Freitag, 30. September 2011

Eine Frau bei 1000°

"Eine Frau bei 1000°"
 von 
Hallgrimur Helgason



ISBN 9783608501124
530 Seiten
erschienen am 01.09.2011
bei Tropen-Verlag Label von Klett-Cotta








Inhalt:


»Ich lebe hier allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Es ist wahnsinnig gemütlich.« »Ich möchte einen Termin für eine Einäscherung buchen.« »Einen Termin buchen?« »Genau.« »Aha. Ja ... wie war noch mal der Name?« »Herbjörg María Björnsson.« »Hallo? Ich kann den Namen in der Liste nicht finden. Haben Sie den Antrag auf Einäscherung schon eingereicht?« »Nein, nein. Ich möchte einen Termin für mich buchen. Für mich selbst.« »Naja, wir bearbeiten ihn nicht, bevor ... na, Sie wissen schon ... also bevor, äh ..., bevor die Leute tot sind, okay?« »Gut. Wenn es so weit ist, werde ich tot sein. Darauf können Sie sich verlassen. Also, wenn’s eng wird, komme ich einfach vorbei, und ihr schiebt mich lebend in den Ofen.«

Meine Rezension:

Das Buch ist bissig, zynisch und hart zu den Charakteren und teilweise auch gegenüber dem Leser. Anfangs empfand ich das Buch noch als bissige-humorvolle Lektüre einer alten Frau, die über ihr Leben nachdenkt und sich an den Menschen, die sie nicht mehr beachten, rächt. Sie ist hart gegen sich selbst und andere. Herbjörg Maria Björnsson ist eine 80jährige Frau, die in einer Garage auf den Tod wartet. Ihren Einäscherungstermin hat sie sich bereits reserviert und so nutzt sie die letzten Tage/Wochen, um aus ihrem Leben zu erzählen. Sie (Isländerin) zog mit ihren Eltern nach Deutschland und hat an den Schulen kein leichtes Leben gehabt. Ihr Vater war ein fanatischer Anhänger der NS-Politik und in der SS. Er zog in den Krieg und kam als gebrochener Mann zurück. Ihre Mutter geht nach Dänemark und lässt sie zurück. Sie kommt durch den Krieg an die Nordsee und erlebt dort wohl ihre schönste Zeit. Später muss sie ständig vor Hunger, Elend und Vergewaltigungen fliehen und doch wird sie immer wieder eingeholt. Diese Kriegsjahre werden von Hallgrimur Helgason sehr ausführlich und hart an der Grenze (zumindest für mich) beschrieben. Herbjörg härtet durch die verschiedenen Erfahrungen in ihrem Leben ab und nimmt sich am Ende immer was und wen sie will. Ihre Söhne müssen mit und bekommen nur wenig Mutterliebe und Geborgenheit. Dies spiegelt sich auch in dem jetzigen Verhältnis zu ihrer Mutter wider. Das Buch hat mich stellenweise schockiert und traurig gemacht, da konnte selbst der bissige Humor, der immer wieder durchkommt, nicht helfen.

Man sollte sich nicht von den ersten Kapiteln täuschen lassen…nein, es ist kein humoristisches Buch über eine alte Frau…mehr eine Lebensgeschichte, die sehr hart und traurig ist.

Mittwoch, 28. September 2011

Neues Testlesebuch!!!

In den nächsten Tagen wird ein neues Testlesebuch bei mir einziehen. Ich freue mich sehr, denn es verspricht spannend zu werden

Àlex Rovira & Francesc Miralles: Einsteins Versprechen
384 Seiten
ISBN: 9783471350515
Erscheint am 10. Oktober 2011
beim List Verlag








Herzlichen Dank an vorablesen und dem List Verlag!

Sonntag, 25. September 2011

Das geheime Spiel

"Das geheime Spiel" von Kate Morton


ISBN 9783453290310
688 Seiten
erschienen bei Diana TB








Inhalt:

Zwei Schwestern, ein geheimes Spiel und eine verbotene Liebe

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren - vergeblich .
Mehr als 75 Jahre bewahrt Grace das Geheimnis, bis sie endlich die Wahrheit über jene Tage preisgibt.

