Donnerstag, 30. Juni 2011

Jacob beschließt zu lieben

"Jacob beschließt zu lieben" von Catalin Dorian Florescu


ISBN 9783406612671
405 Seiten
erschienen am 16.02.2011 bei Beck









Inhalt:

Meine Rezension:

Der Titel „Jacob beschließt zu lieben“ könnte falsche Erwartungen wecken. Denn hinter diesem Titel steckt keine Liebes- oder rührige Familiengeschichte.

Florescu beschreibt eine Familie, die durch schwere Zeiten gehen muss. In einem kleinem Dorf (Triebswetter) wird ein zarter schwacher Junge geboren, um dessen Familie dreht sich diese Geschichte.

Der Vater Jakob, ein ehemaliger Stallbursche, hat in einer Zeitung von Elsa, der Amerikanerin, gelesen und will sie nun heiraten und deren Hof und Geld verwalten. Sie, die einige Jahre in Amerika lebte und mit viel Geld zurückkam, willigt ein, um sich noch die Chance auf einen Hoferben zu bewahren. Liebe war bei dieser Heirat nicht dabei.
Man arrangiert sich, so dass jeder seinen Nutzen aus dieser Beziehung ziehen konnte. Jacob blieb jedoch hinter den Erwartungen des Vaters, der ihn immer wieder anstachelte, prügelte und beschimpfte. Die Zeiten werden immer härter und mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kommen noch Hunger, Misstrauen und Vertreibung hinzu. Gegen Ende des Krieges werden die letzten jungen Männer mobilisiert, die sich bisher versteckt hielten oder bis dahin noch nicht alt genug waren. Auch Jacob – durch den Verrat des eigenen Vaters – erlebt eine schreckliche Zeit, die ihn jedoch stärker werden lässt. Er kehrt nach Jahren wieder zurück in das Dorf und muss feststellen, auch nach dem Krieg keine Ruhe unter dem kommunistischen Regime eingekehrt ist.


Der Leser reist durch die verschiedenen Jahrzehnte der Familie Aubertin/Obertin. Er erfährt wie das Schicksal der Familie im 30jährigen Krieg in Lothringen begann und wie der Namenswechsel bedingt durch den Ortswechsel - von Lothringen nach Banat (Rumänien)- zustande kam.

Ein spannendes und ergreifendes Buch, deren Geschichte den Leser nicht mehr loslässt. Die verschiedenen Zeitsprünge sind manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber notwendig, um die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Charakteren besser verstehen zu können. Zum Teil beschreibt Florescu die Handlungen sehr genau – brutal, hart und lebensecht, aber auch liebevoll und zart.

In seinem neuen großen Roman erzählt Catalin Dorian Florescu die abenteuerliche Lebensgeschichte des Jacob Obertin aus dem schwäbischen Dorf Triebswetter im rumänischen Banat. Es ist eine Geschichte von Liebe und Freundschaft, Flucht und Verrat und darüber, wie die Fähigkeit eines Menschen zu lieben ihn über alles hinwegretten kann. Jacobs Geschichte – zeitlich zwischen dem Ende der 20er- und Anfang der 50er-Jahre angesiedelt – weitet sich zu einem Familienepos, in dem temporeich und in dichten, fantastischen Bildern das Schicksal der Obertins über 300 Jahre hinweg erzählt wird, beginnend mit dem 30jährigen Krieg in Lothringen.

Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich Jacobs Vorfahren, wie viele Tausende Anderer aus Lothringen ein besseres Leben suchend, auf den gefährlichen Weg ins Banat gemacht, um ihr Glück zu finden und eigenes Land zu besitzen. Jacob wird mit dem Kampf um Macht und Besitz konfrontiert, wird vom eigenen Vater verraten und verliert seine erste Liebe. Doch immer wieder gibt es Menschen, die ihm helfen, die Wechselfälle der Geschichte – Diktaturen und Deportationen – mit ihren grotesken und katastrophalen Folgen zu überleben und einen neuen Aufbruch zu wagen.

