand ich dagegen den Schreibstil, flüssig und leicht zu lesen.


Wer eine einfache und schnell zu lesende Geschichte für den Sommer sucht, kann dies hier finden. Ohne komplizierte Verstrickungen wird eine Liebesgeschichte erzählt, die wenig mit der Realität, dafür umso mehr mit Träumereien zu tun hat. Auch dies kann ja schon entspannend sein ;-).


3 von 5 Sternen

Samstag, 10. Mai 2014

Wir beide zusammen, der Himmel so weit

"Wir beide zusammen, der Himmel so weit" 
von 
Lin Hallberg




 erschienen am 07.03.2014
Kosmos Verlag
ISBN 9783440138779
256 Seiten


Inhalt:
 
In Emmas Leben herrscht Chaos: Krise mit ihrer besten Freundin, ihre Eltern wollen sich scheiden lassen. Als letzte Chance für eine gemeinsame Zukunft soll sie nun auch noch mit ihnen für ein halbes Jahr in die Mongolei ziehen – eine fremde Kultur, in der sie sich überhaupt nicht auskennt! Da lernt sie das Nomadenmädchen Baska kennen und trifft den als unnahbaren und schwierg geltenden Hengst Adzerk, dessen Zuneigung sie mit viel Geduld gewinnen kann. Emma lernt, dass sie etwas riskieren muss, um wachsen zu können und zu sich selbst zu finden ... Der preisgekrönte Jugendroman der Erfolgsautorin Lin Hallberg ist eine berührende Geschichte über Freundschaft, Mut und Pferde! Kultur und Landschaft der Mongolei als eindrucksvoller Schauplatz.


Meine Meinung:

Emma fühlt sich in ihrer Familie nicht wohl. Hat sie denn noch eine Familie, wenn sich die Eltern nur noch streiten und in ihrer Gegenwart das gemeinsame Glück schauspielern? 
Sie weiß doch längst, dass ihre Eltern sich nicht mehr lieben. Emma flüchtet lieber zu Ajax. Ajax versteht sie und mit ihm kann sie reden und bei ihm kann sie ihre Probleme los werden. Nur antworten kann Ajax nicht. Denn Ajax ist ihr Lieblingspferd, mit dem sie auch auf Turnieren reitet. Reiten. Reiten ist das größte Glück für Emma und so kann sie nicht verstehen, dass ihre beste Freundin Katrin damit aufgehört hat. Sie ist jetzt mit Tova befreundet und hat kaum noch Zeit und Verständnis für Emma. Warum hat sich in der letzten Zeit alles verändert? Noch bevor sie die Probleme lösen kann, muss sie ihre Eltern in die Mongolei begleiten. Neues, Land, neue Menschen, neue Kultur. Etwas, was sie jetzt wirklich nicht gebrauchen kann.

Lin Hallberg packt ganz behutsam die Probleme der jungen Mädchen an. Der Verlust der besten Freundin an ein anderes Mädchen und damit der Verlust einer Vertrauensperson stellt für Emma eine starke Belastung dar. Auch die ständigen Kritiken an ihrem Pferdehobby kränken und verunsichern sie. Was hat die Neue, was ich nicht habe? Das Selbstbewusstsein bekommt Risse und die Zweifel werden immer größer. Selbst die Streitereien der Eltern geraden in den Hintergrund. 

Hallberg hat einen schönen ruhigen Schreibstil, der die Geschichte unaufgeregt erzählt. Sie stellt die menschlichen Beziehungen in den Vordergrund. Sie lässt Emma in einem Briefwechsel mit Katrin ihre Ängste und Sorgen mitteilen und schafft damit wieder eine Basis für die Freundschaft. Fast schon kann man es als Hilfestellung für das „echte“ Leben sehen. Auch das Zulassen von neuen Kontakten und Kulturen wird hier als etwas Positives dargestellt und kann durchaus auch die Augen der Leser öffnen sich nicht vor Veränderungen zu verschließen. 