Meine Rezension:

Ein dickes Buch über Familie, Geschwister, Liebe und Traditionen über mehrere Jahrzehnte hinweg. Der Leser begleitet Hannah und Emmeline durch ihr Leben und kämpft mit ihnen, um Freiheit, Selbstbestimmung und Liebe. Traditionen werden gebrochen, der Krieg wird ausgefochten, Familienstreitereien geklärt, Unternehmen für bankrott erklärt und Familienmitglieder beerdigt. Es ist von allem etwas dabei, mal etwas zäher beschrieben und erzählt, dann wieder geht es sehr schnell (vorallem zum Ende zu) und immer wieder werden kleine Geheimnisse gelüftet.

Ein dicker Schmöker für lange (und) kalte Abende....fehlt nur noch der Kamin und der heiße Tee.

 

Freitag, 23. September 2011

Schwacher Moment

Heute hatte ich leider einen schwachen Moment...ich konnte nicht an meinen kleinen Lieblingsbuchladen vorbeigehen.
Nur mal schauen, was so da ist.
Nur mal anlesen, wie es klingt.
Nur mal kaufen, denn es klingt gut.
An der Kasse war noch alles gut....Bücher glücklich verpackt und dann kam es....das Gewissen.
FASTENMONAT!!!!
Ich habe meinen Fastenmonat gebrochen...kurz vor der Zielgeraden bin ich schwach geworden
...nun, ich kann es nicht mehr ändern. Zwei neue Bücher ziehen bei mir ein und müssen jetzt noch etwas warten, da ich sie ja nicht gleich lesen darf.

Trotzdem ein glückliches Willkomen für...

"Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" von Amos Oz 



"Die Eismalerin" von Kristín Marja Baldursdóttir


Donnerstag, 22. September 2011

Das Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon

"Das Kopfkissenbuch der Dame Sei Shonagon" von Sei Sei Shonagon

ISBN 9783458089988
115 Seiten
erschienen am bei Insel Verlag









Inhalt:
Ein Klassiker der japanischen Literatur, der sehr intime Einblicke in das Hofleben des 11. Jahrhunderts gibt und mit allerlei Lebensweisheiten aufwartet. (Quelle: Suhrkamp/Insel Verlag)

Meine Rezension:

Ein kleines leises Buch erzählt aus der Sicht der Hofdame, der japanischen Kaiserin, Sei Shonagon. Die kleinen Geschichten versetzen den Leser in eine andere Welt und lassen ihn die Hektik der eigenen Welt vergessen. Jede Geschichte hat ihren eigenen Titel und eine kleine Zeichnung am Ende. Ein kleines Stück Glück zwischen zwei Buchdeckeln.

Neues Testlesebuch :-)

Heute kam die Nachricht, dass ich vom litteraturverlag roland hoffmann das Buch "Guðjón Ólafssons Zeitreise als Laborratte" von Hermann Stefánsson zum Testlesen bekomme.


ISBN 9783940331076
256 Seiten
erschienen im litteraturverlag roland hoffmann









Herzlichen Dank an den Verlag und Blogg dein Buch!

Dienstag, 20. September 2011

Der Sünde Sold

"Der Sünde Sold" von Inge Löhnig


ISBN 9783548268644
432 Seiten
erschienen am 09.10.2008
bei Ullstein Taschenbuch Verlag






Inhalt:

Eine Frau will nur noch vergessen. Ein Mann fühlt sich berufen. Ein Kind verschwindet spurlos. Doch das ist erst der Beginn. Bald jagt Kommissar Konstantin Dühnfort im bayerischen Mariaseeon einen sadistischen Mörder, der die Strafen der Inquisition das Licht der Welt neu erblicken lässt. Unter den Dorfbewohnern geht die Angst um. Einer von ihnen ist der Täter und Dühnfort muss ihn finden, bevor er erneut zuschlägt.