In diesem zärtlichen und spannenden Buch bekommen wir auch ein atemberaubendes Konzentrat europäischer Geschichte geboten. Das Bild einer Welt, die nicht zur Ruhe gekommen ist.

Samstag, 25. Juni 2011

Mein geteiltes Herz

"Mein geteiltes Herz" von Claire Hake

Eine große Liebe zwischen Sumatra, Shanghai und Deutschland

ISBN 9783805208871
464 Seiten
erschienen am 12.03.2010 bei Wunderlich






Inhalt:

Eine Liebe über Zeiten und Kontinente Mitte der zwanziger Jahre reist die junge Schweizerin Claire Hake allein nach Sumatra und begegnet auf einer abgeschiedenen Tabakplantage inmitten des Urwalds ihrer großen Liebe Gustav, einem deutschen Pflanzer. Claire und Gustav heiraten; ihr Leben auf der Plantage ist zwar entbehrungsreich, aber glücklich – bis im weit entfernten Europa der Krieg ausbricht. Als die Wehrmacht 1940 in Holland einfällt, kommt es zu unglaublichen Szenen in der holländischen Kolonie. Die Deutschen werden beschimpft, gedemütigt, und auch Claire ist betroffen. Sie wird von Gustav getrennt und interniert. Erst nach sieben Jahren in einem indonesischen Lager und in Shanghai gelingt es Claire, sich in die Schweiz durchzuschlagen. Als sie die Nachricht erhält, dass auch ihr Mann das Lager überlebt hat, gibt es für Claire kein Halten: Sie macht sich auf, um Gustav endlich wieder in die Arme zu schließen. Nach Gustavs Tod, mit 83 Jahren, beginnt Claire, ihr Leben und ihre Liebesgeschichte aufzuschreiben. Ihrer Enkelin Nicoline hinterlässt sie einen alten Koffer voller Manuskripte und Fotos.

Meine Rezension:

Claire Hake heiratet ihre große Liebe Gustav und setzt sich damit gegen ihren Vater durch. Dieser ist so gar nicht begeistert, dass seine Tochter einen Deutschen heiratet. Sie folgt ihrem Mann nach Sumatra, wo sie einige Jahre leben. Ihre zwei Söhne schicken sie nach Deutschland auf ein Internat, damit sie zu "richtigen Deutschen" erzogen werden. Die Trennung fällt ihnen schwer und wird von einigen der Freunde auch nicht verstanden, denn Deutschland rüstet sich für den Krieg auf. 1940 kippt die Stimmung in niederländischen Kolonie, denn Deutschland fällt in Holland ein. Claire und Gustav werden getrennt und Gustav interniert. Die Jahre werden für Claire immer härter und sie muss sich von einigen Menschen demütigen lassen, da sie mit einem Deutschen verheiratet ist. Sie flüchtet nach Shanghai zu ihrer Schwägerin. Dort trifft sie allerdings kaum auf Liebe und Verständnis. Nach gut sieben Jahren kann sie wieder zurück in die Schweiz reisen...ohne Mann, ohne Kinder, ohne Hab und Gut und immer auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. 1947 sieht sie ihren Mann wieder, der es bis nach Hamburg zu seiner kaltherzigen Mutter geschafft hat. Sie reist wieder nach Deutschland zurück (und verliert damit das dauerhafte Aufenthaltsrecht in der Schweiz) und kann nun endlich ihren Mann in die Arme schließen....den eigenen Sohn erkennt sie nicht und der zweite Sohn gilt als vermisst.

Eine bewegende Lebensgeschichte mit vielen interessanten geschichtlichen Einschüben. Die Geschichte wurde von der Enkelin von Claire Hake niedergeschrieben. Sie verwendete dazu die Aufzeichnungen der Großmutter und fügte die geschichtlichen Verzweigungen immer wieder mit ein, um die Lebensumstände von Claire Hake besser verstehen zu können.

Die Beschreibungen von Indien und China waren teilweise sehr gut und spannend zu lesen, allerdings bin ich mit der Hauptdarstellerin nicht so richtig "warm" geworden. Sie wirkte immer etwas kühl und distanziert und überkorrekt (was sicherlich auch an ihrer Erziehung und der damaligen Zeit liegen kann).