Mir hat gut gefallen, dass die Geschichte sehr nah an der Realität ist. Die Leser können sich in die Geschichte hineinversetzen. Vielleicht geht die Reise im "echten" Leben nicht in die Mongolei, dafür aber in die nächste Stadt oder in ein anderes Land. Die Aussage bleibt die gleiche. Auch die Pferdefans werden hier ihre Freude haben, dann es wird einiges über Pferde erzählt und vor allem über das Leben in der Mongolei, welches sich stark von dem Leben in Europa unterscheidet. Eine Landkarte mit der Reiseroute von Emma wäre aus meiner Sicht noch gut gewesen. Das lässt die Entfernung und das "Abenteuer" noch realer werden.

Insgesamt ist es ein gelungenes Jugendbuch mit viel Herz, kleinen Anregungen für die Freundschaftspflege und natürlich Pferden.


4 von 5 Sternen

Samstag, 3. Mai 2014

Schorsch Clooney, die Landluft und ich



"Schorsch Clooney, die Landluft und ich" 

von bibo Loebnau


Schorsch Clooney, die Landluft und ich (eBook) (Front-Cover)


erschienen am 25.03.2014
E-Book
ca. 344 Seiten 
 ISBN 9783733783143
























Inhalt:

Es pfeift! Keineswegs anerkennend hinter ihr her, sondern schrill in Inas linkem Ohr: stressbedingter Hörsturz. Die Klatschreporterin muss dringend raus aus dem Moloch Berlin samt Promis und Premieren und rein in die Pampa – nach Bienensee in der Mark Brandenburg. Doch dort lauern nie gekannte ländliche Herausforderungen: wortkarge Traktorfahrer, übermütige Bernhardiner und stechwütige Mücken. Wie soll Ina denn da Ruhe finden? Und wie eine neue Skandalstory, mit der sie ihre Rivalin in Berlin in die Schranken weisen kann? Als Silberstreif am märkischen Horizont taucht plötzlich der vermeintlich schwule Popsänger Patrick Holmes inkognito in Bienensee auf – und dann betritt auch noch Schauspieler und Frauenliebling George C. auf der Suche nach einem Drehort die dörfliche Bäckerei.


Autorin:

bibo Loebnau
Quelle: books2read.de
bibo Loebnau wurde 1963 in Bremen geboren. Nach Studium und Volontariat arbeitete sie als Journalistin im Axel-Springer-Verlag und als PR-Redakteurin für TV-Produktionen von u.a. Anke Engelke, Cordula Stratmann, Kai Pflaume. 2008 gründete sie ihre eigene PR-Agentur und betreute u. a. Thomas Gottschalks TV-Talk und Hape Kerkelings "Ein Mann, ein Fjord!", Horst Schlämmer "Isch kandidiere!". Sie ist verheiratet und lebt in Berlin.

Meine Meinung: 

Bei Ina pfeift es  gewaltig und nun endlich muss sie sich eingestehen, dass ihr Körper anders denkt als sie. Mit knirschenden Zähnen nimmt sie sich eine Auszeit und fährt 80km außerhalb von Berlin in die Pampa. Das Ferienhaus gehört einer Freundin und dorthin wird sie sich zurückziehen, um gesund zu werden. Ruhe hat der Arzt gesagt. Ausgerechnet von einer Klatschreporterin, dazu noch Chefreporterin, verlangt er es. Es fällt ihr schwer sich in der neuen Rolle der Ruhenden zurecht zu finden. Erschwert wird die Ankunft noch von dem herrlichen Dialekt der "Ureinwohner" von Bienensee.  Hier wird das feinste Sächsisch "Ei verbibbsch! Wo kommt'n de Babbe plötzlich her?" oder "Mach' d'r nämisch nisch bei je'em." mit einem astreinen Berlinersich "Dit is doch keen Brot! Hier, probieren Se mal ein Stückchen von unser'm Räuberbrot. Is jrade im Anjebot." gepaart und so fühlt sich Ina wie in einer anderen Welt. Doch schnell stellt sie fest, dass die Menschen hier nicht nur in ihrer eigenen kleinen Welt leben, sondern auch herzlich, hilfsbereit und ohne Hintergedanken sind. Hier kämpft man nicht um die besten Plätze, um Schlagzeilen und Machtpositionen. Immer mehr gefällt es Ina in der Pampa und doch tauchen immer wieder die dunklen Gedanken in ihrem Kopf auf. Was wird aus ihr? Wird schon an ihrem Stuhl gesägt? Darf sie krank werden oder sein? Doch dann lernt sie einen anderen Leidgeplagten kennen und die Tage vergehen wie im Flug und schon ist sie wieder in der pulsierenden Stadt Berlin. Mittendrin. Und glücklich?