Meine Rezension:

Inge Löhnig Debütkrimi hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist spannend bis zum Schluss. Ich hatte ab der Hälfte des Buches einen leisen Verdacht, wer es sein könnte, aber immer wieder schob Löhnig Gegenargumente dazwischen, so dass ich mir bis fast zum Schluss nicht 100% sicher war. Aber genau so sollte ein guter und spannender Krimi sein.

Doch was geschieht in diesem Buch?

Agnes zieht um. Sie hat Schlimmes erlebt und versucht nun einen Neuanfang. Ein neues Haus, ein neuer Ort und vorallem unbekannt bei den Nachbarn. Genau diese klingeln bereits abends, am Tag des Einzuges, an ihrer Tür und fordern sie auf nach einem kleinen Jungen zu suchen. Widerwillig sucht Agnes mit. Der Junge wird jedoch nicht (sofort) gefunden. Die Tage vergehen und die Aufregung im Dorf steigt. Kommissar Konstantin Dühnfort hat alle Register gezogen und doch den Jungen nicht gefunden. Später findet Agnes den Jungen - nackt und verwirrt auf einen Reißighaufen. Was war passiert? Warum der Junge? Während der Suche nach Antworten verschwindet wieder ein Bewohner aus dem Dorf. Eine Frau. Gibt es Zusammenhänge? Warum wurde sie getötet, aber der Junge nicht? Die Zeit rennt Dühnfort davon und schon ist die Nachbarin von Agnes verschwunden. Was geschieht in diesem Dorf? Was will der Mörder erreichen oder warum bestraft er die Menschen? Die Angst und das Misstrauen in der Gemeinde wächst und Dühnfort gerät immer mehr unter Druck.

Spannend, flüssig geschrieben und mit symphatischen Hauptcharakteren. Gelungenes Debüt. Freue mich schon auf den zweiten Band.

Donnerstag, 15. September 2011

Meine kleine Cityfarm

"Meine kleine Cityfarm" von Novella Carpenter


ISBN 9783404606573
379 Seiten
erschienen am 15.10.2010
bei Bastei Lübbe








Inhalt:


Brave urbane Schweine, die anstandslos die Reste vom China-Imbiss fressen. Die Truthähne Harold und Maude, die täglich ausreißen, um mit den Prostituierten von nebenan zu frohlocken. Obst und Gemüse im Überfluss, mit dem sich jeder die Plastiktüten vollstopfen darf ═ das ist Novellas Farm mitten in der Stadt. Novella hat ihren Traum wahr gemacht: Zurück zur Natur und zum bäuerlichen Leben ohne auf Kneipen, Konzerte und exzentrische Nachbarn verzichten zu müssen. Sie erzählt uns alles von Anfang an - von der Entdeckung eines zugemüllten Hinterhofs bis zur ihrer ersten stolzen Homemade-Salami-Party als echter Urban Farmer.


Meine Rezension:

Novella Carpenter schreibt über ihre Erfahrungen als City-Famerin. Sie hat sich mitten in einer Großstadt einen kleinen Garten und Minibauernhof zugelegt. Nicht ganz legal, aber von den Nachbarn toleriert. Sie baut Obst und Gemüse an, hält sich Bienen und schleudert auch ihren Honig selbst. Sie träumt aber auch von Tieren und deren Fleisch, denn sie will die Tiere selber schlachten und verwerten. Also beginnt sie Hühner, Gänse und Truthähne zu halten. Bald darauf folgen die Kaninchen und zur Krönung des Ganzen kauft sie sich zwei Schweine. Sie beschreibt, wie sie dem Futter hinterher jagt (Essen aus den Mülltonnen holen) und die kranken Tiere aufpäppelt. Wie sie sich auf das Töten der Tiere vorbereiten und schlussendlich auch das Töten beschreibt sie (mir manchmal zu viel) ausführlich.
Erstaunlich, was alles auf wenigen Meter Land und mitten in der Stadt möglich ist.