Insgesamt hat mir das Buch jedoch gut gefallen.

4 von 5 Sternen

Eine Frage der Höflichkeit

"Eine Frage der Höflichkeit" von Amor Towles

ISBN 9783862200108
416 Seiten
erschienen am 02.03.2011 bei Graf Verlag









Inhalt:

New York, Neujahr 1937: Die beiden Freundinnen Kate und Eve - zwei Provinzschönheiten, die die Welt erobern wollen - gabeln in einer Jazzkneipe den charmanten Tinker Grey auf. Er trägt Kaschmir und scheint Single zu sein - ein Sechser im Lotto. Eine turbulente Freundschaft à trois beginnt: Die beiden jungen Frauen weisen Tinker in die Geheimnisse des Schnorrens ein - wie gelangt man in die Radio City Music Hall, ohne Eintritt zu bezahlen? - und Tinker revanchiert sich, indem er sie in die feinsten Clubs der City ausführt. Eines ist klar: Die beiden wollen dazugehören in dieser Welt der schokobraunen Bentleys, der seidenen Etuikleider und des prickelnden Champagners. Erst als das beschwingte Dauerabenteuer jäh durch einen Unfall beendet wird, stellt sich für Kate die Frage, wer eigentlich in wen verliebt ist ... oder ob es für sie sogar viel mehr ist.

Meine Rezension:

Eine Frage der Höflichkeit von Amor Towles ist eine versteckte Liebesgeschichte zwischen drei Menschen, die sich lieben und doch nicht zusammen glücklich werden können.

1937/38 in New York, die Freundinnen Kate und Eve leben zusammen in eher bescheidenen Verhältnissen, denn mit ihren Einkommen können sie nicht die große Welt erobern…aber zumindest davon träumen. Die Silvesternacht 1937 soll eine Wende im Leben von den Freundinnen bringen. Sie lernen in einer Jazzkneipe den jungen und gutaussehenden Tinker Grey kennen. Er wirkt charmant und erfahren, wohlhabend und weltoffen. Sie feiern zusammen ins neue Jahr und erkennen, dass sie gut miteinander auskommen. Tinker wird von Eve und Kate in die Geheimnisse des kulturellen Überlebens (ins Kino schmuggeln ohne zu bezahlen) eingeführt und Trinker erweist sich als sehr guter Gastgeber in den feinen Restaurants. Die Freundinnen teilen sich mehr oder weniger den Mann und kommen mit der Situation gut zurecht. Bis der Unfall geschieht und Tinker sich (wohl mehr aus Pflichtbewusstsein) für Eve entscheidet. Trotzdem bleibt ihnen Kate als Freundin erhalten, auch wenn sie dafür ihre eigenen Gefühle verbergen muss. Sie geht zielstrebig ihren Weg und arbeitet sich langsam nach oben. Dabei muss sie feststellen, dass der schöne Schein manchmal doch trügt und nicht alles so passt, wie es passen sollte. Sie lernt Menschen kennen, die ihr die Augen in Bezug auf Tinker öffnen und neue Welten zeigen.


Ich fand das Buch sehr gut. Einmal angefangen, fesselt die Geschichte den Leser und lässt ihn schnell und leicht in die 30er Jahre eintauchen. Towles hat eine so schöne klare Sprache, dass man sich schnell zu der Geschichte die passenden Bilder aufbauen kann.

Die Gesellschaftskritik kommt eher unterschwellig im Text vor und manchmal geht sie fast dabei verloren. Die kleinen Druckfehlerteufel (oder doch Grammatikfehler?) sollte man überlesen und das Buch einfach genießen, denn es lohnt sich durchaus.