Die Autorin hat einen schönen humorvollen, aber auch leicht nachdenklichen Roman geschrieben. In erster Linie geht es natürlich um die Umstellung von der Großstadt in die Pampa und den damit verbundenen Problemen, aber auch um die Angst, die viele Menschen haben, dass sie sich keine Auszeiten nehmen dürfen, da sie sonst ihren Job verlieren könnten. bibo Loebnau hat diese Problematik, arbeiten bis es nicht mehr geht, gut verpackt. Es ist ein bekanntes Problem, welches gern tot geschwiegen wird - Hörsturz, Burn-out & Co.. Nur keine Schwächen zeigen, immer aktiv, schön und einsatzbereit sein. Lächeln! Es regt, zwischen den Schmunzlern, immer wieder an nachzudenken. Lohnt es sich, sich für einen Job kaputt zu machen? Seine Gesundheit zu verlieren? Was bleibt und wird danach?

Nun könnte man meinen, dass das Thema die Stimmung drückt. Nein, denn die Dialekte der Figuren sorgen für eine herrlich humoristische Note. Immer wieder musste ich über Simonn lachen. Fast schon lief sie der Hauptfigur Ina den Rang ab. Ihre herrlich berlinerische Schnodderschnauze und das Herz am richtigen Fleck schafften es die Stimmung zu heben. Auch ihr Schorsch und das phantastische Englisch "Hier is auer fämos Äpplecake, ssät ju leik so matsch, Schorsch." zauberten ein Lächeln ins Gesicht. Die Charaktere sind symphatisch und bezaubern. Nicht selten, fühlte man sich schon im Brandenburgischen und erinnerte sich an die eigenen Urlaube in dieser Region und an bestimmte Menschen, die genauso herzlich und neugierig waren. Damit es eine rundum schöne Geschichte wird, darf natürlich auch nicht die Liebe und etwas Romantik fehlen. Das macht die Geschichte wieder rund und das Thema etwas leichter. 

Der schöne Schreibstil macht das Lesen leicht und die vielen kleinen Einschübe von den "Promigeschichten" lockern das Ganze etwas auf. Mir hat das eBook gut gefallen. Es ist, trotz des Burn-out/Hörsturz-Themas, eine leichte Geschichte und bestens geeignet, um sie im Liegestuhl oder auf dem Sofa entspannt zu lesen.

4 von 5 Sternen


Herzlichen Dank an 

 https://www.books2read.de/   

und

   
 für das Rezensionsexemplar.


Freitag, 2. Mai 2014

Rein & Raus April 2014

Der April war durch die Fastenzeit bis Ostern sehr streng und zum Abbau geeignet. Ein Besuch bei Bücherfans war dann nach Ostern wieder Gift für meinen SUB. Ich habe mir wieder zig Bücher ausgeliehen und mich dabei schon schwer zusammen gerissen, denn eigentlich hätte ich noch viel mehr Bücher in meinen Bau schleppen können. Sooo viele schöne Bücher...


Rein


Cilla Börjlind "Die Springflut"
Lucinda Riley "Der Lavendelgarten"
 Kajsa Ingemarsson "Dem Himmel so fern"
Mary Simses "Der Sommer der Blaubeeren"
Helen Simonson "Mrs. Alis unangepasste Leidenschaft"
Lucinda Riley "Das Mädchen auf den Klippen"
Antal Szerb "Reise im Mondlicht" 


Raus 



Sophie Bonnet "Provenzialische Verwicklungen" 5 von 5 (nicht auf dem Bild)
Andrea Schacht "Triumph des Himmels" 3 von 5
Silke Schütze "Henny Walden" 4 von 5 (nicht auf dem Bild/eBook)
Jörg Juretzka "Alles total groovy hier" 4 von 5
Richard Fasten "Moin" 2 von 5
Arturo Pérez-Reverts "Dreimal im Leben" 4 von 5
Stephan Ludwig "Zorn - Wo kein Licht"5 von 5
Daniela Larcher "Neumond" 4 von 5
Asa Larsson "Bis der Zorn sich legt" 4 von 5
Lin Hallberg "Wir beide zusammen, der Himmel so weit" 4 von 5