Dienstag, 13. September 2011

Ein perfekter Plan

"Ein perfekter Plan" von Petra Hammesfahr


ISBN 9783499233395
432 Seiten
erschienen am 02.11.2009
bei Rowohlt Taschenbuch








Inhalt:

Abgrundtief böse


Kerstin will hoch hinaus und schmiedet einen schrecklichen Plan: Ihr Freund Richard soll die reiche Regine Sartorius heiraten und dann durch einen „Unfall“ sterben lassen. Zunächst läuft alles glatt – die naive Regine sonnt sich in ihrem unverhofften Glück. Doch dann stellt Richard zu seinem Entsetzen fest, dass seine Frau eine Gabe hat. Eine Gabe, die Kerstin und ihm gefährlich werden könnte …


Petra Hammesfahr ist die Meisterin der Kunst, das Grauen des ganz normalen Alltags darzustellen



Meine Rezension:

Das neue Buch von Petra Hammesfahr hat mich leider nicht wirklich überzeugt. Es soll ein Krimi sein, der fesselt und tief in den menschlichen Alltag eindringt. Die Figuren werden sehr klar und detailliert beschrieben und entwickeln sich auch in der Geschichte weiter, jedoch fehlt das fesselnde Moment. Irgenwie bekommt man die Charaktere nicht zu greifen und verliert dadurch den Zugang. Die Geschichte an sich ist einfach und schnell erklärt, nur spürt man weder Sympathie noch Antipathie für die Charaktere, was jedoch Teil einer Geschichte sein sollte. Die Alltagshandlungen und zum Teil auch die Rückblenden sind doch recht langatmig. Die Spannung will sich nicht so richtig aufbauen. Im Großen und Ganzen würde ich das Buch eher als eine Geschichte mit Mord bezeichnen als einen Krimi, der fesselt. Ob es ein Bestseller (so wie es der Verlag bereits mit einem Aufkleber ankündigt) wird, entscheidet letztendlich der Leser.

Neues Testlesebuch!!!

Kurzer Hüpfer und Freudensprung! Ein neues Buch zieht bei mir ein und ich freue mich schon auf das skurrile Buch.

"Eine Frau bei 1000°" von Hallgrimur Helgason



ISBN 9783608501124
530 Seiten
erschienen am 01.09.2011
bei Tropen-Verlag Label von Klett-Cotta









Inhalt:

»Ich lebe hier allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Es ist wahnsinnig gemütlich.« »Ich möchte einen Termin für eine Einäscherung buchen.« »Einen Termin buchen?« »Genau.« »Aha. Ja ... wie war noch mal der Name?« »Herbjörg María Björnsson.« »Hallo? Ich kann den Namen in der Liste nicht finden. Haben Sie den Antrag auf Einäscherung schon eingereicht?« »Nein, nein. Ich möchte einen Termin für mich buchen. Für mich selbst.« »Naja, wir bearbeiten ihn nicht, bevor ... na, Sie wissen schon ... also bevor, äh ..., bevor die Leute tot sind, okay?« »Gut. Wenn es so weit ist, werde ich tot sein. Darauf können Sie sich verlassen. Also, wenn’s eng wird, komme ich einfach vorbei, und ihr schiebt mich lebend in den Ofen.«


Herzlichen Dank an den Verlag und vorablesen!

Sonntag, 11. September 2011

Im Eis

"Im Eis" von Melanie McGrath


ISBN 9783463405940
464 Seiten
erschienen am 01.09.2011
bei Kindler







Inhalt:


Ellesmere Island, ein paar hundert Kilometer südlich des Nordpols. Eine gewaltige, einsame Eislandschaft. Zwei amerikanische Touristen reisen zu einem Jagdausflug an. Sie werden geführt von Edie Kiglatuk, einer Inuk-Frau und erfahrenen Arktis-Jägerin. Der Ausflug endet für einen der Männer tödlich. Die Umstände seines Todes bleiben ungeklärt. Ayaynuaq heißt es in der Sprache der Inuit: Schlafende Hunde soll man nicht wecken. Als die Dorfältesten beschließen, die Sache auf sich beruhen zu lassen, geht Edie ihren eigenen Weg. Sie will die Wahrheit. Und ahnt nicht, dass sie sich damit mächtige Feinde macht. Sehr mächtige Feinde …


Meine Rezension:


Eis und Schnee und die Kälte dominieren die Geschichte, dazu kommt noch eine gute Portion Mord und Jagd, eine Frau, die in der Gemeinschaft eine Außenseiterposition hat, Drogen und ein "gejagter" Stein. Alles Zutaten für die spannende und interessante Geschichte "Im Eis".