5 von 5 Sternen

Ausgebucht

"Ausgebucht" von Steffi von Wolff

ISBN 9783499215735
256 Seiten
erschienen am 01.01.2011 bei Rowohlt Taschenbuch









Inhalt:

Die Zwillinge Dine und Katinka erben nach dem Tod ihrer Urgroßmutter das heruntergekommene Hotel „Friesenzauber“ an der Nordsee. Statt Villen und Oldtimer, Schmuck und Bargeld bekommen die beiden Schwestern, die sich nicht ausstehen können, damit das zuletzt in den fünfziger Jahren renovierte Hotel. Und nicht nur das. Das Erbe ist auch noch an eine Bedingung geknüpft: Die beiden müssen es gemeinsam auf Vordermann bringen. Gelingt es ihnen, das Hotel innerhalb eines Jahres so zu führen, dass es für mindestens drei Monate ausgebucht ist, bekommen beide jeweils eine Million Euro aus dem Erbe. In Altkirchtrup scheint die Zeit stillzustehen. Nicht nur das Hotel wirkt wie im Dornröschenschlaf, auch die Bewohner des Ortes scheinen nicht in der Neuzeit angekommen zu sein. Beim Bäcker, beim Fleischer, in der Dorfkneipe - nirgendwo traut man den beiden jungen Dingern aus der Stadt zu, den "Friesenzauber" in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Das weckt den Ehrgeiz von Dine und Katinka. Zwistigkeiten werden hinten angestellt, die beiden krempeln die Ärmel hoch - und schaffen es.

Meine Rezension:

Hmm...na,ja. Schnell zu lesen und ganz nett, aber ansonsten schon eher unrealistisch. Die Zwillinge Dine und Katinka erben ein kleines Hotel "Friesenzauber" von der Uroma. Erst nach erfolgreicher Renovierung und einer mindestens dreimonatigen Ausbuchung erben die Zwillinge eine Million. Obwohl sie nicht miteinander auskommen und auch keinerlei Interesse bzw. Ahnung vom Hotelwesen haben, machen sie sich auf den Weg. Das Dorf empfängt sie nicht mit offenen Armen, denn die Uroma hatte ein Geheimnis, welches die Mädchen nun finden und die Vergangenheit klären sollen.

Die Charaktere sind eher flach und wenig anspruchsvoll. Auch die Geschichte schleppt sich durch die Seiten. Das Buch wird mit 256 Seiten angegeben...meins hatte "nur" 206 Seiten, welche aber auch völlig ausreichend waren.

2 von 5 Sternen

Montag, 20. Juni 2011

Leon & Louise

"Leon und Louise" von Alex Capus



ISBN 9783446236301
320 Seiten
erschienen am 07.02.2011 bei Hanser















Inhalt:

Zwei junge Leute verlieben sich, aber der Krieg bringt sie auseinander: Das ist die Geschichte von Léon und Louise. Sie beginnt mit ihrer Begegnung im Ersten Weltkrieg in Frankreich an der Atlantikküste, doch dann trennt sie ein Fliegerangriff mit Gewalt. Sie halten einander für tot, Léon heiratet, Louise geht ihren eigenen Weg - bis sie sich 1928 zufällig in der Pariser Métro wiederbegegnen. Alex Capus erzählt mit wunderbarer Leichtigkeit und großer Intensität von der Liebe in einem Jahrhundert der Kriege, von diesem Paar, das gegen alle Konventionen an seiner Liebe festhält und ein eigensinniges, manchmal unerhört komisches Doppelleben führt. Die Geschichte einer große Liebe, gelebt gegen die ganze Welt.


Meine Rezension:


Manchmal hält die Liebe über Jahrzehnte, auch wenn man sich nicht sieht. Leon und Louise lernen sich in jungen Jahren, während des ersten Weltkrieges, kennen. Sie ist die rechte Hand des Bürgermeisters und er der Assistent des Bahnbeamten. Sie treffen, vertrauen und verlieben sich...bis zum schicksalhaften Tag, an dem die Bomben vom Himmel fielen und sie getrennt werden. 10 Jahre später treffen sie sich zufällig in Paris,während einer Metrofahrt, wieder. Sie arbeitet in einer Bank und Leon, verheiratet, arbeitet für die Polizei (im Labor). Nach einer gemeinsamen Nacht entschließen sie sich, sich nicht wiederzusehen. Während des zweiten Weltkrieges geht Leon seinen Weg und lebt nach wie vor mit seiner Frau Yvonne und seinen fünf Kindern zusammen. Jeder muss an den anderen denken und doch können/dürfen sie sich nicht sehen. Der Leser bekommt im Buch immer wieder Briefe von Louise zu lesen. Man weiß nicht, ob sie Leon erreichen, ob er antwortet und was er mit ihnen macht. Hat er noch Gefühle für Louisè? Werden sie sich wiedersehen? Und was wird aus Yvonne?