Edie Kiglatuk ist eine erfahrene Jägerin und begleitet Touristen auf den Touren zur Insel Craig. Doch auf ihrer letzten Tour verliert sie einen (von zwei) Touristen. Wagner stirbt und sie muss sich vor dem Ältestenrat erklären. Schnell wird alles vertuscht, sie kann ihre Lizenz behalten und doch ist sie mit dem Ausgang unzufrieden. Als der Begleiter von Wagner, Andy Taylor, ein zweites Mal auftaucht und eine erneute Tour wünscht, wird sie misstrauisch. Ihr Stiefsohn Joe begleitet Taylor und kommt nach Tagen der Verspätung ohne ihn, aber völlig verausgabt und verwirrt wieder. Was war passiert? Wo war Taylor? Bevor sie die Antworten von Joe bekommt, stirbt auch er. Jetzt ist Edie nicht mehr zu stoppen, sie will den Grund wissen und was suchten die Männer? Warum beging ausgerechnet Joe Selbstmord? Edie ist allein mi ihren Vermutungen und sticht immer mehr in ein Wespennest. Langsam wird es auch für sie bedrohlich. Doch sie folgt ihrem Instinkt und knüpft die verschiedenen Fäden zusammen.


Melanie McGrath hat einen spannenden Krimi geschrieben, der bis zum Schluss so manche Frage offen lässt. Sie packt die Geschichte zudem noch in eine unbekannte und kalte Gegend. Inuktitut ist am Anfang recht gewöhnungsbedürftig zu lesen, aber es folgt fast immer eine Übersetzung. Sie beschreibt die Lanschaften und Kälte so gut, dass man das Gefühl bekommt dabei zu sein.

Sonntag, 4. September 2011

Und in mir der unbesiegbare Sommer

"Und in mir der unbesiegbare Sommer" von Ruta Sepetys


ISBN 9783551582546
304 Seiten
erschienen am 01.09.2011
bei Carlsen







Inhalt:

Litauen, Sommer 1941: Die fünfzehnjährige Lina trägt noch ihr Nachthemd, als man sie, ihre Mutter und ihren jüngeren Bruder Jonas abholt. Sie weiß noch nicht, dass die sowjetische Geheimpolizei auch ihren Vater an der Universität verhaftet hat. Und auch nicht, dass sie - wie zehntausende andere Balten - nach Sibieren deportiert wird. Von einem Tag auf den anderen ist Lina konfrontiert mit unvorstellbarem menschlichem Leid, mit Hunger, Krankheiten und furchtbarer Gewalt. Doch Lina fängt an zu zeichnen, in den Staub, auf jedes kleinste Stück Papier, das sie finden kann. Und sie verliebt sich in Andrius. Lina kämpft um ihr Leben und um das ihrer Familie. Doch wird sie stark genug sein?

Meine Rezension:

Beklemmend, traurig, bedrückend und einfach nur erschütternd ist dieses Buch. Eigentlich ein Jugendbuch, aber mit so einer Kraft, dass selbst ich als Erwachsener eine Nacht brauchte, um das Gelesene zu verarbeiten. Bisher habe ich nur wenig über die Deportation von Litauern in die Arbeitslager nahe dem Polarkreis gelesen. Die Autorin beschreibt so detailliert die Geschehnisse, dass man sich schnell ein Bild aufbauen kann, welches aber den Leser dann nicht mehr loslässt.