Ein schönes Buch über die Liebe, den Glauben an sie und den harten Alltag. Schnörkellos erzählt Capus von den beiden Hauptcharakteren, die jedoch manchmal gefühlsarm wirken und doch glaubt man als Leser an die große Liebe der beiden. Capus schafft es gut die (Welt-)Geschichte und die Liebe miteinander zu verbinden ohne das es in Klischees oder ins Kitschhafte abrutscht.

4 von 5 Sternen

Sonntag, 19. Juni 2011

Das Leben ist kein Gurkensandwich

"Das Leben ist kein Gurkensandwich" von Ceri Radford

ISBN 9783805250153,
400 Seiten,
erschienen am 15.07.2011
bei Wunderlich








Inhalt:

Gurkensandwiches zum Five o'clock Tea - der perfekte Nachmittag für Constance Harding. Aber leider spielt die Familie nicht mit. Der Sohn will nicht heiraten, die Tochter zählt Stichlinge in Frankreich, die litauische Haushälterin trocknet ihre Polyesterunterwäsche im Arbeitszimmer des Gatten. Es ist ein Skandal! Aber Constance lässt sich nicht unterkriegen: Sie nimmt das Leben der an­deren selbst in die Hand. Mit völlig unerwarteten Folgen für ihr eigenes ...

Meine Rezension:

Constance Harding, eine gutsituierte englische Hausfrau, die sich rührend um Mann, Kinder und Papagei kümmert, beginnt einen Blog zu schreiben.

Sie lebt in einem großem Haus in England und beschreibt nun in ihrem Blog, wie kompliziert das Leben der anderen ist. Diese Vorgänge kommentiert sie in feinsten britischen (schwarzen) Humor. Sie kümmert sich um ihren Sohn, der immer noch Single ist, da sie nun endlich auch einmal eine Hochzeit feiern will....nicht nur die Freundinnen. Doch ihre Kuppelei ist nicht vom Erfolg gekrönt und endet in mehreren Krisen. Ihre Tochter lebt momentan in Frankreich...denkt sie. Doch irgendwann kommt ein Anruf aus Ibiza und Constance muss ihre Tochter abholen. Der eigene Mann hat viel zu tun, muss Überstunden machen und das junge Hausmädchen benimmt sich auch immer komischer, aber sie zeigt Verständnis und Toleranz. Auch ihre Wechselläutenfreunde haben so manches Problem, welches sie versucht zu lösen (oder besser: auch hier und da auslöst). Und dann ist da ja noch Iwan...ein Geschäftsfreund ihres Mannes...trinkt, raucht, hat ständig neue Ehefrauen und kann sich bei Tisch einfach nicht benehmen.

Der Leser begleitet sie ein Jahr lang und erlebt mit ihr schöne wie auch schwierige Zeiten, denn irgendwann muss sie einsehen, dass auch in ihrem Leben nicht immer alles rosa ist bzw. sein kann und das sich auch so manches Problem nicht von selbst löst, indem man es ignoriert.

Schöne, leichte Sommerlektüre mit einem Augenzwinkern und feinen schwarzen Humor.

4 von 5 Sternen

Winterkartoffelknödel

"Winterkartoffelknödel" von Rita Falk


    Ein Provinzkrimi, Band 1        
  
    ISBN 9783423248105, 
    233 Seiten, aus der Reihe Franz Eberhofer, 
    erschienen am 01.10.2010 
    bei Deutscher Taschenbuch Verlag
                               

Inhalt:


Der erste Fall für Franz Eberhofer ist ein ganz bizarrer. Da ist diese Geschichte mit den Neuhofers. Die sterben ja an den komischsten Dingen. Mutter Neuhofer: erhängt im Wald. Vater Neuhofer (Elektromeister): Stromschlag. Jetzt ist da nur noch der Hans. Und wer weiß, was dem noch bevorsteht ... Normalerweise schiebt Dorfpolizist Franz Eberhofer in Niederkaltenkirchen eine ruhige Kugel. Aber jetzt: Vierfachmord! Stress pur! Zum Glück kocht die Oma den hammermäßigsten Schweinebraten, wo gibt. Und das beste Bier gibt's eh beim Wolfi.

Meine Rezension:
„Winterkartoffelknödel“ verspricht Provinz und Tradition und daran hält sich die Autorin auch. Der Leser wird in die Welt einer kleinen bayrischen Provinz entführt und lernt so einige Vorurteile und Klischees kennen. Franz Eberhofer ist Polizist in dem Dorf und hat sich nach seiner Versetzung von München nach Niederkaltenkirchen an das ruhige und beschauliche Polizistendasein gewöhnt. Er lebt in einem Saustall (kann man durchaus wörtlich nehmen) und verbringt seine Zeit mit der Oma, dem Papa und in der Kneipe. Oma, eine schrullige kleine Rosine (Rosine – O-Ton von Franz) kennt das Dorf wie keine andere und das Dorf kennt sie. Doch dann ist es vorbei mit der Ruhe und Beschaulichkeit….die Ferrari und die Mütze kommen in das Dorf. 
???. 
Die Ferrari ist eine junge attraktive Frau, die bei den Herren des Dorfes für große Augen und für so manchen Hormonschub sorgt und Mütze ist ihr kleiner Schoßhund. Was macht sie hier? Was hat sie mit dem Sonnenleitnergut zu tun? Und warum stirbt die Familie Neuhofer auf so tragische Weise? Franz Eberhofer geht der Spur nach und klärt so manches auf, was lange im Dunkeln lang. 
Die Geschichte erfüllt so ziemlich jedes Klischee und Vorurteil gegenüber bayrischen Provinzen und ist deshalb auch mit einem Augenzwinkern zu lesen. Die bayrische Sprache wird auch so ganz nebenbei noch gelernt. Manchmal greift die Autorin zu deftigen Ausdrücken und Ansichten…ob es nötig ist, muss jeder selbst entscheiden. Der Krimi lässt sich jedoch leicht und schnell lesen und verursacht so manches Schmunzeln.

4 von 5 Sternen

Samstag, 18. Juni 2011

Frau Freitag

"Chill mal, Frau Freitag" 
von 
Frau Freitag






















Aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin
von Frau Freitag

ISBN 9783548373997
336 Seiten,
erschienen am 11.03.2011 bei Ullstein Taschenbücher


Inhalt:

»Hitler hat die Mauer gebaut«, glauben Abdul und Ronnie. Esra stylt sich im Disco-Islam: rosa oder türkis mit Glitzer und natürlich Kopftuch. Und Samira, die Klassenqueen, kann sich keine Sekunde von ihrem Handy trennen und hält hyperaktive Siebtklässler in Schach. An Frau Freitags Schule geht es immer voll ab. Ihr Alltag als Lehrerin ist absurd-komische Realsatire - verrückt, anrührend und vor allem sehr lustig. Aber Frau Freitag findet: Ich habe den schönsten Beruf der Welt."

Meine Rezension:


Frau Freitag....nun mal Hand auf`s Herz...ist es wirklich so oder doch etwas überspitzt dargestellt?