Lina, ihr Bruder und ihre Mutter werden eines Nachts abgeholt und mit vielen anderen (meist Intellektuelle und deren Familien, Stalingegener usw.) in einen Viehwaggon gesperrt. Sie wissen nicht wohin es geht, sie wissen nicht, warum sie abgeholt wurden und sie haben alles verloren. Irgendwann hält der Zug und sie kommen in das erste Lager im Altai. Dreck, Krankheit, Tote, Hass, Hunger, Schläge und Demütigungen verfolgen sie nun. Mehrere Monate vergehen bis sie wieder in Gruppen in Waggons zusammengepfercht werden. Die Fahrt geht weiter bis zur Überquerung des Polarkreises. In Trofimowsk endet die Fahrt und für viele das Leben. Eisige Kälte und Hunger empfängt sie. Sie müssen nun die Polarnächte in den selbstgebauten Jurten überstehen und trotz aller Mühen werden die Leichenberge neben den Jurten größer. Erst Jahre später, 1954, werden sie wieder "nach Hause" geholt - doch ihr zu Hause ist auch in Litauen (1954: Sowejtunion) nicht mehr da.

Die Autorin schafft ein beklemmendes Buch über die schlimme Zeit des Stalin-Regime. Die Deportation,Tötung und Vertuschung von unzähligen Litauern, Esten, Letten und Finnen ist den meisten weniger bekannt. Ruta Sepetys nimmt für ihre Geschichte das Mädchen Lina an die Hand und zeigt, durch kurze Sequenzen wie schön das Leben "vorher" war und was das Kind (später junge Frau) nun ertragen muss. Ein empfehlenswertes Buch, welches zum Nachdenken anregt.

Samstag, 3. September 2011

Engel aus Eis

"Engel aus Eis" von Camilla Läckberg



ISBN 9783471350157
503 Seiten
erschienen am 08.09.2010
bei List


Inhalt:


Das Dorf Fjällbacka ist alarmiert: Der pensionierte Geschichtslehrer Erik Frankel wurde ermordet. Der beliebte alte Mann war ein angesehener Spezialist für die NS-Zeit. Die Ermittlungen der schwedischen Polizei konzentrieren sich auf Neonazikreise. Doch Erica Falck vermutet das Motiv in Frankels Vergangenheit. Gemeinsam mit ihrer Mutter hatte er den Widerstand gegen die deutschen Besatzer unterstützt. Dunkle Jahre, über die Ericas Mutter nie gesprochen hat. Für Erica ist es an der Zeit, das große Geheimnis ihrer Mutter zu ergründen. Damit gerät sie ins Visier des Mörders.

Meine Rezension:

"Engel aus Eis" beginnt dort, wo "Die Totgesagten" aufgehört haben. Erica findet auf dem Dachboden die Tagebücher ihrer Mutter. Daneben lagen ein deutscher Orden und ein blutverschmiertes Hemdchen. Was hat das zu bedeuten? Woher kommt der deutsche Orden? Hatte ihre Mutter in der Kriegszeit mit den Deutschen Kontakt? Sie wendet sich an Erik, der Lehrer für Geschichte und ein leidenschaftlicher Sammler für Orden und andere Nazisachen ist. Er kann ihr nicht weiterhelfen, doch bald darauf wird er erschlagen in seinem Haus aufgefunden. Warum? Erica begibt sich auf Spurensuche. Sie will ihrer Mutter näherkommen und sticht dabei unbewußt in ein Bienennest. Eine weitere Frau, die Erica kurz vorher besucht hat, stirbt. Erica stößt bei ihren Recherchen immer wieder mit der Polizei zusammen, denn diese müssen nun zwei Mordfälle bearbeiten. Auch Patrik kann sich, trotz Elternzeit für Maya, nur schwer den Fällen entziehen.

Camilla Läckberg hat wieder die Geschichte um Erica, Patrik, Mellberg, Martin & Co. spannend gestrickt. Immer wieder kommen neue Hinweise hinzu und die vielen Handlungsstränge verbinden sich zum Schluß zu einem großen Bild. Läckberg baut aber auch wieder einige witzige und familiäre Momente mit ein, so dass die Geschichte nicht zu düster wird.