Frau Freitag ist eine begeisterte Lehrerin in einer Gesamtschule und das (wohl auch noch) in einer Großstadt mit hohem Migrationshintergrund. Genau erfährt man es nicht - ist aber auch für den Inhalt nicht notwendig. Sie unterricht Kunst und Englisch und ist zudem noch Klassenlehrerin einer gut chaotischen Klasse, die wenig Sinn für Bildung oder Abschluss hat. Gern berichtet sie von ihren "Problemfällen" und wie sie versucht damit umzugehen. Es werden Strategien gegen Schwänzen, Null-Bock und Beleidigungen aufgebaut und wieder verworfen, weil man ja eigentlich froh sein kann, dass sie überhaupt da sind. Die Freude über kleine Dinge scheinen Lehrer als erstes zu lernen - mal "nur" 10 Minuten zu spät, einen Bleistift dabei haben oder sogar das Buch ist eingepackt (niemand spricht davon, dass es aufgeschlagen wurde).

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Nicht zu empfehlen, denn die kleinen und großen Schüler- und Lehrerpannen nutzen sich auf über 330 Seiten etwas ab. Vieles ähnelt und wiederholt sich. Man sollte sich die Kapitel nach und nach gönnen, da hat man mehr vom Klischeeaufbau und Vorurteilebasteln. Teilweise konnte ich schmunzeln über die grammatikalischen Aussetzer und die schrägen Dialoge zwischen den Lehrern und den Schülern. Der andere Teil erschreckte mich. Was ist aus der Bildung geworden ist? Bessere Noten, weil man der Lieblingsschüler ist? Trotzdem noch versetzen, da man keinen Förderplan schreiben will?

Insgesamt ein leicht und schnell zu lesendes Buch, in dem die Autorin trotz Humor auch die vielen Baustellen im Bildungswesen aufzeigt. Nicht nur zum Schmunzeln geeignet, sondern auch mal zum Nachdenken.

3 von 5 Sternen

Samstag, 11. Juni 2011

Linksaufsteher

"Linksaufsteher" von Matthias Sachau





ISBN 9783548283197
352 Seiten
erschienen am 15.04.2011
Ullstein Taschenbuch


















Inhalt:

Schon wieder Montag! Oliver hat richtig schlechte Laune. Als er von Lena angerempelt wird, fetzt es mächtig. Dass er sich dabei auch Hals über Kopf verliebt hat, merkt er erst, als es zu spät ist. Aber Oliver kämpft. Und das nicht alleine: Sein Freund Anton berät ihn in Liebesdingen. Der ist erst 7 Jahre alt – und bringt Oliver auf die irrwitzigsten Ideen. Wenn er sich nur montags besser unter Kontrolle hätte ...


Meine Rezension:


Oliver hat es nicht leicht. Jede Woche beginnt mit einem Montag und dieser Tag ist immer besonders schrecklich für ihn und seine Mitmenschen. Und so geschieht es an einem Montag, dass er mit DER Frau zusammenstößt, die ihm dann nicht aus dem Kopf geht. Eigentlich ist Oliver Werbespotsprecher und verdient damit gutes Geld, auch wenn er seinen Job nicht sonderlich mag. Seine Arbeitgeber sind etwas verrückt, aber trotzdem (mit einem guten Schuss Humor) auszuhalten. Er hat gute Freunde (im echten Leben) und doch geht ihn der Zusammenstoß mit dieser Frau nicht aus dem Kopf. Sein Tagesablauf wird nun nach der "Trulla" (O-Ton der Cafebesucher) gerichtet, er legt sich sogar ein Facebookprofil zu und doch bekommt er kein Wort heraus, wenn er auf sie trifft. Wer ist sie? Und warum zieht sie ihn so an? Welches Geheimnis hat sie?

Neben vielen wirren und wilden Szenen/Jagden mit und durch Oliver verursacht, darf der Leser auch bei der Schließung von virtuellen Freundschaften dabei sein. Die Dialoge zwischen Oliver und seinem kleinen (Seelen-)Berater Anton (7 Jahre) sind auch manchmal herrlich komisch.

Bis auf kleine Hänger und manchmal zu langen Szenen ist das Buch schön kurzweilig und entspannend. Es lässt sich leicht und zügig lesen und man hat Spaß dabei zu erleben, wie sich Oliver zu seiner "großen" Liebe durchwurschelt und mit vielen schrägen Typen um etwas mehr Normalität kämpft.

3 von 5 Sternen

Das Leben ist kein Gurkensandwich

Ich habe ein neues Testlesebuch bekommen und schmökere gerade in:

"Das Leben ist kein Gurkensandwich" von Ceri Radford

Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Wunderlich (15. Juli 2011)
ISBN-10: 3805250150









Inhalt:

Gurkensandwiches zum Five o’clock Tea -

der perfekte Nachmittag für Constance Harding. Aber leider spielt die Familie nicht mit. Der Sohn will nicht heiraten, die Tochter zählt Stichlinge in Frankreich, die litauische Haushälterin trocknet ihre Polyesterunterwäsche im Arbeitszimmer des Gatten. Es ist ein Skandal! Aber Constance lässt sich nicht unterkriegen: Sie nimmt das Leben der an­deren selbst in die Hand. Mit völlig unerwarteten Folgen für ihr eigenes ... (Quelle: Verlagsseite)

Sonntag, 5. Juni 2011

Schattenträumer

"Schattenträumer" von Andrea Busfield


Übersetzer: Carina Tessari, Yasemin Dinçer
Gebunden, 432 Seiten
Rütten & Loening
978-3-352-00798-9










Inhalt:

Liebe in Zeiten des Krieges

Zypern, 1955. Der 15-jährige Loukis trennt sich von seiner großen Liebe, um sich einer Widerstandsgruppe in den Bergen anzuschließen. Er ist fest entschlossen, den Tod seines Bruders Nicos zu rächen, der von den britischen Besatzern erschlagen wurde. Jahre später kehrt er in sein Dorf zurück, und nichts ist mehr wie zuvor. Eine schmerzvoll schöne Familiensaga über Liebe und Trennung vor dem Hintergrund der Konflikte, welche die Insel bis heute nicht zur Ruhe kommen lassen.

»Ein bezaubernder Roman, der die Herzen der Leser erobern wird.« News of the World

Meine Rezension

Andrea Busfield versucht in "Schattenträumer" eine Familiengeschichte mit der Geschichte von Zypern zu verbinden.

Die Geschichte dreht sich hauptsächlich um die Liebe zwischen Praxi und Loukis. Beide erst um die 15 Jahre alt und doch fühlen sie sich voneinander angezogen. Doch die Politik, der Krieg will es anders und so wird Loukis Bruder Nicos getötet. Neben dem Tod des Bruders treibt auch ein unbedarfter Kommentar von Praxi, Loukis in die Arme der EOKA. Noch ist er zu jung, um mit der Waffe zu kämpfen, doch Botengänge kann er für die EOKA erledigen. Loukis bleibt mehrere Jahre, in denen die Mutter und der Vater vom ihm immer wieder dafür beten, dass er lebend wiederkommt. Sie erleben Leid und Verzweiflung, müssen mit ansehen, dass Praxi einen anderen Mann heiratet und das Dorf verlässt und gute Freunde vertrieben werden. Die Brüder von Loukis versuchen ebenfalls ihre Wege zu gehen. So arbeitet Michalakis als Journalist für eine Zeitung, die versucht die politischen Geschehnisse neutral aufzuarbeiten und den Menschen mitzuteilen.


Nach einigen Jahren kehrt Loukis zurück und muss sich neu orientieren. Ein Leben mit Praxi scheint nicht möglich. Oder doch?

Andrea Busfield versucht immer wieder die politischen Geschehnisse zwischen den Griechen und Türken einzuflechten. Manchmal gelingt es ihr ganz gut, doch gelegentlich reißt sie den Leser aus der Geschichte raus, um ihn einen Geschichtsbrocken vorzulegen. Die Verbindung von Familie und Geschichte funktioniert nicht immer. Auch benötigt der Leser etwas Zeit und Geduld, um in die Geschichte einzutauchen -  der Anfang ist etwas holprig, aber es lohnt sich dabei zu bleiben.

Ein empfehlenswertes Buch, dass dem Leser in eine andere Zeit führt. Wer sich nicht mit der Geschichte von Zypern, Griechenland und der Türkei auskennt, kann hier noch einiges erfahren.


4 von 5 Sternen